Arbeitsagentur und Partner machen Inklusion zu einem Schwerpunkt
Arbeit ist Teilhabe

Kreis Steinfurt -

Einfach nur arbeiten wie alle anderen auch: Tatsächlich geht dieser vermeintlich einfache Wunsch für viele Menschen mit Behinderungen viel zu selten in Erfüllung. Lediglich knapp die Hälfte der Frauen und Männer im erwerbsfähigen Alter gehen einer Beschäftigung nach – und das überwiegend in Teilzeit- oder Minijobverhältnissen.

Montag, 10.12.2018, 16:42 Uhr
Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen haben es schwer einen für sie passgenauen Job zu finden. Die Arbeitsagentur und ihre Netzwerkpartner wollen in 2019 verstärkt daran arbeiten, diese Situation zu verbessern. Setzen sich für mehr Chancen von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt ein (v.l.): Ralf Hagemeier, Sönke Delarue, Reiner Zwilling und Dieter Fühner.
Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen haben es schwer einen für sie passgenauen Job zu finden. Die Arbeitsagentur und ihre Netzwerkpartner wollen in 2019 verstärkt daran arbeiten, diese Situation zu verbessern. Setzen sich für mehr Chancen von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt ein (v.l.): Ralf Hagemeier, Sönke Delarue, Reiner Zwilling und Dieter Fühner. Foto: Drunkenmölle

Einfach nur arbeiten wie alle anderen auch: Tatsächlich geht dieser vermeintlich einfache Wunsch für viele Menschen mit Behinderungen viel zu selten in Erfüllung. Lediglich knapp die Hälfte der Frauen und Männer im erwerbsfähigen Alter gehen einer Beschäftigung nach – und das überwiegend in Teilzeit- oder Minijobverhältnissen. Arbeitslosigkeit betrifft die Menschen mit Handicaps deutlich häufiger als den Durchschnitt – auch in Zeiten, in denen die Konjunktur brummt. Die Erwerbslosenquote dieser Gruppe liegt im Kreis Steinfurt bei zwölf, für die Gesamtbevölkerung bei aktuell 3,8 Prozent. Der Abstand ist seit Jahren unverändert. Und das soll sich ändern.

Zusammen mit einer ganzen Reihe von Netzwerkpartner will sich die Agentur für Arbeit in Rheine diesem Thema widmen. Es geht um berufliche Inklusion und darum, die Chancen von Menschen mit Behinderungen auf einen Arbeitsplatz durch Bildung und Qualifizierung zu erhöhen. „Das wird ein Schwerpunkt unserer Arbeit in 2019 werden“, kündigt Reiner Zwilling, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Rheine, an.

Der Auftakt ist in der vergangenen Woche mit der großen Info-Veranstaltung „Inklusiv lernen und arbeiten“ gemacht worden. Mehr als ein Dutzend Kooperations- und Netzwerkpartner haben in Rheine aufgezeigt, wie insbesondere jungen Menschen mit Behinderungen der Einstieg in den Beruf gelingen kann.

Zwilling weiß sich in der Initiative in einem Boot mit einer ganzen Reihe von Verbündeten, die auf diesem Gebiet in der Region unterwegs sind. Ralf Hagemeier , Geschäftsführer der Ledder Werkstätten, und Dieter Fühner, Vorstandsmitglied des Caritasverbandes Rheine, beispielsweise gehören dazu. Beim Gespräch in der Arbeitsagentur sind sie sich mit Zwilling und Sönke Delarue, Teamleiter Rehabilitanden und Schwerbehinderte in der Agentur, einig: Die Potenziale, die Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen mitbringen, werden noch nicht ausreichend genutzt und die Chancen, die in der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen liegen, nicht wahrgenommen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Mangel an Fachkräften in den Betrieben zunimmt, sei es unverständlich, dass so viele Unternehmen sich scheuen, Menschen mit Handicaps zu beschäftigen. „Die Zeit ist längst reif für ein Umdenken auf allen Ebenen“, appelliert Fühner an die Verantwortlichen in den Unternehmensspitzen, sich für das Thema zu öffnen. Er fügt an: „Wir müssen Arbeitsplätze kreieren, die produktiv für den Arbeitgeber und zugleich passend für den behinderten Mitarbeiter sind.“

Arbeit ist Teilhabe, nehmen die Netzwerkpartner den Inklusionsgedanken auf. Hagemeier: „Ziel muss es sein, Menschen, die Arbeit wollen, auch Arbeit zu geben, produktiv zu sein, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen.“

Hagemeier lobt in diesem Zusammenhang die seiner Meinung nach guten Förderstrukturen im Kreis Steinfurt. Das ist das Stichwort für die Arbeitsmarkt-Experten. Sönke Delarue verweist darauf, dass allein der Agentur in 2019 24 Mio. Euro für den Rehabilitationsbereich zu Verfügung stehen. Auf die Fähigkeiten der Betroffenen abgestimmte, individuelle Angebote will Zwilling „eine einfache Mittelverteilung nach dem Gießkannenprinzip“ um jeden Preis vermeiden. Auf der Agenda steht, dass schulische und berufliche Bildung gestärkt, der Zuschnitt von Qualifizierungsangeboten verbessert und die Arbeitgeber noch stärker dafür sensibilisiert werden sollen, Menschen in Arbeitsprozesse einzubinden, sei es in Werkstätten, Inklusionsbetrieben oder, noch besser, in ganz normale Beschäftigungsverhältnisse des ersten Arbeitsmarktes.

Hilfen gibt es aber nicht nur in der Arbeitsagentur. Das Integrationsamt des Kreises, soziale Dienste und Organisationen wie Wohlfahrtsverbände, Caritas, Diakonie, „Lernen fördern“, Berufsbildungswerke, der LWL oder der VdK bieten weitere Unterstützung und Hilfen an.

Die Hemmnisse sind zurzeit noch groß, die Ressourcen aber auch, waren sich die Gesprächspartner in der Agentur für Arbeit einig. Sie hoffen auf die Wende für die Betroffenen. Einfach nur arbeiten, wie alle anderen auch.

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