Neuer Arbeitskreis will gezielte Maßnahmen ergreifen, um Wildunfällen vorzubeugen
Alarmierend hohe Zahl

Kreis Steinfurt -

Die alarmierende Zahl von Wildunfällen im Kreis Steinfurt hat dazu geführt, dass sich ein Arbeitskreis gegründet hat, den es in dieser Zusammensetzung bislang noch nicht gegeben hat. Polizei, Verkehrswacht, Straßen NRW, die Straßenverkehrsbehörde, Kreisverkehrswacht, die Kreisjägerschaft, die Untere Jagdbehörde, der Jagdbeirat und die Landwirtschaft im Kreis Steinfurt haben sich zusammengeschlossen, um Unfallursachen zu ermitteln und möglichst wirksam zu entschärfen.

Donnerstag, 21.03.2019, 16:32 Uhr
Jürgen Bauland (kl. Bild, 2.v.r.) machte mit Bernd Buskamp (Verkehrswacht, r.), Albert Rohlmann (l.), Dr. Joachim Schnieders (2.v.l.) und Landrat Dr. Klaus Effing klar, dass nahezu überall im Kreisgebiet das Risiko eines Wildunfalls besteht.
Jürgen Bauland (kl. Bild, 2.v.r.) machte mit Bernd Buskamp (Verkehrswacht, r.), Albert Rohlmann (l.), Dr. Joachim Schnieders (2.v.l.) und Landrat Dr. Klaus Effing klar, dass nahezu überall im Kreisgebiet das Risiko eines Wildunfalls besteht.

Die alarmierende Zahl von Wildunfällen im Kreis Steinfurt hat dazu geführt, dass sich ein Arbeitskreis gegründet hat, den es in dieser Zusammensetzung bislang noch nicht gegeben hat. Polizei, Verkehrswacht, Straßen NRW, die Straßenverkehrsbehörde, die Kreisverkehrswacht, die Kreisjägerschaft, die Untere Jagdbehörde, der Jagdbeirat und die Landwirtschaft im Kreis Steinfurt haben sich zusammengeschlossen, um Unfallursachen zu ermitteln und wirksam zu entschärfen. Ein erstes Bündel von vorbeugenden Maßnahmen ist geschnürt. Es soll in den kommenden Monaten umgesetzt und auf seinen Erfolg überprüft werden.

  Foto: Drunkenmölle

Wie zwingend ein Handeln geboten ist, das haben Landrat Dr. Klaus Effing und Vertreter der beteiligten Behörden, Organisationen und Verbände am Donnerstagvormittag im Steinfurter Kreishaus vor Augen geführt. Jeder fünfte Unfall (und damit die häufigste Unfallurasche überhaupt) im Kreisgebiet ist ein Wildunfall. 2262-mal sind die Beamten im vergangenen Jahr zu vergleichbaren Einsätzen alarmiert worden. Ein trauriger Spitzenwert im Land NRW. Und: Die Dunkelziffer liegt, so die Polizei, noch um ein Vielfaches höher.

Die hohe Zahl erklärte Effing unter anderem mit der Weitläufigkeit des Kreisgebietes. „Es gibt keine Straße, keinen Feldweg, wo diese Unfälle nicht passieren“, legte Jürgen Bauland, der sich mit der Problematik innerhalb der Kreispolizeibehörde intensiv auseinandergesetzt hat, Karten auf, auf denen sich keine Unfallschwerpunkte ablesen lassen.

Bauland führt aus, dass die Unfallhäufigkeit nicht nur eine drängende Frage des Tierschutzes, sondern natürlich auch der Verkehrssicherheit ist. Ein Toter und drei Schwerverletzte mussten nach Wildunfällen 2018 in der Region beklagt werden. Hinzu kommen die Ausgaben, um die Sachschäden zu regulieren. Sie belaufen sich nach Angaben der Automobilversicherer in Deutschland auf jährlich über eine dreiviertel Milliarde Euro.

Bauland appellierte im Sinne des Tierschutzes und der Unfallvorbeugung an alle, die Straßen nutzen, planen und unterhalten, dabei mitzuhelfen, das Risiko eines Wildunfalls zu minimieren. Dieser Aufgabe will sich nun der Mitte Februar gegründet Arbeitskreis annehmen.

Innerhalb der Kreisjägerschaft hat sich, so erklärte deren Vorsitzender Dr. Joachim Schnieders, bereits eine fünfköpfige Gruppe von Obleuten gegründet. Sie sollen feste Ansprechpartner für die 25 Hegeringe im Kreis sein und den Austausch unter den Inhabern der 445 Reviere fördern.

Weil sich insbesondere Unfälle mit Rehwild ereignen (ein Drittel der Strecke pro Jahr ist sogenanntes Fallwild) sollen im Frühjahr und Herbst, wenn der Druck in den Beständen zunimmt, „Rehwildwochen“ eingeführt und in Absprache mit der Unteren Jagdbehörde Schonzeiten aufgehoben werden. Darüber hinaus sollen Maßnahmen ergriffen werden, das Wild abzulenken beziehungsweise zu vergrämen. Dazu zählt beispielsweise, dass die Streifen entlang der Fahrbahnen nicht unbedingt mit Leckerbissen für das Wild neu bepflanzt werden. Die Anlage von Wildäckern sei da eine Alternative. Vergleichbaren Projekten wollen sich die Landwirte widmen. Das sicherte Albert Rohlmann, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, zu.

Darüber hinaus sollen, so fügte Bernd Buskamp, Leiter der Kreisverkehrswacht, auffällig gestaltete Schilder und Tafeln Verkehrsteilnehmer vor Wildwechsel warnen und auffordern, den Fuß vom Gas zu nehmen. Schließlich sollen Sichtfelder im Straßenbegleitgrün freigehalten und dort, wo es Sinn macht, noch mehr blaue Reflektoren an den Leitpfosten angebracht werden. Sie sollen die Tiere zurückschrecken, die Fahrbahn zu überqueren.

Anfang Oktober, so kündigte Bauland an, sollen der Öffentlichkeit erste Ergebnisse der beschriebenen und weiteren Maßnahmen vorgestellt werden. Zusammen soll es gelingen, die Straßen für Mensch und Tier sicherer zu machen.

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