Das Sorgentelefon des Kreises Steinfurt
Zuhören überzeugt mehr als reden

Kreis Steinfurt -

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Sorgentelefons des Kreises Steinfurt sind immer froh, wenn sie neue Mitarbeiter zur Unterstützung in ihrem Team begrüßen können. Das Team behandelt jeden Anruf streng vertraulich.

Donnerstag, 18.04.2019, 16:54 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 15:18 Uhr
Das Sorgentelefon des Kreises Steinfurt: Zuhören überzeugt mehr als reden

„Ich höre Ihnen zu“ – so melden sich die Mitarbeiter des Sorgentelefons des Kreises Steinfurt bei ihren Anrufern. Dieser Satz ist ernst gemeint, denn die Aufgabe der ehrenamtlichen Mitarbeiter beschränkt sich wirklich in erster Linie auf das Zuhören. „Wir bieten keine Fachberatung, geben keine Lösungen, keine Verhaltenstipps und sprechen erst recht keine Belehrungen aus“, sagt Armgard Focke , stellvertretende Vorsitzende des Vereins Sorgentelefon. „Wir hören den Betroffenen wirklich nur zu, bei uns können sie ihre Sorgen im wahrsten Sinne des Wortes loswerden.“

„Gut gemeinte Ratschläge geben, das kann jeder“, erklärt die Vereins-Vorsitzende Karin Koch . „Wir wollen den Menschen die Gelegenheit geben, sich auszusprechen. Wir versuchen sie dann auf der Gefühlsebene aufzufangen.“ Die Mitarbeiter des Sorgentelefons fragen Anrufer, wie sie sich fühlen oder wie es ihnen mit ihrem speziellen Problem geht. Und jede Antwort ist erlaubt. „Wir finden es in Ordnung, wenn sich jemand für ein Verhalten schämt oder einfach nur einsam ist“, versichert Armgard Focke.

Die Gründe für die Anrufe sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Mal wollen die Anrufer aus ihrer Einsamkeit fliehen, ein anderes Mal schildern sie ein Fehlverhalten oder sind selbst schlecht behandelt worden. Wieder andere machen sich Sorgen um sich selbst wegen, einer schweren Krankheit oder sorgen sich um Familienangehörige oder Freunde. Beim Sorgentelefon finden sie Menschen, die Zeit haben, sich ihre Geschichte anzuhören. „Nur wenn wir konkret danach gefragt werden, nennen wir den Anrufern Stellen, an die sie sich wenden können“, erklärt Armgard Focke. Doch das sei nur selten der Fall, „bei uns suchen die Betroffen zumeist nur einen geduldigen Zuhörer.“

Die Mitarbeiter des Sorgentelefons arbeiten ehrenamtlich und behandeln jeden Anruf streng vertraulich. „Wir sitzen in unserem Büro und nehmen die Gespräche an. Das Telefon ist so geschaltet, dass wir die Nummer nicht erkennen können“, versichert Armgard Focke. „Wir wissen wirklich nicht, wer am anderen Ende der Leitung ist und wollen das auch nicht wissen.“ Das sei Teil des Konzeptes.

„Die Mitarbeiter des Sorgentelefons sind umfassend geschult und haben gelernt, Gespräche zu führen“, berichtet Karin Koch, Vorsitzende des Vereins Sorgentelefon. Das aktive Zuhören und die Fähigkeit, sich in die jeweilige Situation des Anrufers hineinzuversetzen, haben sie im Rahmen einer Ausbildung erlernt, die 112 theoretische Unterrichtsstunden und einen etwa 24-monatigen Praxisblock umfasst. Das Sorgentelefon bietet Sprechzeiten an sechs Tagen in der Woche an.

„Es ist ein sehr schönes Ehrenamt, das einem das Gefühl, wichtige Zeit für einen Menschen gehabt zu haben, gibt. Es ist allerdings auch ein sehr einsames Ehrenamt, weil jeder in seinem Dienst alleine mit dem Telefon im Büro sitzt und danach nicht über diese Fälle sprechen darf“, berichtet Focke. Um die Mitarbeiter aber mit dem Erlebten und nicht immer einfachen Gesprächen alleine zu lassen, wird eine regelmäßige Supervision angeboten.

Dafür sei das Vereinsleben beim Sorgentelefon recht gesellig, versprechen die beiden Vorstandsmitglieder, die sich über neue Unterstützung in ihrem Team immer freuen. „Wir bieten im Herbst wieder einen Vorbereitungskursus an“, erklärt Armgard Focke. Die neuen Berater sollten mindestens 25 Jahre alt und psychisch stabil sein – sie können aus allen Lebensbereichen mit ganz individuellen Lebenserfahrungen kommen. Ein finanzieller Eigenanteil von 270 Euro an den Ausbildungskosten ist für die klientenzentrierte Gesprächsführung zu leisten. Für weitere Informationen steht die Vereinsvorsitzende Karin Koch unter ✆  01 57 / 53 58 92 23 zur Verfügung.

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