Vom traditionellen Handwerksbetrieb zum modernen Systemlieferanten
Weg von Rollenklischees

Kreis Steinfurt -

Frauen als Unternehmerinnen sind immer noch in der Minderheit. Das ist auch in der regionalen Wirtschaft so, wo sie längst nicht wie Männer in Führungsetagen vertreten sind. Unsere neue, von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Kreis Steinfurt (WESt) unterstützte Porträt-Reihe rückt weibliches Unternehmertum ins Blickfeld. In loser Folge porträtieren wir Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen aus dieser Region. Den Auftakt macht heute Claudia Börgel. Sie ist Geschäftsführerin der Metallbau Laumann GmbH & Co. KG in Hörstel.

Donnerstag, 09.05.2019, 16:10 Uhr
Claudia Börgel im Gespräch mit ihrem Mitarbeiter Alex Krawzov an einem Schweißroboter. Die gesamte Produktionsfläche des Industrie-Dienstleisters umfasst rund 5000 Quadratmeter.
Claudia Börgel im Gespräch mit ihrem Mitarbeiter Alex Krawzov an einem Schweißroboter. Die gesamte Produktionsfläche des Industrie-Dienstleisters umfasst rund 5000 Quadratmeter. Foto: Sabine Braungart

Ein Systemlieferant im Metallbau mit 100 Mitarbeitern, der komplexe Sonderbauten, Einzel- und Serienfertigungen in großer Bandbreite liefert – an der Spitze eines solchen Unternehmens vermutet man keine Frau. Weit gefehlt, denn Claudia Börgel ist Geschäftsführerin der Laumann GmbH in Hörstel-Bevergern. Eine Frau in dieser Position ist nicht nur für die diese Region ungewöhnlich.

„Die Metallbranche ist eine reine Männerwelt“, sagt die Firmenchefin. In den mehr als 15 Jahren unter ihrer Leitung hat sie das Unternehmen auf Erfolgskurs gebracht.

„Traditionell hat die Metallbau-Branche viel mit festgelegten Rollenverteilungen zu tun. Es braucht viele Jahre, um diese zu verändern. Wir müssen endlich weg vom klischeehaften Rollenverständnis und der Trennung zwischen Frauen- und Männerberufen. Inzwischen sind wir aber auf einem guten Weg“, meint Börgel.

Immer öfter begegnen ihr junge, hoch qualifizierte Frauen in ihrem Arbeitsumfeld. Bei Laumann selbst gibt es jetzt die erste weibliche Auszubildende als Metallbauerin. „Trotz allem glaube ich, dass Frauen heute immer noch nicht in allen Berufsfeldern präsent sind“, merkt die Geschäftsfrau an. Aus ihrer Sicht braucht es eine bessere Kinderbetreuung. „Da ist der Staat gefragt.“ Frauen sollten sich heute nicht mehr zwischen Kindern oder Karriere entscheiden müssen. Die Realität sehe jedoch meist anders aus. Deutlich werde das Millionen von Frauen beim Blick auf ihren Rentenbescheid.

1992 ist Claudia Börgel in das elterliche Unternehmen eingestiegen. „Damals war es ein typischer Handwerksbetrieb. Mein Vater hat malocht. Meine Mutter machte die Bücher. Der Klassiker.“ 2003 dann ein klarer Schnitt. Tochter Claudia nahm viel Geld in die Hand, kaufte ihrem Vater das Unternehmen ab und übernahm mit zwei Gesellschaftern den Betrieb. Eine mutige Entscheidung, die ihr viel Arbeit, Kopfzerbrechen und so manche schlaflose Nacht gebracht hat, weil die Zukunft nicht gerade rosig aussah. Entsprechend war die Reaktion auf ihre Entscheidung eher verhalten. „Mal gucken, ob die es schafft, das haben wohl viele gedacht“, so Börgel, die seit 2008 Alleingesellschafterin ist.

Geschafft hat sie es: Die Zeichen stehen auf Wachstum für Laumann als zertifizierter Schweißfachbetrieb, Zulieferer für den Maschinenbau und Lasersystembauer. Das 2007 erweiterte Angebot in der Lasertechnik war eine Reaktion auf die Anforderungen des Marktes. Denn die Kunden wünschen sich von dem Fachbetrieb vielfältige Leistungen als Systemlieferant.

Laumann ist tätig für verschiedenste Branchen, etwa die Agrar-, Wind-, Oberflächen-, die Förder- und Emballagen-, die Luft- und Raumfahrtechnik, die Automobil- oder Kunststoffindustrie. Flexibilität und Schnelligkeit, auf Kundenwünsche zu reagieren, sind die Stärken des Unternehmens. Auch Kleinstserien und Einzelteile für den Sondermaschinenbau können produziert werden. Noch individueller ist die Fertigung in der Bauschlosserei, in der beispielsweise Geländer, Carports oder Zäune und Tore auch für Privatpersonen hergestellt werden.

„Ohne meine Mitarbeiter, die ein tolles Team sind, hätte ich den Weg der letzten Jahre so nicht gehen können“, so die Geschäftsfrau. Ruhender Pol und Anker, wenn es wieder einmal heiß hergeht, ist ihr Ehemann Karl-Heinz, der sein Büro am anderen Ende des Ganges hat.

Eine gute Vernetzung in der Region ist Claudia Börgel sehr wichtig. Seit 2017 ist sie die erste weibliche Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Steinfurt e.V., der mehr als 160 Firmen angehören.

Mit 59 Jahren hat Claudia Börgel schon frühzeitig Vorbereitungen für eine Nachfolge geschaffen. Die Firma wird in weiblicher Hand bleiben: Ihre beiden Töchter werden langfristig die Leitung übernehmen.

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