Europawahl-Nachlese im Kreis Steinfurt
Riesenjubel und bittere Enttäuschung

Kreis Steinfurt -

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Eine erste Analyse von Gewinnern und Verlierern bei der Europawahl im Kreis Steinfurt.

Montag, 27.05.2019, 16:44 Uhr aktualisiert: 28.05.2019, 16:33 Uhr
Das Interesse, den Ausgang der Europawahl im Steinfurter Kreishaus zu verfolgen, war sehr gering. Das Ergebnis für den Kreis Steinfurt stand um 20.45 Uhr fest. Wahlleiter Dr. Martin Sommer sprach von einem sehr ruhigen Abend und einem reibungslosen Verlauf.
Das Interesse, den Ausgang der Europawahl im Steinfurter Kreishaus zu verfolgen, war sehr gering. Das Ergebnis für den Kreis Steinfurt stand um 20.45 Uhr fest. Wahlleiter Dr. Martin Sommer sprach von einem sehr ruhigen Abend und einem reibungslosen Verlauf. Foto: Drunkenmölle

Die erste Schnellmeldung erreicht das Steinfurter Kreishaus am Sonntagabend bereits um kurz vor halb Sieben aus Metelen. Danach geht es Schlag auf Schlag. Relativ schnell bestätigt sich auf Kreisebene der Trend, den die Wahlforscher kurz nachdem die Wahllokale geschlossen haben bereits über die Sender für den Bund verbreiten: Die Union bleibt trotz herber Verluste stärkste Kraft. Die Grünen liegen vor den Sozialdemokraten. Als das letzte Ergebnis aus Lengerich um 20.45 Uhr eintrudelt, steht endgültig fest: Die Grünen (23,3 Prozent) gewinnen sogar über 14 Prozent hinzu. Die CDU (34,4 Prozent) verliert über acht, die SPD (19,7 Prozent) kommt mit einem Minus von fast 14 Prozent nicht einmal mehr über die 20-Prozent-Marke. Riesen Jubel auf der einen, bittere Enttäuschung auf der anderen Seite.

Einig sind sich die Vertreter der Parteien zunächst darin, dass die überdurchschnittliche Wahlbeteiligung (fast 65 Prozent) ein Zeichen dafür ist, dass Europa an Bedeutung gewonnen und dazu geführt hat, die Populisten weitgehend in die Schranken zu verweisen. Die AfD kann im Kreis Steinfurt zwar 2,5 Prozent zulegen, bleibt aber mit 5,6 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (10,9 Prozent).

„Was mich nachdenklich stimmt, sind die dramatischen Verluste der SPD. Auch das Ergebnis der CDU muss man nicht schön reden“, erklärt Landrat Dr. Klaus Effing. Das will auch Dr. Markus Pieper nicht. Der Europa-Abgeordnete aus Lotte hat den Sitz im EU-Parlament zwar weiterhin sicher. Seine Partei bleibt die stärkste Gruppe im Parlament in Brüssel. Pieper ist sich aber auch bewusst, dass die Arbeit dort noch schwieriger wird, Koalitionen zu schließen. Er habe während der vielen Wahlkampfauftritte im Kreis Steinfurt versucht, deutlich zu machen, „dass es dieses mal richtig um was geht“. Aber, bedauert Pieper, der Union sei es nicht überall gelungen, die ganz großen Themen in den Fokus zu bringen. Es müsse vor allem zukünftig darum gehen, junge Menschen für die Ideen der CDU zu begeistern. Pieper fügt an: „Wir müssen auf jeden Fall professioneller im Umgang mit neuen Medien werden.“ Und: „Wir werden den Grünen nicht hinterherlaufen. Unsere Politik ist manchmal grüner als die der Grünen.“

Zu einer vergleichbaren Analyse kommt auch Wilfried Grunendahl, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. „Wir machen eine Menge. Das kommt offenbar aber bei den Bürgern irgendwie nicht so an“, sucht Grunendahl nach Erklärungen für die erlittenen Verluste. Gerade im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2020 müsse es gelingen, das Profil der Union zu schärfen und deutlich zu machen, dass es die CDU gewesen sei, die in Sachen Klimaschutz und Wohnungsbau vieles auf den Weg gebracht habe.

Jürgen Coße, Chef der SPD im Kreis und im Kreistag, ist, wie er eingesteht, schockiert und niedergeschlagen. „Wir haben ein Glaubwürdigkeits- und Vertrauensproblem in unserer Partei. Wir müssen überlegen, wie wir uns zukünftig aufstellen“, fordert Coße eine Erneuerung der SPD „von unten“.

Jan-Niclas Gesenhues, Sprecher der Grünen-Fraktion im Kreistag, spricht von einem „grandiosen Ergebnis“ und davon, dass das Resultat seiner Partei jede Menge Rückenwind verleiht und zugleich bedeutet, noch mehr Verantwortung für die Arbeit im Kreis zu übernehmen. Vor allem sei es gelungen, junge Wähler zu gewinnen. Gesenhues: „Der Erfolg beruht auch darauf, dass klassische grüne Themen mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.“

„Es gelingt uns nicht, unsere guten Argumente in Zahlen umzusetzen“, bedauerte Andreas Neumann von den Linken im Kreistag, dass seine Partei gegenüber der Europawahl 2014 mit 3,4 Prozent nicht vom Fleck gekommen ist. Er und seine Mitstreiter würden durchaus in der ländlichen Region Zuspruch verspüren. Der würde sich allerdings nicht in Gewinnen niederschlagen.

Hans-Jürgen Streich, Vorsitzender der FDP-Gruppe im Kreistag, sieht seine Liberalen, die leicht über dem Bundesdurchschnitt im Kreis abgeschnitten haben, „auf einem guten Weg“. Natürlich hätte es mehr sein können, aber immerhin hätte die FDP ihren Anteil geleistet, „dass die „Union der Pro-Europäer gesiegt hat“. Streich fügt an: „Die Entwicklung in den eigenen Reihen gibt uns Auftrieb für die Kommunalwahl.“

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