Serie: Frauen als Führungskräfte
Mit Fleiß und Ausdauer

Kreis Steinfurt -

Frauen als Unternehmerinnen sind immer noch in der Minderheit. Das ist auch in der regionalen Wirtschaft so, wo sie längst nicht wie Männer in Führungsetagen vertreten sind. Unsere neue, von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Kreis Steinfurt (WESt) unterstützte Porträt-Reihe rückt weibliches Unternehmertum ins Blickfeld. In loser Folge porträtieren wir Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen aus dieser Region. Heute: Annegret Hewing, Inhaberin einer Steuerkanzlei in Steinfurt.

Montag, 24.06.2019, 15:44 Uhr aktualisiert: 24.06.2019, 15:58 Uhr
„Neben fortlaufender Qualifizierung ist das Vorantreiben der Digitalisierung aktuell eine Herausforderung unseres Berufsstandes“, sagt Annegret Hewing, Inhaberin einer Steuerkanzlei in Steinfurt.
„Neben fortlaufender Qualifizierung ist das Vorantreiben der Digitalisierung aktuell eine Herausforderung unseres Berufsstandes“, sagt Annegret Hewing, Inhaberin einer Steuerkanzlei in Steinfurt. Foto: Sabine Braungart

„An der Basis sind die steuerberatenden Berufe sehr weiblich geprägt. Früher haben eher Männer diesen Beruf ausgeübt.“ Annegret Hewing sieht ihre Branche im Wandel. Als sie vor 25 Jahren zur Steuerberaterin berufen wird, ist das noch eher die Ausnahme. Egal ob Mann oder Frau, bis heute gilt: Wer sich in diesem Feld selbstständig machen möchte, braucht Fleiß, stetige Bereitschaft zum Wissenserwerb und eine gehörige Portion Durchhaltevermögen.

Seit 15 Jahren leitet Annegret Hewing eine Steuerkanzlei in Steinfurt. Das sechsköpfige Mitarbeiterteam ist rein weiblich, aus purem Zufall. In Zeiten, in denen es an Fachkräften mangelt, ist die Chefin schon länger vergeblich auf der Suche nach Verstärkung – unabhängig vom Geschlecht.

Die Kanzlei betreut einen Mandantenstamm im Umkreis von rund 100 Kilometern, schwerpunktmäßig Angehörige der Heilberufe, Handwerker und Dienstleister. Neben den steuerrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Belangen, Finanz- und Lohnbuchhaltung, Zahlungsverkehr und Rechnungswesen, bietet Hewing ihre Kompetenz stets ganzheitlich an, wenn es um private Absicherung, Altersvorsorge und Erbschaft geht. „Besonders für uns Frauen ein wichtiges Thema“, betont die Expertin.

Die typischen Sorgezeiten in den weiblichen Biografien, wie Kindererziehungszeiten und Pflegephasen, würden sich negativ auf die späteren Rentenbezüge auswirken. „Da wünsche ich mir ein anderes Wertebild in unserer Gesellschaft, beziehungsweise mehr Gerechtigkeit in unserem Rentensystem“, merkt sie an. „Die Generation unserer Mütter hat gemeinhin die Familie gemanagt. Als Witwe zählt das alles nicht. Da haben wir im Alter viele Armutsrentnerinnen. Und statistisch gesehen leben wir Frauen ja länger.“

Heutzutage seien die jungen Mütter einem enormen Druck ausgesetzt, ihre Kinder möglichst früh in eine Betreuung abzugeben. „Etwas für die Familie zu tun, müsste sich stärker in der Rente widerspiegeln.“

Was die Gleichstellung in finanziellen Dingen angeht, beobachtet Hewing mit Blick auf die millionenfach gewählte Steuerklassenkombination 3 und 5 eine nachteilige Signalwirkung für Ehefrauen. Mit ihrem meist geringeren Einkommen zahlen diese in Steuerklasse 5 überproportional viel Steuern. Zwar gleicht sich das bei der Einkommensteuerklärung wieder aus – aber für viele sei es sehr entmutigend, das ganze Jahr über so wenig Netto-Einkommen zu erhalten. Wenn dann noch Betreuungskosten gegengerechnet werden, scheine sich eine Beschäftigung häufig nicht einmal zu lohnen. „Viele durchschauen diesen Mechanismus nicht“, ist die Steuerfachfrau überzeugt, „und haben dementsprechend wenig Motivation hinsichtlich einer beruflichen Tätigkeit.“ Würden Ehepartner die Steuerklassen 4/4 wählen, sei die Belastung aufs Jahr gesehen ganz genau gleich.

Junge Menschen zu beruflichen Herausforderungen oder einer Selbstständigkeit zu ermutigen, sei eine Frage der Erziehung und Bildung, bekräftigt die Kanzleileiterin. „Ich kann jeden nur ermutigen, sich stetig weiterzuentwickeln und wenn es auch der zweite oder dritte Bildungsweg ist.“ Das Prinzip des lebenslangen Lernens lebt Hewing konsequent in ihrer Kanzlei. Neben fortlaufender Qualifizierung bietet die Steuerberaterin ihren Mandanten moderne Verfahren, um die Digitalisierung voranzutreiben und Prozesse zu vereinfachen, „auch wenn ich hier manchmal noch intensive Überzeugungsarbeit leisten muss“, so die Erfahrung der 59-jährigen Unternehmerin aus Steinfurt.

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