Sommergespräch mit Bundesministerin
Locker-flockiges Heimspiel für Anja Karliczek

Kreis Steinfurt -

Die Bundesministerin für Forschung und Bildung, Anja Karliczek, hatte am Freitag die regionale Presse zu ihrem mittlerweile traditionellen Sommergespräch in ihre Heimat eingeladen. Die Tecklenburgerin gab sich entspannt und legte einen ungezwungenen Auftritt hin.

Montag, 15.07.2019, 16:26 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 12:10 Uhr
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, beim lockeren Sommergespräch in ihrer Heimat.
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, beim lockeren Sommergespräch in ihrer Heimat. Foto: Matthias Lehmkuhl

Seit Mitte März vergangenen Jahres ist Anja Karliczek Bundesministerin für Forschung und Bildung. Von Beginn an erntete die gelernte Bankkauf-, Hotelfach- und Diplomkauffrau viel Kritik – vor allem aus dem akademischen Lager.

Am Freitag hatte die 48 Jahre alte Mutter von drei Kindern die regionale Presse zu ihrem mittlerweile traditionellen Sommergespräch in ihre Heimat eingeladen. Zeitgleich erhielten die Schüler in Nordrhein-Westfalen ihre Zeugnisse. Zur ihrer Schulzeit hieß das Dokument noch „Jammerlappen“. Heute nennt es die Jugend „Sechserpack“. Ein Ungenügend wird der in Ibbenbüren geborenen Tecklenburgerin nicht gerade ausgestellt. Aber die überregionalen Medien bezeichnen sie als die „unsichtbare Ministerin“ und urteilen in ihren Zeugnissen, sie habe sich „stets bemüht“. Auch die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbands setzten sie von allen 17 deutschen Bildungs- und Forschungsministern auf Platz 15.

Doch im Hotel ihrer Familie im Tecklenburger Ortsteil Brochterbeck war vom negativen Druck nichts zu spüren. Anja Karliczek fühlte sich richtig wohl. Von Nervösität keine Spur. Schließlich führte die Tecklenburgerin ihr Sommergespräch in gewohnter Umgebung.

Gleich kam die Bundesbildungsministerin zu ihrem Lieblingsthema: „Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass uns die Digitalisierung den gesamten Lebenszyklus nicht nur begleiten, sondern auch bestimmen wird. Deshalb ist es immens wichtig, dass man sich auch im fortgeschrittenen Alter weiterbildet.“ Anja Karliczek machte deutlich, dass sie nicht eine Befürworterin des Zentralabiturs sei, aber gleiche Standards und Maßstäbe in allen 16 Bundesländern favorisiere. Das Thema Bildung an sich sollte in der Verantwortung der Länder bleiben.

Sie selbst habe in ihrer Familie nichts mehr mit dem Abitur zu tun. Denn ihr jüngster von drei Sprösslingen habe die Hochschulreife in diesem Jahr abgelegt.

Trotz des bevorstehenden Brexits habe Großbritannien signalisiert, im Bereich der Bildung weiterhin ganz eng mit der EU zusammenarbeiten zu wollen. „Vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz kann Europa nur gemeinsam gegen die führenden Staaten China und USA etwas ausrichten“, so Karliczek weiter.

Gelassen habe sie die Kritik an der Wahl Münsters als Hauptstandort für eine Batteriezellenforschungsfabrik und das Kohlekraftwerk in Ibbenbüren als Aufstellungsort eines so genannten Netzboosters zur Kenntnis genommen. „Diese Entscheidung wurde im Anschluss an die Diskussion in der Gründungskomission nach Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium auf Fachebene getroffen. Ich hatte schon geahnt, dass man mir so etwas wie Vetternwirtschaft zuschieben wird“, bemerkte die Bundesministerin. Und weiter: „Der Entscheidungsprozess und die Empfehlung werden im Netz offengelegt.“

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