Kreisdekanat Steinfurt: Zahl der Kirchenaustritte steigt weiter an
Genn: „Haben an Relevanz verloren“

Kreis Steinfurt -

1440 Frauen und Männer haben 2018 im Kreisdekanat Steinfurt der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Das sind 426 mehr als 2017. Das geht aus der Jahresstatistik hervor, die die Bischöfliche Pressestelle jetzt an ihrem Sitz in Münster veröffentlicht hat.

Dienstag, 23.07.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 23.07.2019, 16:26 Uhr

1440 Frauen und Männer haben 2018 im Kreisdekanat Steinfurt der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Das sind 426 mehr als 2017.

Das geht aus der Jahresstatistik hervor, die die Bischöfliche Pressestelle jetzt an ihrem Sitz in Münster veröffentlicht hat. Dort werden auch die aktuellen Zahlen für das Kreisdekanat Steinfurt genannt. „2018: Mehr Austritte, mehr Taufen“ hat die Pressestelle ihren Beitrag überschrieben.

2018 sind im Kreisdekanat 1912 Menschen durch die Taufe in die Kirche aufgenommen worden – 77 mehr als im Jahr zuvor. Laut Statistik lag die Katholikenzahl im Kreisdekanat Steinfurt Ende des vergangenen Jahres bei 237 660, das sind 2451 weniger als 2017.

17 621 Katholiken haben 2018 den Sonntagsgottesdienst besucht – 3191 weniger als im Vorjahr. Zurückgegangen ist auch die Zahl der Erstkommunionen (2018: 1959; 2017: 2068). Noch deutlicher ist der Rückgang bei den Firmungen: um 521 von 2095 im Jahr 2017 auf 1574 in 2018.

Hingegen gestiegen ist die Zahl der kirchlichen Trauungen von 408 in 2017 auf 430 in 2018. Weniger geworden sind die Beisetzungen. Waren es 2017 2724, wurden 2018 nur 2696 Katholiken beerdigt.

14 Personen aus dem Kreisdekanat Steinfurt sind 2018 in die katholische Kirche eingetreten (2017: 27). 52 haben ihren Wiedereintritt erklärt. 2017 waren es nur 25.

Münsters Bischof Dr. Felix Genn blickt, wie die Pressestelle schreibt, realistisch auf diese Zahlen: „Sie lassen sich nicht schönreden. Die Menschen stimmen mit den Füßen darüber ab, ob sie uns für glaubwürdig und vertrauensvoll halten und ob die Gemeinschaft in der katholischen Kirche ihnen grundsätzlich als notwendig für ein gutes und gelingendes Leben erscheint. Für viele gilt das leider nicht mehr. Wir haben an Relevanz für das Leben der Menschen verloren.“

Sicher seien die Ergebnisse der Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, die im vergangenen Jahr veröffentlicht worden sind, bei vielen Menschen das auslösende Moment gewesen, um zu sagen: Jetzt reicht es mir endgültig. Genn: „Die Verbrechen, die Priester an Kindern und Jugendlichen begangen haben, können wir nicht ungeschehen machen. Wir können nur alles in unserer Macht Stehende tun, um die Vergangenheit schonungslos aufzuarbeiten und um Betroffene erfahren zu lassen, dass sie im Mittelpunkt der Aufarbeitung stehen. Und natürlich müssen wir alles tun, um sexuellen Missbrauch künftig zu verhindern: von Anstrengungen im Bereich der Prävention bis hin zu Änderungen bei den systemischen Faktoren, die sexuellen Missbrauch in der Kirche begünstigen.“

Die Austritts-Zahlen würden auch zeigen, „wenn wir nicht schon sehr bald nur noch eine kleine Minderheit sein wollen, bleiben große Herausforderungen, denen wir uns beherzt stellen wollen. Nicht, um einfach dem Zeitgeist hinterherzulaufen, sondern um Kirche in der Zeit und mit den Menschen zu sein. Wir sollten das tun, nicht um unserer selbst willen, sondern um der Menschen willen, für die und mit denen wir Kirche sind.“ Die Menschen müssten erfahren können, dass Kirche dialog- und veränderungsbereit sei, dass die Kirche für die Menschen da sein möchte. Genn weiter: „Wir wollen eine offene, lernfähige und auch demütige Kirche sein. Wir wollen eine Kirche sein, die das Leben bereichert und den Menschen dient.“ Das müsse besser als in der Vergangenheit gelingen.

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