Edeka-Marktchefin und AsA geben jungen Leuten Starthilfen ins Berufsleben
Mit vereinten Kräften zum Ziel

Kreis Steinfurt -

Der Kreisverband Steinfurt des Vereins „Lernen fördern“ hat 94 Unternehmen aus dem Kreis Steinfurt mit dem Siegel „Wegbereiter 2018-2019“ für die „Wahrnehmung unternehmerischer Sozialverantwortung“ ausgezeichnet. Den „Weg bereiten“ diese Betriebe Menschen mit einem besonderen Unterstützungsbedarf durch nachhaltige Arbeits- und Ausbildungsplatzverhältnisse in ihren Unternehmen, die von Fachkräften des „Lernen fördern“ angebahnt wurden und begleitet werden. Wir stellen in loser Folge einige Beispiele aus der Praxis vor. Heute: Edeka in Recke-Steinbeck.

Freitag, 02.08.2019, 15:22 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 15:28 Uhr
Edith Koopmann (Inhaberin des Edeka Göcke , Recke-Steinbeck), Romina Werner (ausgebildete Verkäuferin), Anna Wolf (pädagogische Fachkraft des „Lernen fördern“, Ibbenbüren), Heidi Panning (stellvertretende Leiterin „Lernen fördern“, Ibbenbüren, v.l.).
Edith Koopmann (Inhaberin des Edeka Göcke , Recke-Steinbeck), Romina Werner (ausgebildete Verkäuferin), Anna Wolf (pädagogische Fachkraft des „Lernen fördern“, Ibbenbüren), Heidi Panning (stellvertretende Leiterin „Lernen fördern“, Ibbenbüren, v.l.). Foto: Lernen fördern

„Schön, dass Du da bist.“ Lange hat sich Edith Koopmann überlegt, was sie an diese prominente Stelle im Eingang des Edeka-Marktes an der Kirchstraße in Recke-Steinbeck schreiben könnte. Natürlich will die Inhaberin so ihre Kunden begrüßen, aber sie heißt damit auch junge Menschen mit einem Unterstützungsbedarf herzlich willkommen. Und davon gab es in den vergangenen Jahren einige: Koop­mann kommt auf acht, die durch Vermittlung und Begleitung des Vereins „Lernen fördern“ beruflich und damit häufig auch privat auf einen guten Weg gebracht worden sind.

Eine davon ist Romina Werner . Die 21-Jährige hat bereits 2014 erste Arbeitserfahrungen im sympathischen „Tante-Emma-Laden“ gemacht. „Schüchtern“ sei sie gewesen, und der Weg nicht immer geradeaus gegangen. Erst hat sie ein Jahrespraktikum absolviert. Dann der Ausbildungsbeginn zur Verkäuferin in einem „Lernen fördern“- Projekt. Die praktische Ausbildung findet in einem Kooperationsbetrieb statt, die Vergütung übernimmt die Agentur für Arbeit . Dabei unterstützen die pädagogischen Fachkräfte sowohl die Auszubildende als auch die Ausbildungsbetriebe.

Schnell hatte sich bei Romina Werner herausgestellt, dass die Anforderungen (noch) zu hoch waren. Es wurde umgeschwenkt. Neuer Ausbildungsberuf: Verkaufshelferin. Der Abschluss war nach zwei Jahren geschafft.

Dann der nächste Versuch, Verkäuferin zu werden. „Ich fand es wichtig, dass sie die Chance noch einmal bekommt. Für mich war aber klar, dass sie Unterstützung braucht“, so Koopmann, die sich selber als „alter Hase“ auf diesem Gebiet bezeichnet. AsA (Assistierte Ausbildung) heißt das Projekt, in dem die Azubis, in diesem Fall auch Werner, besonders intensiv von „Lernen fördern“ begleitet werden. Aber der gewünschte Erfolg blieb aus. Zumindest im ersten Anlauf. Mit vereinten Kräften (Betrieb, Berufsschule, „Lernen fördern“ und Romina Werner) hat es dann aber doch in der mündlichen Ergänzungsprüfung geklappt.

Anna Wolf, pädagogische Fachkraft beim „Lernen fördern“ in Ibbenbüren, weiß aus ihrer Berufserfahrung, dass es nicht immer nur um fachliche Dinge geht. „Motivationsschwankungen haben ihren Ursprung auch oft im privaten Bereich und da gucken wir auch genau hin.“

Und warum macht die Vollblut-Inhaberin und Chefin so etwas? Koopmann selber sagt: „Achtung, jetzt kommt der Werbeblock: Wir lieben Lebensmittel! Das trifft auf mich echt zu.“ Sie sieht eine Verpflichtung darin, Menschen auszubilden. „Das machen ja auch längst nicht mehr alle!“ Und wenn dann jemand wie Romina Werner vor ihr stehe, dann denkt sie: „Auch du hast eine Chance verdient.“ Aber: „Ich kann nur jemandem eine Chance geben, der diese auch nutzen will“, so Koopmann. Und weiter: „Die Bewerber sagen alle, dass sie teamfähig, belastbar und zuverlässig sind, dabei habe ich manchmal den Eindruck, dass sie gar nicht wissen, was das überhaupt bedeutet.“ Immerhin: Möglichkeiten finanzieller Unterstützung gibt es durch die Agentur für Arbeit.

Dass in der Firma ein gutes Betriebsklima herrscht, beweist die nette Geste der Mitarbeiter, die für Romina Werner eine Abschiedsfeier organisiert haben. Bei Edeka konnte sie nicht weiterbeschäftigt werden. „Ich kann nicht alle Auszubildenden behalten. Es gibt leider nicht immer freie Stellen. Wir sind ja in den letzten 21 Jahren bereits von sechs auf 24 Leute gewachsen“, so Koopmann.

Aber Werner hat eine neue Anstellung im Jibi-Markt in Hopsten gefunden. Dort wird sie an der Fleischtheke eingesetzt. Das dürfte für sie kein Problem sein, da ihre Ausbilderin Wert darauflegt, dass die Auszubildenden alle Bereiche der Verkäufertätigkeiten kennenlernen. Werner ist froh, dass sie nun endlich „einfach nur arbeiten darf“.

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