Reinhild Finke über Heimat und die Arbeit im Kreisheimatbund
Wo das „Wir“ zählt

Kreis Steinfurt -

Zweifellos ist Heimat gerade schwer im Trend. Über Bedeutung und Verständnis gehen die Meinungen allerdings auseinander. Das sieht auch Reinhild Finke so. Als Heimatpflegerin und Vorsitzende des Heimatbundes im Kreis Steinfurt hält sie es mit dem Bundespräsidenten.

Dienstag, 13.08.2019, 16:00 Uhr
Alte Kontakte pflegen und neue knüpfen, das ist den Heimatfreunden wichtig bei ihrer Arbeit. Gemeinsame Aktivitäten gehören zum festen Programm im Kreis Steinfurt, ortsübergreifend zu arbeiten.
Alte Kontakte pflegen und neue knüpfen, das ist den Heimatfreunden wichtig bei ihrer Arbeit. Gemeinsame Aktivitäten gehören zum festen Programm im Kreis Steinfurt, ortsübergreifend zu arbeiten. Foto: Kreis Steinfurt

Was ist Heimat? Ein Gefühl? Ein Ort? Eine Überzeugung? Ein Bekenntnis? Eine Sehnsucht? Ist Heimat belächelte Kiepenkerl-Romantik oder gefährlicher Populismus, Eigenes vom Fremden ab- und auszugrenzen?

Zweifellos ist Heimat gerade schwer im Trend. Über Bedeutung und Verständnis gehen die Meinungen allerdings auseinander. Das sieht auch Reinhild Finke so. Als Heimatpflegerin und Vorsitzende des Heimatbundes im Kreis Steinfurt hält sie es mit dem Bundespräsidenten und seinem, im Oktober 2017 zum Tag der Deutschen Einheit flammenden Appell an Politik und Gesellschaft, für mehr Zusammenhalt zu sorgen. „Heimat“, so hatte Frank-Walter Steinmeier gesagt, „ist der Ort, an dem das ,Wir‘ Bedeutung bekommt.“ Diesen Ort, der verbindet, der Mauern der Lebenswelten überwindet, den brauche ein Gemeinwesen, ist Finke voll und ganz auf der Seite des Staatsoberhaupts. Wie Steinmeier ist sie überzeugt, dass Heimat auf Zukunft und nicht auf Vergangenheit hinweist, dass Heimat Lebensqualität und Verbundenheit in Zeiten schafft, wo die Menschen Vieles zu trennen scheint.

Im Gespräch mit dieser Zeitung macht die engagierte Heimatfreundin immer wieder deutlich, wie wichtig ihr das „Wir“ bei der Arbeit im Kreisheimatbund ist. 47 Vereine aus dem Tecklenburger und Steinfurter Land sind der Dachorganisation angeschlossen. Die Grenzen der Altkreise sind für Finke längst überwunden: „Wir sind und wir denken Kreis Steinfurt.“

Es gibt zehn Fachbereiche. Die kümmern sich nicht nur um Geschichte, Brauchtum und Sprache. Auch beim Denkmal-, Landschafts-, Natur- und Umweltschutz sind die Heimatfreunde beteiligt, wenn es um Erhalt oder Veränderungen geht. Deutlich wird, dass Finke und ihre Mitstreiter Heimat nicht nur als Ort verstehen, mit dem sich die Menschen verwurzelt fühlen. Heimat drückt sich für sie auch in der Verbundenheit mit einer bestimmten Kultur, in sozialen Beziehungen und im Hinblick auf die Zeit in Erinnerungen aus.

Finke geht es ordentlich gegen den Strich, wenn man den Heimatvereinen immer wieder ein verstaubtes Image anhängen will. „Das sind wir einfach nicht. Die Vereine sind nah dran an den Menschen und ihrer Geschichte. Die Mitglieder engagieren sich in ihren Städten und Gemeinden“, nennt sie das Ende des Bergbaus in Ibbenbüren als ein Beispiel, wie die Heimatfreunde unmittelbar beteiligt waren, Veränderungen begleitet und dokumentiert haben, als das Kohle-Aus eine ganze Region und die Beziehungen der Menschen zu ihrem Lebensumfeld verändert hat.

Plattdeutscher Lesewettbewerb, die Herausgabe des Kreisjahrbuchs, der Broschüre „Vertrautes und Neues“ sowie eines Memory-Spiels, Seminare, Ausflüge – sogar bei der Digitalisierung ist der Heimatverein engagiert, wenn es um die Archivierung von Sammlungen und der Vernetzung der Vereine geht.

„Es liegt mir viel am Herzen, miteinander ins Gespräch zu kommen“, macht Finke deutlich, wie wichtig es ihr ist, alte Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. Natürlich weiß auch sie, dass es immer schwieriger wird, junge Menschen für das kulturelle Erbe im Kreis Steinfurt zu begeistern: „Das ist ein generationsübergreifender Auftrag.“

Dazu gehört auch, Menschen eine Heimat zu geben, die im Kreis Steinfurt eine neue Heimat suchen. Der Heimatbund sei auch dort gefordert, zur Integration von Flüchtlingen beizutragen. Finke kommt in diesem Zusammenhang noch einmal auf Frank-Walter Steinme

  Foto: Drunkenmölle

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