Interview
Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld über die Krise der Kirche

Kreis Steinfurt -

Vor der St.-Nikomedeskirche in Borghorst, der Heimatgemeinde von Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld, weht die Regenbogenfahne im Frühlingswind - ein Zeichen für Toleranz, Veränderung und Vielfalt. Der Kreisdechant gilt als Kirchenmann klarer Worte, als jemand, der auch mal an seiner Kirche leidet. Grund genug für ein Interview. Von Michael Hagel
Freitag, 02.04.2021, 11:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 02.04.2021, 11:00 Uhr
Interview : Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld über die Krise der Kirche
Ein Kirchenmann der Basis: Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld nimmt kein Blatt vor den Mund. Foto: prf
Vor der St.-Nikomedeskirche in Borghorst, der Heimatgemeinde von Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld, weht die Regenbogenfahne im Frühlingswind. Die Flagge steht für Toleranz, für Veränderung, für die Vielfalt der Lebensformen. Ketzer würden sagen: mithin für alles, wofür die katholische Kirche gerade nicht steht. Ein Zeichen, ganz gewiss, auch wenn Reidegeld sagt, dass der Pfarreirat entschieden habe, die Flagge dort zu hissen. Der Kreisdechant gilt als Kirchenmann klarer Worte, als jemand, der auch mal an seiner Kirche leidet. Grund genug für Kreisredakteur Michael Hagel, vor dem Osterfest mit Reidegeld über den Zustand der katholischen Kirche, über ihre Skandale und Konservatismen zu sprechen. Herr Dr. Reidegeld, haben Sie in den vergangenen Wochen eigentlich schon mal daran gedacht, den Beruf zu wechseln? Dr. Jochen Reidegeld: Natürlich plagen auch mich von Zeit zu Zeit Zweifel. Und natürlich stelle ich mir die Frage, ob die Institution Kirche, so wie sie sich präsentiert, mich daran hindert, meinen eigentlichen Job zu machen – nämlich eine froh machende Botschaft zu vermitteln. Ich merke, dass sich der Vertrauensvorschuss der Kirche gegenüber in einen Misstrauensvorschuss verwandelt hat. Darum glaube ich, dass bei unserer Arbeit in den Pfarreien nicht mehr die Institution im Vordergrund stehen kann, sondern es muss das, was uns wichtig ist, etwa mit den Menschen ins Gespräch über ihre und unsere Hoffnung zu kommen, im Vordergrund stehen. Mich beschäftigt schon sehr, wie das für uns als Kirche möglich ist. Die katholische Kirche im Allgemeinen, das Erzbistum Köln und der Vatikan im Besonderen stehen seit Wochen massiv in der Kritik.
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