Ladbergen
Mit Toleranz Grenzen überwinden

Dienstag, 07.08.2007, 15:08 Uhr

Ladbergen . Frieden und Toleranz waren die vorherrschenden Themen einer Jugendbegegnung im russischen Iwanowo . In der Zeit vom 23. Juli bis 4. August war eine Gruppe von 15 Jugendlichen aus Ladbergen einem Angebot der evangelischen Kirchengemeinde gefolgt, diese Begegnung zu erleben mit russischen Jugendlichen. Im vergangenen Jahr fand der erste Teil der Jugendbegegnung statt, der unter dem Titel „Gemeinsam Grenzen überwinden“ stand. Damals waren die russischen Jugendlichen für zwei Wochen in Ladbergen, um Land, Menschen und Traditionen kennen zu lernen. Viele gute Kontakte waren dabei geknüpft worden.

Unter dem selben Thema folgte jetzt der Gegenbesuch der deutschen Gruppe in Russland, dem fast alle Jugendlichen folgten, die schon 2006 dabei waren. Begleitet wurden die Jugendlichen von Pastor Rüdiger Schwulst , Siegmund Apitz, Lilli Voller und Jakob Dück.

Gleich nach der Ankunft auf dem Flughafen Moskau Vnukovo besichtigte die Gruppe die Kathedrale von Moskau, den Roten Platz und von außen den Kreml.

Als die deutsche Gruppe im Ferienlager „Birkenhain“ bei Iwanowo nach langer Hinfahrt eintraf, bereitete die russische Gruppe den deutschen Gästen einen begeisterten Empfang.

Am folgenden Tag wurde die Begegnung eröffnet, die den Namen „Friedenscamp“ bekam. Der Bürgermeister von Iwanowo sowie die Leiterin der Iwanwoer Schulbehörde waren der Einladung gefolgt, um die deutsche Gruppe in einer voll besetzten Aula zu begrüßen. Pastor Rüdiger dankte für den freundlichen Empfang und überreichte den Gästen je einen Porzellanteller, der das Bild der evangelischen Kirche Ladbergen trägt. Dazu gab es je eine Ausgabe der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der Ladberger Kirche.

Ein intensives und abwechslungsreiches Programm folgte an den nächsten Tagen, das von den russischen Betreuern Galina Asejewa, Olga Haken, Galina Michalsova und Jurij Zwetkow vorbereitet und geleitet wurde.

Dazu gehörten Tagesfahrten in Städte, die zum „Goldenen Ring“ Russlands gehören. In Iwanowo, Pljos, Kostroma, Jaroslawl und Susdal gab es Plätze und Kirchen aus dem alten Russland zu besichtigen. Zwei Schifffahrten auf der Wolga vermittelten einen Eindruck von der Weite der russischen Landschaft. Museen klärten in lebendiger Form über die Lebensweise der russischen Bevölkerung vor vielen hundert Jahren auf.

Intensiv wurde auch das Thema „Toleranz“ behandelt, indem die Jugendlichen in kleinen Gruppen verschiedene Unterthemen behandelten. Die Pflicht zur gegenseitigen Toleranz über die Grenzen hinaus wurde betont, als die Jugendlichen in Plakatform ein „Haus der Toleranz“ bauten, einen „Toleranzweg zum Frieden“ beschritten oder die „Toleranz gegenüber der Schöpfung“ betonten. Hervorgehoben wurde in den Arbeiten die christliche Dimension der Toleranz.

Zu dem Thema „Gemeinsam Grenzen überwinden“ produzierten die Jugendliche aus beiden Ländern eine deutsch-russische Radiosendung, die vom Iwanowoer Rundfunk ausgestrahlt wurde. Die Jugendlichen erarbeiteten die Wortbeiträge zu Themen, die Jugendliche in beiden Ländern betreffen. Generationsprobleme, die Probleme mit Alkohol und Schulden, das Leben und der Schule, das Verhältnis Jugendlicher zur Kirche und andere wichtige Themen fanden in der Sendung breiten Raum. Alle Jugendlichen sangen während der Sendung gemeinsam ein Lied mit dem Titel „Eine Welt ist unsere Welt“, das Pastor Rüdiger Schwulst für die Jugendbegegnung geschrieben hatte.

Überhaupt fand die Jugendbegegnung ein breites Interesse in den russischen Medien. Radio und Zeitung zeigten großes Interesse. Mehrfach wurde im größten russischen Fernsehsender über den Fortgang berichtet. Jugendliche und Pastor Schwulst wurden zu Interviews gebeten.

Zur Halbzeit gab es an einem Tag Zeit, um den Familien der russischen Jugendlichen einen Besuch abzustatten. Die jungen Menschen waren betroffen von den zum großen Teil ärmlichen Lebensbedingungen. Sehr beeindruckt waren alle von der enormen Gastfreundschaft, die ihnen von den russischen Gastgebern entgegen gebracht wurde. Die privaten Begegnungen brachten neue Impulse im freundschaftlichen Verhältnis der Jugendlichen untereinander. Hatten die deutschen Jugendlichen aus Deutschland Geschenke mitgebracht, wurden sie wiederum von ihren Gastgebern großzügig beschenkt.

Spielaktionen, ein lebhaftes Verweilen am Strand des campeigenen Sees Wyssokoje und private Aktivitäten im Camp und in den Städten füllten das enorme Angebot, das die russischen Gastgeber den deutschen Gästen machten.

Die Gemeinschaft fand einen idyllischen Ausdruck während eines Abends am Lagerfeuer, in dem die Gruppen Liedgut austauschten, Brot und Würstchen brieten und in einer spontanen Disco am Feuer ausgelassen tanzten.

Die letzten Tage der Begegnung waren bestimmt von der Vorbereitung eines deutsch-russischen Kulturabends, den alle Jugendlichen aktiv gestalteten. Am Abschlussabend wurde das Programm den Eltern und Repräsentanten der Stadt vorgestellt. Gemeinsam sangen sie russische Lieder, führten ein Singspiel auf und rezitierten deutsche und russische Gedichte. Zwei deutsche Jugendliche lernten eigens dafür jeweils ein Gedicht in russischer Sprache auswendig.

Die deutsche Gruppe setzte zusätzlich christliche Akzente. Die Jugendlichen führten eine Pantomime über das neutestamentliche Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ auf, das die Gäste beeindruckte. Außerdem hatten die deutschen Gäste Lieder mitgebracht, die in der evangelischen Kirchengemeinde Ladbergen von Jugendlichen gerne gesungen werden. Ein Festessen und eine Disco rundeten den Abschlussabend ab.

Am vergangenen Samstag brach die deutsche Gruppe wieder auf nach Ladbergen. Ein langer Abschied ging der Fahrt voraus. Die meisten Kontakte werden weiter bestehen. So manches Wiedersehen wird es geben.

Die russischen und deutschen Jugendlichen haben sich kennen gelernt. Die unterschiedlichen Lebensbedingungen in beiden Ländern lösten bei den deutschen Gästen große Betroffenheit, aber auch Dankbarkeit über das eigene vergleichsweise gute Leben in Deutschland aus. So manches Haus, mancher Stadtteil vermittelte den Gästen die große Armut breiter Schichten der russischen Bevölkerung. Dennoch hatten alle spannende Tage erlebt, die noch lange die Gedanken beschäftigen werden.

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