Ladbergen
Zu 99,95 Prozent rein

Donnerstag, 02.08.2007, 18:08 Uhr

Ladbergen . „Wir haben in Ladbergen die größte europäische Schälmühle für Sonnenblumenkerne aufgebaut.“ Nicht ohne Stolz führten die Geschäftsführer Ulrich Wendeln und Heinz-Josef Alberding gestern eine große Besucherschar durch die „Goldene Mühle“ im Gewerbegebiet Hafen. An der Spitze der Delegation: Landrat Thomas Kubendorff sowie die Bürgermeister aus Ladbergen und Saerbeck, Wolfgang Menebröcker und Wilfried Roos. Im Gefolge Mitarbeiter der Verwaltung und Ratsmitglieder aus beiden Kommunen.

Im Rahmen seiner sommerlichen Radtour stattete Kubendorff gestern zunächst Saerbeck einen Besuch ab. Mit dabei war auch die Ladberger Delegation. Nach einem Unternehmensbesuch und der Einweihung des neuen Radweges am Lengericher Damm ging es Richtung Ladbergen.

„Wir haben einen hochmodernen Mühlenbetrieb aufgebaut“, versicherte Ulrich Wendeln der Besucherschar und trat bei der Führung auch gleich den Beweis an. So durchlaufen die Sonnenblumenkerne beispielsweise zwei Fotosortieranlagen. Über Kameras werden die schwarzen Kerne „rausgeschossen. Alleine eine dieser Anlagen kostet bereits rund 200 000 Euro.

Die Kerne durchlaufen verschiedene Stationen, bis sie einen Reinheitsgrad von 99,95 Prozent haben. „Diese Reinheit müssen wir garantieren“, erläuterte Wendeln. Die Kerne gehen an die Brotindustrie. Künftig soll es auch geröstete Sonnenblumenkerne geben oder welche mit Honig. „Da kann man eine Menge machen“, blickte Wendeln in die Zukunft.

Angeliefert werden die Kerne per Schiff aus der Ukraine und aus Frankreich.

Doch wer meint, dass in der Mühle die Kerne lediglich bis zum höchsten Reinigungsgrad geschält werden, irrt. Integriert ist auch eine Ölmühle, die kalt gepresstes, natives Sonnenblumenöl produziert.

Doch damit nicht genug: In einem Biomassezentrum sollen die Abfälle und Schalen für Energie sorgen. Die Motoren werden derzeit installiert und mit Pflanzenöl gefahren. Rund vier Megawatt könne das Unternehmen produzieren, schilderte Wendeln. Die Maschinen seien sehr robust und könnten mit allen Pflanzenölen gefahren werden. Ein Teil der Energie verbleibt in der Mühle. Derzeit gibt es Gespräche mit dem FMO als weiteren möglichen Abnehmer.

„Wir können in Zukunft aus Schälabfällen Strom machen“, berichtete Wendeln den staunenden Zuhörern. Mit Biomassezentrum und Biogasanlage schafft es das Unternehmen, sich selbst ausreichend mit Energie zu versorgen und andererseits, den Abfall auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Künftig werden die Schalen halt nicht mehr in großen Mengen über die Straßen transportiert, sondern vor Ort verwertet. Und für den kleinen Rest Asche, der dann bleibt, sucht das innovative Unternehmen auch bereits nach einer Lösung, um nochmals zu verringern.

Mit dermaßen vielen Informationen gefüttert ging die Radtour des Landrates dann weiter zur Klärschlammtrocknungsanlage. Unter dem Motto „Zur Nachahmung empfohlen“ schilderten Bürgermeister Wolfgang Menebröcker und Bauamtsleiter Udo Decker-König, die Funktionsweise dieser Anlage, die ökologisch und ökonomisch Vorteile bietet. Möglicherweise wird sie noch in diesem Monat in Betrieb genommen.

Mittlerweile hungrig und durstig geworden, radelte die große Gruppe durch das Gewerbegebiet „Ruthemeiers Esch“ weiter zum Heimatmuseum, wo es einen rustikalen Abschluss in gemütlicher Atmosphäre gab. „Max und Moritz“ wartete schon, um die Truppe zu verköstigen.

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