Ladbergen
„Kein Kind soll hungern“

Freitag, 14.09.2007, 15:09 Uhr

Ladbergen . Ob sie an einem Apfel knabbern oder ein mitgebrachtes Brot verputzen? Ein warmes Mittagessen gibt es jedenfalls nicht für sechs Kinder in der offenen Ganztagsschule . Sie beteiligen sich nicht an der gemeinsamen Mahlzeit. Ob die Eltern sich das nicht leisten können, das soll nun überprüft werden.

Zum Hintergrund: Das Land Nordrhein-Westfalen hat einen Fonds eingerichtet, aus dem es Mittel geben soll für das Mittagessen, wenn bei den Eltern eine entsprechende Bedürftigkeit vorliegt. Die Landesförderung geht davon aus, dass das Mittagessen 2,50 Euro pro Tag kostet. Das wären für durchschnittlich 200 Schultage 500 Euro im Jahr. Davon will das Land 200 Euro übernehmen, also einen Euro pro Mahlzeit. Zehn Millionen Euro sollen dafür zur Verfügung stehen.

Im Haupt- und Finanzausschuss waren sich die Mitglieder am Donnerstagabend einig, dass die Gemeinde die Bedürftigkeit der betreffenden Familien überprüfen soll. Die Eltern seien deshalb bereits angeschrieben worden“, berichtete Bürgermeister Wolfgang Menebröcker . Fast alle Gemeinden im Kreis seien bereits tätig geworden und hätten teilweise schon die Anträge weggeschickt führte der Bürgermeister weiter aus.

Der Begriff „Bedürftigkeit“ sei vom Land in diesem Fall nicht definiert. Menebröcker erzählte von einer Mutter, die ihn jetzt aufgesucht habe. Die Frau sei berufstätig und würde deshalb eigentlich keinen Zuschuss bekommen. Doch wenn sie ihren Job aufgeben würde, bekäme sie Unterstützung nach Hartz IV und den Essenszuschuss für ihr Kind – wodurch sie finanziell nicht schlechter da stehen würde. Schon wegen dieses Beispiels sei es wichtig, zu vernünftigen Lösungen zu kommen, argumentierte Menebröcker. „Wir sollten das Verfahren über die Bühne bringen.“

Die Frage nach der Bedürftigkeit werde man nicht kleinlich auslegen, versicherte der Bürgermeister.

Wer zu den Bedürftigen gehört, erläuterte der Hauptamtsleiter Eckhard Schröer . Demnach sind das unter anderem Personen, die Leistungen nach SGB II beziehen oder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sowie im Ausnahmefall auch Kinder, die sich in einer aktuellen Notlage befinden.

In diesem Zusammenhang verwies Hans-Dieter Brönstrup darauf, dass es auch Kindergartenkinder gebe, die das Mittagessen nicht bezahlen können. Er fragte an, ob die Zuschüsse nicht ausgeweitet werden müssen. „Kein Kind soll hungern“, meinte dazu Hendrik Lotz (FDP). Das könne man unter dem Punkt „Familienfreundliche Maßnahmen“ sehen, antwortete der Bürgermeister. Dazu wollen die Fraktionen noch ein Paket schnüren. „Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht Fässer aufmachen, die man nicht mehr zukriegt.“

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