Ladbergen
Die Muschel weist den Weg

Dienstag, 30.10.2007, 16:10 Uhr

Ladbergen . Von Osnabrück über Leeden, Lengerich, Ladbergen, Schmedehausen und Bockholt, über Münster und Dortmund bis Wuppertal mit Anschluss an den rheinischen Weg wird derzeit der Jakobsweg gekennzeichnet. Für viele Einwohner im Kreis Steinfurt beginnt er damit sichtbar schon vor der eigenen Haustür. Diese Erfahrung machten sich die Jakobspilger aus dem Kreisdekanat Steinfurt zu nutze, die im Sommer das Ziel des Weges, Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens, besuchten. Führte sie der Weg nach Spanien vom FMO aus, starteten sie nun in Ladbergen an der katholischen Kirche St. Christophorus.

Pater Hans-Michael Hürter , Jürgen Eppendorf und Richard Deeken stellten die mit 25 Jahren noch relativ neue Kirche vor. Nach einem kurzen spirituellem Impuls ging es dann in Richtung Ortsmitte Ladbergen. Die goldgelb strahlende stilisierte Jakobsmuschel auf blauen Grund als europaweit einheitlicher Wegweiser zeigte von dort aus durchgängig die Richtung auf dem Weg nach Schmedehausen. Wer wollte, könnte ihn bis Santiago gehen. Dort nahmen die Pilger aus dem Kreisdekanat in diesem Jahr am Jakobsfest teil.

Vor der Kirche der Heiligen Schutzengel in Schmedehausen begrüßte Benno Hörst vom Kreisdekanatsbüro Johannes Hennigfeld, der als langjähriger Pfarrgemeinderatsvorsitzender die für ihn wissentlich erste neuzeitliche Jakobspilgergruppe willkommen hieß und die Kirche vorstellte.

Mit großer Freunde und Dankbarkeit in der Pilgergruppe aufgenommen wurde Professor Karl-Hermann Korfsmeier, weil er sich bei Bekanntwerden der Pläne zur Wiederbelebung des historisch nachweisbaren Jakobsweges auf der Strecke von Münster nach Osnabrück sofort an die Arbeit setzte, alte Akten im Archiv wälzte und den Weg bis nach Ladbergen vorzeichnete, somit wichtige erste Schrittmacherdienste leistete. Denn viele der alten Jakobswege waren zugleich Fernhandelswege und haben sich im Laufe der Zeit verändert.

Der Jakobsweg ist in erster Linie ein spiritueller Weg. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst unter Leitung von Pfarrer Klaus Lunemann trafen sich die Wallfahrer zu einem Lichtbildervortrag von Mechthild und Wilhelm Mergelmeyer in Eltingsmühle, um gemeinsame Stationen und Erlebnisse auf dem spanischen Teil des Jakobsweg in gute Erinnerung zu rufen.

Von Osnabrück ist die Fortsetzung des historischen Jakobsweges über Bremen, Hamburg bis nach Lübeck und die baltischen Staaten in Vorbereitung. Von Görlitz über Leipzig führt er bereits in Richtung Westfalen-Lippe, wo er seinen Anschluss von Dortmund aus in Richtung Paderborn und Höxter finden wird. Neben den Hauptwegen gab es viele Nebenwege und Zubringer.

In der Wiederbelebung der Jakobswege liegt eine geistliche Herausforderung. Beten mit Füßen ist eine Möglichkeit. Sie kann vielfältig genutzt werden. Ein deutscher Bestsellerautor machte es deutlich und förderte dadurch die Bewegung. Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela ist seit ihrem Beginn vor etwa 1000 Jahren ein gesamteuropäisches Phänomen. Der auch als „Sternenweg“ bezeichnete Weg der Pilger ist damit ein weit hin bekanntes Symbol.

Die Wertschätzung des kulturellen Erbes gebiete es, so Benno Hörst, die mit der Pilgerfahrt in Verbindung stehenden Wege und Stätten zu pflegen und zu erhalten. Dass der Weg für sich auch schon ein Ziel ist, wurde so allen Teilnehmern der Wanderung auch vor Ort nochmals klar. Benno Hörst regte zudem an, zu prüfen, ob im Kreis Steinfurt nicht wie auf vielen anderen Jakobswegen üblich, auch einfache Unterkünfte für Pilger angeboten werden könnten. Außerdem sollten an verschiedenen historischen Stationen konkrete Informationen zur Historie angeboten werden.

Eine Jakobsbruderschaft könnte entlang des Jakobsweges im Kreis unterstützend und koordinierend tätig werden, auch um die Kombination von pastoralen und weltlichen Anliegen in Form eines „spirituellen Tourismus“ zu fördern. Eine wichtige Informationsquelle wird dabei ein Wanderführer für den westfälischen Teil des Jakobsweges sein, der im Frühjahr 2008 erscheinen soll. Weitere Medien dazu bietet bereits das Westfälische Landesmedienzentrum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster an.

Über Jakobspilger, die im Mittelalter aus Westfalen stammten, ist bisher allerdings nur wenig überliefert oder erforscht. Bekanntester westfälischer Pilger ist Bischof Anno von Minden, der sich in den Jahren 1174 und 1175 auf den Weg nach Santiago de Compostela machte. Im 15. Jahrhundert war es Kaplan Leonard up der Redbecke, der von Werne aus nach Santiago pilgerte. In einer Wegbeschreibung des Abtes Albert vom Marienkloster Stade wurde Pilgern aus Norddeutschland der Weg über Tecklenburg empfohlen. Überregionale und lokale christliche Kultstätten konnten die Wegewahl durchaus im Laufe der Jahrhunderte beeinflussen, wenn sie denn nahe oder auf dem Pilgerwege lagen.

Vor 19 Jahren bot das Kreisdekanat zum ersten Mal eine Fahrt nach Santiago de Compostela an. Weitere folgten, inzwischen auch viele Bürger aus dem Kreis, die sich auf den Wege machten. Viele fanden dabei auch den Weg zu Gott und zu sich selbst.

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