Ladbergen
Ruanda liegt ganz nah

Montag, 15.09.2008, 16:09 Uhr

Ladbergen . Er habe mit den Menschen in Ruanda Glauben und Leben geteilt, sagt Pater Hans-Michael Hürter mit ernster Stimme und fährt mit seinen Ausführungen fort. Das, was der Seelsorger der Katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen vornehmlich in den 90er Jahren in dem kleinen zentralafrikanischen Land erlebt hat, lässt die Zuhörer beim ökumenischen Männerfrühstück, zu dem am Samstagvormittag auch Frauen eingeladen waren, verstummen. Der Ladberger spricht von der großen Armut der Menschen, von Unruhen , Gewalttaten und bezogen auf 1994 natürlich auch vom Völkermord der Hutu-Mehrheit an der Tutsi-Minderheit, die Schätzungen zufolge zwischen 800 000 und einer Million Menschen das Leben kostete.

Aber Hürter spricht eben auch von der Schönheit des Landes, das die Schweiz Afrikas genannt wird, von den Demokratie-Bemühungen und von der unglaublichen Gastfreundschaft der Menschen.

Sieben Jahre (1987 bis 1994) hat Hans-Michael Hürter mit einigen Mitbrüdern der Afrika-Missionare, denen er angehört, in dem acht Millionen Einwohner beherbergenden Land gelebt und dort in verschiedenen Pfarreien gearbeitet. Seine Erfahrung seien äußerst vielfältig, wie er schildert. „In erster Linie war Kirche dort äußerst politisch“, verweist er auf die schwierigen Situationen in dem von Unruhen zerrüttelten Staat in Zentralafrika und den schwelenden Konflikten zwischen den Bevölkerungsgruppen Hutu und Tutsi. So habe er neben seiner eigentlichen Aufgabe als Seelsorger auch ein starkes entwicklungspolitisches Engagement für die Menschen dort ergreifen müssen, die kaum Wasser und Essen hatten.

Dass es ganz besonders die Erfahrungen der 90er Jahre sind, die ihn nachhaltig geprägt haben, verwundert kaum. Er musste miterleben, wie Wasserstellen im Norden Ruandas vermint wurden, wie die Gewalt zunahm und am 6. April 1994 der Genozid begann. „250 Tutsi-Flüchtlinge haben in unserer Pfarrei im Süden des Landes damals Unterschlupf gefunden“, erzählt er und fährt mit ernster Stimme fort: „Eine Woche später sind die meisten von ihnen umgekommen. Wir haben nur noch 20 bis 30 Verletzten helfen können.“

Wie er diese an den Nerven zehrenden Erlebnisse verarbeitet hat? „Man muss diese Eindrücke ausdrücken, damit sie sich nicht zu sehr eindrücken“, sagt der Pater, der seit vier Jahren in Ladbergen ist und verdeutlicht: „Um solche Ereignisse zu verarbeiten, hilft es darüber zu reden.“ So wie am Samstagvormittag, als die Zuhörer im Gasthaus zur Post an seinen Lippen hängen. Es habe ihn auch für die pastorale Trauerarbeit geprägt, meint er. So habe er in der ersten Zeit, nachdem er aus Ruanda nach Köln zurückgekehrt sei, bei jeder Beerdigung symbolisch auch immer einen der 250 Tutsi beerdigt.

Und trotzdem: Wenn er heute an Afrika und Ruanda denke, seien es doch die schönen Momente, die ihm als erstes in den Sinn kämen. Als eine „reiche Lebenserfahrung“, beschreibt er die sieben Jahre im von Ackerbau geprägten Ruanda, das für viele normalerweise so weit weg ist. An diesem Samstag hingegen ist es Ladbergen sehr nahe.

Das nächste Männerfrühstück findet am Samstag, 15. November, um 9.30 Uhr im Gasthaus zur Post statt.

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