Ladbergen
Geschichten vom „Hiättekloppen“

Dienstag, 15.02.2011, 19:02 Uhr

Ladbergen /Schale - „Plattdüütsch“ ist eine norddeutsche Mundart , die zum Bedauern vieler Menschen vom Aussterben bedroht ist. Umso mehr erfreuen sich Lese- und Sprachwettbewerbe in plattdeutscher Sprache wieder zunehmender Beliebtheit. In Ladbergen hat das Plattdeutsche immer noch einen sehr hohen Stellenwert, was sich nicht zuletzt am plattdeutschen Wörterbuch erkennen lässt, das Willi Untiet erstellt hat.

Beim ersten Plattdeutschen Poetry Slam (Dichterwettstreit) im Kulturlandhaus Schale, bei dem sich am Samstagnachmittag sechs der plattdeutschen Sprache mächtigen Dichterinnen ein interessantes Stelldichein boten, war auch Ladberger Einschlag zu spüren. Zu den Teilnehmerinnen gehörte Gerda Zirbes , die gebürtig aus dem Heidedorf stammt und heute in Lengerich lebt.

Angemeldet zu diesem Dichterwettstreit hatten sich sogar zehn Bewerber, von denen allerdings vier wegen der Witterung oder aus Krankheitsgründen absagen mussten.

Die Veranstalter, das Ehepaar Marlies und Ewald Musekamp zeigten sich, ebenso wie die Zuhörerschar, begeistert darüber, dass die Protagonistinnen aus der weiteren westfälischen und niedersächsischen Umgebung kamen, sodass die Zuhörer in den Genuss einer plattdeutschen Vielfalt kamen. Denn jeder Ort hat nun mal seinen eigenen plattdeutschen Akzent.

Bemerkenswert war auch die Tatsache, dass die Hälfte der Teilnehmerinnen erst später die plattdeutsche Mundart erlernte. Liesel Albers aus Ibbenbüren-Dörenthe hatte beispielsweise durch jahrelanges aufmerksames Zuhören Plattdeutsch gelernt und spricht es nun fließend.

Die Mundartvorträge der Damen waren inhaltlich sehr unterschiedlich. Mal war eine Geschichte in Reimen verfasst, mal hatte die Story ernste Hintergründe oder es war einfach nur humorvoll. Mal war vom „Hiättekloppen“ die Rede, als der Sohn seinen Wehrdienst in Afghanistan leisten musste, mal gefiel ein Gedicht aus der Kinderzeit oder eine heitere Geschichte aus der Nachbarschaft.

In jedem Fall waren die Beiträge hochinteressant, sodass die Jurymitglieder bei der Bewertung die Qual der Wahl hatten. Die meisten Punkte konnte am Ende Anita Gehrke aus Badbergen für sich verbuchen. Die engagierte plattdeutsche Erzählerin textet in ihrem Heimatort sogar Beiträge für plattdeutsche Gottesdienste.

Den ersten Preis für Anita Gehrke und auch für die weiteren Gewinnerinnen überreichte Wilhelm Musekamp.

Der Schaler Heimatfreund war nach eigenen Worten überwältigt vom Ergebnis des literarischen Vortragswettbewerbs und des sich anschließenden, natürlich in Plattdeutsch geführten, lebhaften Meinungs- und Erfahrungsaustausches. Die Stimmung bei der plattdeutschen Plauderei wurde durch das gemeinsame Singen plattdeutscher Lieder wie „Dat Holskenlied“ und „Kenn gi all datt nieje Lied?“ zu Akkordeonmusik angeregt.

Der plattdeutsche Poetry Slam soll, wie auch die hochdeutschen Dichter-Wettbewerbe, auf vielfachen Wunsch des Auditoriums wiederholt werden.

Der Versuch, diese aus Amerika zu uns herübergekommene Form eines Literaturwettbewerbs in Schale zu etablieren, scheint geglückt.

Marlies Rethmann-Musekamp informierte, dass die Erlöse der Poetry Slams Schulen zugutekommen sollen, die mit eigenen Wettbewerben das Erlernen der plattdeutschen Sprache für Kinder fördern.

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