Konzert mit Valery Oistrach und Ulrich Grosser
Ergreifende Reise in barocke Zeiten

Ladbergen -

Eine Lehrstunde meisterhaften Musizierens boten Valery Oistrach und Ulrich Grosser den sehr vielen Musikliebhabern am Sonntag in der St. Christophorus Kirche in Ladbergen.

Montag, 19.03.2012, 21:03 Uhr

Konzert mit Valery Oistrach und Ulrich Grosser : Ergreifende Reise in barocke Zeiten
Valery Oistrach und Ulrich Grosser überzeugten bei ihrem vielseitigen Konzert in der St.-Christophorus-Kirche in Ladbergen. Foto: Axel Engels

Die spürbare Verbundenheit dieser langjährigen musikalischen Weggefährten und Freunde machte dieses Konzert zu einem ganz bewegenden Erlebnis.

Valery Oistrach ist der große Repräsentant der schon legendären Violinschule aus Odessa , führt in seiner charismatischen Spielweise die Tradition seines Vaters Igor und seines Großvaters David fort. Ulrich Grosser hat als ebenso international renommierter Musiker den Freunden der Kammermusik mit Valery Oistrach schon viele inspirierende Musikerlebnisse geschenkt. In den vergangenen drei Jahren hat sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert, nach mehreren Herzoperationen erholt er sich langsam, unterstützt von seiner Frau.

Achtung und Respekt des großen Violinvirtuosen für seinen Begleiter am Cembalo zeigte sich schon an der Art, wie das Programm zusammengestellt worden war. Virtuose Musik des Barock wird eben nicht von reiner Spieltechnik bestimmt, sondern von Lebendigkeit und Spielfreude.

Ein gemeinsamer Gestaltungsansatz prägte die einleitende „Sonate D-Dur op. 1 nr. 13 für Violine und b.c.“ von Georg Friedrich Händel. Affekte und Phrasierungen entsprachen adäquat der Komposition, besonders im Larghetto glänzte der warm timbrierte Ton der Geige von Valery Oistrach über den sensibel gespielten Begleitfigurationen des Cembalos von Ulrich Grosser. Manierismen und Verzierungen waren mit Akribie und Feinsinn im Dialog dieser zwei Künstler aufeinander abgestimmt.

Mit charmanter Art führte Ulrich Grosser durch das facettenreiche Programm, spielte mit ganz viel Gefühl und Akkuratesse die „Suite g-Moll für Cembalo solo HWV 439“ aus Händels Feder mit der ergreifenden Courante.

Wie einzigartig die Spielweise von Oistrach ist, zeigte sich bei der „Chaconne“ aus der „Partita d-Moll Nr. 2 BWV 1004 für Violine solo“ von Johann Sebastian Bach. Eine ganz eigene Welt öffnete Valery Oistrach dem gebannt lauschenden Publikum in diesen 256 Takten. Flair hoher Meisterschaft offenbarte sich in seiner Interpretation der Chaconne, die in ihren sowohl spieltechnischen als auch gestalterischen Anforderungen als Prüfstein für einfach jeden Saitenkünstler gilt. Seit Yehudi Menuhin gilt dieses Werk als wahre Friedensbotschaft, Brahms, Busoni, Schumann und andere Komponisten hat sie zu eigenen Bearbeitungen inspiriert.

Im Spiel von Oistrach erstrahlte dieses Werk wie eine faszinierende Kostbarkeit, seine Gestaltung blieb bis ins kleinste Detail lyrisch geprägt. Er nutzte hier seine große Virtuosität und Erfahrung, um in den einzelnen Variationsteilen Melodie und Harmonie in feinsinniger Art polyphon zu vereinen. Von dieser Chaconne konnte man nur begeistert sein, denn im Gegensatz zur heute verbreiteten akademisch trockenen Art spielte sie Oistrach romantisch geprägt. Diese sehr emotionale Art prägte auch die „Sonate h-Moll BWV 10114 für Violine und obligates Cembalo“ und die kleinere „Sonate G-Dur BWV 1021 für Violine und b.c.“ von Johann Sebastian Bach.

Während die langsamen Adagio- und Andante-Sätze der „Sonate h-Moll“ mit ihren cantablen Melodien eine ausgeprägte Innigkeit und Intensität besaßen, strotzen die schnellen Sätze vor Lebendigkeit und ungezügelter Spielfreude.

Diese Freude an der Musik übertrug sich auf das Publikum, das dieses Konzert so schnell nicht vergessen wird. Mit zwei „populären“ Bach-Zugaben beendeten Valery Oistrach und Ulrich Grosser eine ergreifende Reise in barocke Zeiten.

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