Willi Untiet sticht Historisches aus
Acht Fuder Torf für Frau Gnaden

Ladbergen -

Der Historiker Willi Untiet hat wieder einmal in Archiven gegraben. Dabei ist er unter anderem auf die Kopien zweier Briefe gestoßen. Sie stammen vom Ladberger „Eigenbehörigen“ Eschmann und sind an dessen damaligen Herrn von Steinwehr auf Haus Marck gerichtet.

Dienstag, 13.08.2013, 19:08 Uhr

Wenn Willi Untiet in Archiven gräbt, dann fördert er in der Regel viel Interessantes zutage. Kürzlich ist er dabei auf Briefe aus den Jahren 1798 und 1800 gestoßen. Sie stammen vom Ladberger „Eigenbehörigen“ Eschmann und sind an dessen damaligen Herrn von Steinwehr auf Haus Marck gerichtet. Die Abhandlung, die Willi Untiet darüber geschrieben hat, erklärt auch, wie die Torfstecher zu einem Denkmal gekommen sind.

„Um 1800 herum waren der Ladberger Hof Eschmann in Wester sowie die Höfe Stork, Kuck und Kuckhermann aus Overbeck dem adligen Besitzer von Steinwehr auf Haus Marck eigen und zu jährlichen Abgaben und Dienstleistungen verpflichtet“, so Untiet. Der Hof Eschmann sei allerdings seit mehr als 100 Jahren nicht mehr vorhanden. Er habe sich in Wester befunden und die Hausnummer Wester 2 getragen. Zu ihm hätten Grundstücke in der Nähe des Fußballstadions gehört. „Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen und Teile davon im Haus des Bauern Bücker-Henschen am Torfdamm verwertet“, so der Heimatforscher.

Von den Kopien zweier Briefe, die Eschmann wohl an die Witwe von Steinwehr 1798 und 1800 geschrieben hatte, gibt Untiet den ersten letztlich fast unverändert wieder. Er gewährt nach seiner Meinung einen interessanten Einblick in das Abhängigkeitsverhältnis der Bauern vor der Bauernbefreiung. Doch zuvor einige Erklärungen:

„Auf dem Kattenvenner Moor mit maximal 1,5 Meter dicken Torfflächen gab es 334 Torfgruben, die 1786 an Bürger aufgeteilt und ihnen zur Nutzung überlassen worden waren. Torf gestochen wurde auch in sogenannten Vennkuhlen in Overbeck und Hölter. Deswegen waren die Ladberger gefragte Torfstecher in Holland“, berichtet Willi Untiet. Bei Trettorf habe es sich um einen fein zertretenen, in Soden zerschnittenen Torf von besonderer Güte gehandelt. Der Torfstich auf dem Moor sei 1922 eingestellt und das Gebiet von 13 Siedlern 1924 bebaut worden. Vermutlich habe Bauer Eschmann bei der Formulierung des nachfolgend zitierten Briefes Hilfe in Anspruch genommen:

„An die Hochwohlgeborene Frau Witwe von Steinwehr wegen bestellter 8 Fuder Trettorf auf dem Kattenfenne. Hochwohlgeborene besonders hochzuehrende Frau Gnaden! Ew. Hochwohlgeborene Gnaden habe die Ehre zu melden, das ich heute nach dem Kattenvenne gewesen, und Ihren Torfstich besehen und in ordentlichem Stande befunden. Es ist auch wohl Gelegenheit um daselbst hatten (harten, festen) Torf zu treten, es stehet aber noch jetzt unter Wasser. Der Mann, der für Sie den Dusttorf stechen tut, will Sie auch wohl hatten treten, auch gerade da, wo der beste und festeste zu kriegen ist, womit Sie es dies Jahr probieren können, und wenn Ihnen derselbe gefällt, so will er damit künftig Sie continnuieren (fortfahren). Will aber für ein Fuder somit 4 Pferden geladen wird, 12 ggl (Gutergroschen) Arbeitslohn haben, und alsden will er denselben verarbeiten bis auf den Wagen.

Ew. Hochwohlgeborene Gnaden wollen mich doch darüber bescheiden, ob ich diesen Akkord mit diesem Mann festmachen soll, und ihn zu dem Preis 8 Fuder machen lassen. Sollten Sie aber glauben, dass weniger als 4 Pferde sollten zum Verladen gebraucht werden, so will ich sehen, ob ich in dem Falle etwas niedriger acordieren (vereinbaren) kann, ich möchte aber darüber auch gerne Nachricht für mich ausbitten.

Übrigens verbleibe ich mit Hochachtung Ew. Hochwohlgeborene Gnaden dienstwilliger Eigenbehöriger Eschmann.

Ladbergen, 23ten April 1798.“

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