QR-Codes auf dem Friedhof: Innovation oder Risiko?
Interaktiver Grabstein nicht gefragt

Ladbergen -

Medienberichten zufolge denkt die Stadt Münster darüber nach, künftig sogenannte QR-Codes auf Grabsteinen zuzulassen, die mit dem Smartphone gescannt werden können und Interessierte auf diverse Internetseiten führen. Pfarrer Ingo Göldner sieht dafür in Ladbergen keinen Bedarf.

Mittwoch, 13.11.2013, 21:11 Uhr

Der Friedhof im Heidedorf ist – so, wie es sein soll – ein Ort der Ruhe und des Friedens. Traditionelle Grabsteine , Kreuze mit den üblichen wenigen Angaben über die Verstorbenen. Dass das einmal anders sein könnte, dass Codes die Mahnmale zieren, die mit dem Handy gescannt werden und Jedermann auf Internetseiten führen können, auf denen Besucher viele Details über den Toten finden: Kaum denkbar.

In Münster könnte diese Fiktion allerdings Wirklichkeit werden. Medienberichten zufolge will die Stadt nämlich künftig solche sogenannten QR-Codes auf Grabsteinen zulassen. Das sehe der Entwurf einer neuen Friedhofssatzung vor, heißt es. Die Westfälischen Nachrichten haben das Bistum Münster sowie Pfarrer Ingo Göldner nach ihren Meinungen gefragt.

Die Friedhöfe in Ladbergen befinden sich in der Trägerschaft er evangelischen Kirche. Pfarrer Ingo Göldner fällt zum Stichwort „QR-Code auf Grabsteinen“ spontan eine Frage ein: „Welchen Sinn soll so etwas haben?“. Vor allem für das Heidedorf kann er sich kaum vorstellen, dass hier etwa Bedarf für elektronische Informationen bestehen könnte. „Die Menschen vor Ort kennen sich. Sie sind eine Gemeinschaft und wissen ohnehin vieles voneinander.“ Sollte trotzdem einmal nach der Erlaubnis zum Anbringen von QR-Codes auf Grabsteinen gefragt werden, „dann würden wir das in den zuständigen Gremien besprechen und zu einer Entscheidung kommen“, ist er sich sicher.

Zu welchen Auswüchsen es in der Bestattungskultur kommen könne, die sich ohnehin im Wandel befinde, macht der Geistliche am Beispiel eines anderen Ortes irgendwo in Deutschland deutlich. Dort seien auf einem Friedhof offenbar zwei Fußballfans beerdigt worden, sagt Göldner. „Auf der einen Seite gab es eine Schalke-Bank als Grabstein, auf der anderen das Symbol des BVB. Da haben sich Fans über den Tod ihrer Angehörigen hinaus bekriegt.“

Bei Entscheidungen zur Friedhofsgestaltung müsse sehr sensibel vorgegangen werden, erklärt der Pfarrer. „Es sind Orte der Verkündigung. Das Gedenken an die Auferstehung muss in einem würdigen Rahmen stattfinden“. Ob auf solchen Orten der Ruhe QR-Codes und das Hantieren mit Smartphones angebracht sei, darüber müsse erst einmal nachgedacht werden. „Sollte eine entsprechende Anfrage kommen, so würde ich eine gute Begründung dafür hören wollen.“

Gudrun Meiwes vom Referat ‚Seelsorge in kritischen Lebenssituationen‘ im Bischöflichen Generalvikariat erklärt: „Grundsätzlich sehen wir in QR-Codes auf Grabsteinen und den damit verlinkten Internetseiten Chancen und Risiken.“

Positiv daran sei, so die Fachfrau, dass eine per QR-Code verlinkte Website das kirchliche Anliegen, die Erinnerung, das Gedenken und die Trauerarbeit zu fördern, unterstützen könne. Denn auf den Internetseiten könnten Würdigendes und Wertschätzendes zum Leben und Wirken des Verstorbenen in Wort, Bild und audiovisuellen Elementen publiziert sein. Kondolenz- und Fürbittbücher in digitaler Form könnten darüber hinaus Trauernden Kanäle für angemessene Rückäußerungen eröffnen.

„Die Kehrseite ist, dass Internetseiten oder deren interaktive Elemente auch missbraucht werden können, um alte Rechnungen zu begleichen“, warnt Gudrun Meiwes, „Es ist zu befürchten, dass hier neue Möglichkeiten für anonyme Verunglimpfungen eröffnet werden, die auch den Trauernden nicht gut tun.“

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