Pfarrer Ingo Göldner betreut rund 4000 Gläubige
„Ich biete meine Hilfe gern allen an“

Ladbergen -

Rund 4000 Christen betreut Pfarrer Ingo Göldner in Ladbergen. Eigentlich gemeinsam mit seiner Kollegin Dörthe Philipps. Weil die schwanger ist, muss sich der Geistliche allerdings zurzeit allein um die Gläubigen kümmern. Dadurch kann er nicht überall dort präsent sein, wo er es gern wäre.

Freitag, 07.02.2014, 22:02 Uhr

Ingo Göldner hat Stress. Der Geistliche, der am 2. Dezember 2012 gemeinsam mit Pfarrerin Dörthe Philipps die beiden Pfarrstellen in der evangelischen Kirchengemeinde neu besetzt hat, muss rund 4000 Christen im Heidedorf zurzeit allein betreuen. Die Kollegin ist schwanger und für längere Zeit im Mutterschutz. Das bringt es mit sich, dass der Pfarrer nicht überall dort präsent sein kann, wo er es gern wäre.

Der 44-Jährige wurde in Rumänien geboren, verbrachte dort Kindheit und Jugend. Bevor er ins Heidedorf kam, arbeitete er rund zehn Jahre in Rheine, davor in Vlotho und in Ostwestfalen-Lippe, zwischendurch immer wieder einmal in seiner Heimat. Wesentliche Eindrücke sammelte er auch in den USA , genauer gesagt in St. Louis im Bundesstaat Missouri. Dort arbeitete Göldner nach Abschluss seines Studiums – als er auf eine Vikarstelle wartete – im Kindergarten- und Vorschulbereich.

„Die Erzieher in St. Louis bereiten die Kinder früher und intensiver auf die Schule vor als hierzulande“, hat der Geistliche festgestellt. „Sie suchen sich im Vorfeld die Mädchen und Jungen aus, die ins jeweilige Umfeld passen.“

Überhaupt sei der Bildungsweg in den Staaten ein anderer als in Deutschland, erinnert sich Göldner. So sei es üblich, nach dem Bachelor ein paar Jahre zu arbeiten und dann ein Masterstudium zu beginnen.

„Die Menschen dort wagen häufiger einen Neuanfang“, sagt der Pfarrer und berichtet von einem Farmer, der seine Ranch in Nord-Dakota verkauft hatte und mit seiner Familie auf einen Campus gezogen war. „Er studierte drei Jahre lang und hoffte, danach eine Stelle zu erhalten. Sein Weg führte vom Farmer über ein Studium in eine ungewisse Zukunft.“

Die Kirchen in den USA seien anders aufgestellt als in Deutschland, so Göldner weiter. „Auf dem Campus, auf dem ich gewohnt habe, gab es auf einer Meile etwa zehn Kirchen. Alle warben um Gläubige.“ Diese Konkurrenz belebe zwar sicher das Geschäft. „Mir persönlich ist eine langfristige Perspektive wie hier in Deutschland aber lieber“, versichert der Pfarrer.

Langfristig denken muss Ingo Göldner wohl auch, wenn es um seine Integration in die Gemeinschaft der Bürger in Ladbergen geht. „In den USA geht man zu drei Veranstaltungen und gehört anschließend dazu. Hier trauen sich viele Menschen nicht, den Pfarrer einfach anzusprechen“, bedauert er, hat aber auch eine Erklärung parat: „In den Staaten betreut ein Pfarrer 200 bis maximal 400 Gemeindeglieder. In Ladbergen sind Dörthe Philipps und ich für rund 4000 Menschen zuständig, die wir meist nur zu offiziellen Anlässen wie Hochzeit, Geburtstag, Taufe und Beerdigung treffen. Da dauert es lange, bis Vertrauen entsteht.“

Insgesamt stehen der evangelischen Gemeinde in Ladbergen 1,5 Pfarrerstellen zur Verfügung, eine Zahl, die an der Anzahl der Gemeindeglieder bemessen wird. Göldner und Philipps besetzen je eine 75-Prozent-Stelle. Da bleibt es nicht aus, dass sich die Geistlichen noch in der „Kennenlernphase“ befinden, so Göldner. Eine Zeit, die er gern möglichst schnell abschließen möchte, weil „die Menschen in Ladbergen sehr mit der Kirche verbunden sind“. Die Präsenz der Pfarrer sei darum sehr wichtig, aber „zurzeit leider nicht immer möglich“, bedauert der Geistliche, der sich als Mittler nicht nur zwischen den Gläubigen und Gott sieht.

„Ich biete meine Hilfe gern allen an, die einen Rat suchen“, sagt Ingo Göldner. Dabei sieht er sich allerdings nicht als „Universal-Dilettant“, dessen Meinung die einzig richtige ist. „Es gibt viele Hilfsmöglichkeiten, sei es durch Ärzte, Psychologen oder andere Fachleute. Da spreche ich auch gern Empfehlungen aus.“

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