Einbußen wegen der Unwetter
„Mais verträgt keine Staunässe“

Tecklenburger Land -

Kreislandwirt Hermann Borchert lebt auf einem Drei-Generationen-Hof im Außenbereich von Hopsten. Der 62-Jährige ist verheiratet und hat vier Kinder. Auf seinem Hof betreibt er Bullenmast mit der dazugehörigen Kälberaufzucht. Auf seinen Feldern wachsen Silo- und Körnermais, Triticale und Winterweizen. Mit Anke Beiing sprach Hermann Borchert über das Wetter, die Ernte und die erwarteten Erträge.

Montag, 04.08.2014, 07:08 Uhr

Mais und Getreide haben gelitten: Kreislandwirt Hermann Borchert rechnet mit Ernteverlusten wegen der Unwetter seit Pfingsten
Mais und Getreide haben gelitten: Kreislandwirt Hermann Borchert rechnet mit Ernteverlusten wegen der Unwetter seit Pfingsten Foto: Anke Beiing

Herr Borchert , wie sieht es derzeit mit der Ernte aus?

Hermann Borchert: Das Getreide stand im Frühjahr sehr gut. Wir hatten an die Ernte eine große Erwartung. Die ist allerdings durch das Unwetter am Pfingstmontag und die starken Niederschläge in den Folgewochen deutlich geschmälert worden. Jetzt warten wir auf einige trockene Tage, sodass wir mit der Ernte beginnen können. Ich kann noch nicht sagen, welchen Ertrag wir letztlich einfahren können.

Ich habe gesehen, dass einige Felder schon leer sind. War das die Wintergerste?

Hermann Borchert: Ja, die Wintergerste wurde geerntet. Gott sei Dank hatten wir da einige Tage mit Sonnenschein und trockener Luft. Zurzeit haben wir eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Die bedeutet eine Gefahr für das Getreide. Es kann in der Ähre keimen, insbesondere Triticale ist da anfällig, und das wäre ein großer Verlust für die Ernte.

Wie war denn der Ertrag bei der Wintergerste?

Hermann Borchert: Der war durchschnittlich bis gut.

Sind alle anderen Getreidearten vom Pfingstunwetter und der hohen Luftfeuchtigkeit betroffen?

Hermann Borchert: Ja, wobei der Winterweizen am stärksten gelitten hat. Er liegt größtenteils auf den Feldern und macht uns große Sorgen. Denn gerade das Getreide, das nah an der Erde liegt, wird schlecht trocken und läuft Gefahr, zu keimen. Außerdem wächst Unkraut, beispielsweise die Quecke, durch. Das erschwert das Ernten zusätzlich.

Was müsste passieren, damit die Ernte noch ein versöhnliches Ende findet?

Hermann Borchert: Wir brauchen jetzt einfach bald eine andere Luftströmung. Hohe, trockene Luft mit Sonne, damit wir so schnell wie möglich ernten können.

Wie sieht es denn beim Mais aus?

Hermann Borchert: Der Mais hat auch unter dem Starkregen gelitten. Wir hatten Pfingstmontag nachts in einer Stunde 65 Liter Niederschlag. Das ist ein Monatssoll. Da hat der Mais zwei bis drei Tage, teilweise länger, im Wasser gestanden. Und Mais verträgt keine Staunässe . Besonders auf tiefer gelegenen Flächen hat er gelitten und sich auch nur teilweise erholt.

Was passiert bei Staunässe?

Hermann Borchert: Durch das stehende Wasser kommt es zu Sauerstoffmangel im Wurzelbereich, die Pflanze kann Nährstoffe nur noch unzureichend aufnehmen. Zudem wird der Stängel angegriffen. Unter solchen Umständen stellt die Pflanze ihr Wachstum ein und wird hell. Einen 100-prozentigen Ertrag wird es auf solchen Flächen nicht mehr geben.

Als Landwirt hängen Sie ja immer am Wetter. Ist dieses Jahr ungewöhnlich?

Hermann Borchert: Es hat immer starke und schwache Sommer gegeben. Aber diese hohe Luftfeuchtigkeit und die starken Niederschläge schon im Juni waren für mich neu. Das ist außergewöhnlich. Aber im Grunde müssen wir zufrieden sein. Es hätte noch schlimmer kommen können. Wenn wir in den nächsten Tagen ernten können, kommen wir mit einem blauen Auge davon.

Kommen die Lohnunternehmer noch nach, wenn jetzt alle gleichzeitig dreschen wollen?

Hermann Borchert: Die Lohnunternehmer haben vor allem im letzten Jahrzehnt stark investiert. Ihre Schlagkraft ist sehr groß. Sie können in wenigen Tagen einen großen Teil der Ernte einfahren. Hier bitten wir um das Verständnis der Bevölkerung, wenn bei hoffentlich bald einsetzendem Erntewetter Drescher und Schlepper intensiv und auch abends noch unterwegs sind.

Wirkt sich eine schwache Ernte in der Region auf den Brotpreis aus?

Hermann Borchert: Nein. Weltweit wird die Ernte sehr gut ausfallen. Deshalb sind die Getreidepreise in diesem Jahr gesunken. Für Ackerbaubetriebe sind niedrige Preise und geringere Erträge natürlich doppelt ärgerlich. Betriebe, die vorrangig von der Viehhaltung leben, haben dagegen zunächst einen Vorteil durch niedrigere Futterkosten, wobei dann entscheidend ist, ob die Schlachtpreise nicht ebenfalls nachgeben.

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