Heinz Grundwald und die Fremdenlegion
Genug für ein ganzes Leben

Ladbergen -

Um die französiche Fremdenlegion ranken sich Geschichten und Mythen. Heinz Grundwald aus Ladbergen hat die Truppe live erlebt. 1948 meldete er sich freiwillig, 1953 kam er zurück. Der „Tecklenburger Landbote“ berichtete damals.

Mittwoch, 20.07.2016, 06:07 Uhr

Die Fremdenlegion hat noch heute Bestand und Zulauf. Ihre Mitglieder sind in viele Auseinandersetzungen involviert. Dieses Foto zeigt zum Beispiel das Eintreffen von Angehörigen der französischen Fremdenlegion als erstes Kontingent der schnellen Eingreiftruppe der NATO für Bosnien in der kroatischen Hafenstadt Split.
Die Fremdenlegion hat noch heute Bestand und Zulauf. Ihre Mitglieder sind in viele Auseinandersetzungen involviert. Dieses Foto zeigt zum Beispiel das Eintreffen von Angehörigen der französischen Fremdenlegion als erstes Kontingent der schnellen Eingreiftruppe der NATO für Bosnien in der kroatischen Hafenstadt Split. Foto: picture-alliance/dpa

Am 10. März 1953 wird im „Tecklenburger Landbote“ die Geschichte von Heinz Grundwald erzählt. „Fünf Jahre in französischer Fremdenlegion “ ist sie getitelt, und endet mit einer Warnung, die an „alle jungen Deutschen“ gerichtet ist.

„Es war zu Beginn des Jahres 1946, als Heinz Grundwald aus Königsberg im Alter von 19 Jahren, nachdem er soeben aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen war, nach Ladbergen kam. Der Bauer Ewald Budde in Wester gewährte ihm ein Unterkommen. Später fand Grunwald, der das Schlosserhandwerk erlernt hatte, in Lengerich Arbeit. Die Zeiten waren aber schlecht und als er hörte, dass in Frankreich Aussichten auf bessere Verdienstmöglichkeiten bestanden und dass dort vor allem Handwerker und Facharbeiter gesucht wurden, machte er sich auf dem Weg in das Lande jenseits des Rheins.

In Koblenz nahm ihn ein Auffanglager auf, in dem er über 1000 weitere junge Leute antraf, die ebenfalls alle in Frankreich Arbeit und guten Verdienst zu finden hofften. Als sich der Abtransport aber immer länger hinauszögerte und man dann hörte, dass man auch als Fremdenlegionär in Afrika sein Glück machen konnte, wurde auch Grunwald das Opfer von glänzenden Versprechungen und ließ sich als Fremdenlegionär anwerben. Nun ging es über Kehl und Straßburg nach Marseille, wo ein Dampfer die angehenden Legionäre aufnahm, um sie nach 26 Stunden fahrt in Oran in Nordafrika zu entladen. Das war am 8. März 1948.

Serie mit alten Berichten

70 Jahre Westfälische Nachrichten, das nimmt die Lokalredaktion Lengerich zum Anlass, auf 70 Jahre Zeitungsberichterstattung im Tecklenburger Land zurückzuschauen. Welche Themen haben die Menschen bewegt? Welche Kuriositäten gab es? Wie hat sich der Journalismus verändert? Diesen und anderen Fragen gehen wir nach. Teilweise sollen die Artikel 1:1 wiedergegeben werden, teilweise erfolgt der Rückblick aber auch in Zusammenfassungen. Dank gebührt an dieser Stelle Lengerichs Stadtarchivar Wolfgang Berghoff, der die gesammelten Zeitungsbände für die Recherche zur Verfügung stellte, sowie dem Unternehmen Bischof + Klein, das den „Tecklenburger Landboten“ lange herausgegeben hat und nun die erneute Veröffentlichung von Berichten gestattet.

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Von Oran ging es landeinwärts in die Garnison Sidi-bel-Abbes, wo die Ausbildung der jungen Legionäre begann. Von der Schwere dieser Ausbildung und den Anstrengungen des Dienstes unter der glühenden afrikanischen Sonne bei nicht ausreichender Verpflegung weiß Grunwald zu berichten. Nach der Ausbildung wurden die meisten seiner Kameraden per Schiff nach Indochina zum Einsatz gebracht. Grunwald, der das Glück hatte, in Afrika zu bleiben, hat nur von wenigen Kameraden wieder etwas gesehen oder gehört, die krank oder verwundet zurückkamen.

Da er selbst während der fünf Jahre, die ein Legionär auszuhalten hat, dienstlich in Afrika verwandt wurde, war ihm ein besseres Los beschieden. So hatte er auch das große Glück, nachdem er am 21. Februar diesen Jahres in Sidi-Bel-Abbes entlassen wurde, vor einigen Tagen gesund und wohlbehalten in Ladbergen einzutreffen, wo er bei Freunden und Bekannten einkehrte. Er ist überglücklich, wieder deutschen Boden unter den Füßen zu haben und der Hölle von Afrika entronnen zu sein.

In der Wiedergabe seiner Erlebnisse ist Grunwald, der jetzt 26 Jahre ist, ein wenig zurückhaltend. Man hat den Eindruck, dass er unter dem Geschehen der fünf Jahre Fremdenlegion leidet und nicht allzu viel daran erinnert werden möchte. Trotzdem er nicht die größten Schreckendes des Daseins der Fremdenlegionäre kennenlernte, meinte er im Gespräch mit unserem Ladberger Mitarbeiter, genüge das, was er gesehen und erlebt habe, für sein ganzes Leben. Darum halte er es für seine Pflicht, alle jungen Deutsche, und wenn es ihnen in der Heimat noch so schlecht ergehe, vor dem Dienst in der französischen Fremdenlegion zu warnen.“

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