Serie: Mit dem Rollstuhl unterwegs
Herausforderung Bordstein

Ladbergen -

Die Gründe, aus denen Menschen auf Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Wer mit einem Rollator oder Rollstuhl in Ladbergen unterwegs ist, sieht sich mit Problemen konfrontiert, die Fußgänger oft nicht einmal bemerken. Birga Jelinek hat sie aufgespürt.

Samstag, 22.04.2017, 06:04 Uhr

Begleitpersonen und abgesenkte Kanten wie hier am Zebrastreifen auf der Mühlenstraße erleichtern Personen mit Rollatoren und im Rollstuhl das Weiterkommen. Leider ist es nicht an allen Stellen im Heidedorf so einfach.
Begleitpersonen und abgesenkte Kanten wie hier am Zebrastreifen auf der Mühlenstraße erleichtern Personen mit Rollatoren und im Rollstuhl das Weiterkommen. Leider ist es nicht an allen Stellen im Heidedorf so einfach. Foto: Birga Jelinek

Die Gründe, aus denen Menschen auf Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Ich selbst bin nach einem schweren Reitunfall vor etwas mehr als zehn Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. In meinen Beinen ist kein Gefühl, trotzdem kann ich einige Muskeln nutzen, sodass ich Stehen und mich ein paar Schritte fortbewegen kann, wenn ich einen festen Halt habe. Mein Oberkörper funktioniert weitestgehend normal, dadurch ist es mir möglich, mich gut auszubalancieren, wenn ich hohe Bordsteine und andere Hindernisse überwinden möchte.

Bei anderen Menschen beeinträchtigen – unabhängig vom Alter – Krankheiten der Nerven, Muskeln und Knochen, sowie ebenfalls Verletzungen nach Unfällen oder Verschleiß die körperliche Leistungsfähigkeit. Diese verminderte Leistungsfähigkeit führt dazu, dass sich Betroffene im Alltag nicht mehr sicher genug fühlen und auf ein Hilfsmittel zurückgreifen

Der Rollator zum Beispiel bietet verschiedene wertvolle Möglichkeiten der Unterstützung. Die fahrbare Gehhilfe muss nicht wie Gehstöcke oder Unterarmgehstützen vom Boden abgehoben werden, so verleiht sie Stabilität beim Gehen und beugt Stürzen vor. Außerdem bietet sie eine Sitzgelegenheit, sodass Pausen jederzeit möglich sind. Auch der Transport von Einkäufen ist mit dem Rollator kein Problem mehr. Auch viele Senioren in Ladbergen nutzen das Hilfsmittel – und stoßen dabei im Heidedorf auf manches Hindernis.

Wie barrierefrei ist Ladbergen?

Ist ein Mensch in seiner Fähigkeit zu gehen noch weiter eingeschränkt, so wie ich, ermöglicht ein Rollstuhl die Fortbewegung. Ebenso wie den Rollator gibt es ihn in vielfältigen Ausführungen, sodass sich für jedes individuelle Bedürfnis ein passendes Gerät finden lässt.

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Wer mit einem Rollator oder Rollstuhl in Ladbergen unterwegs ist, sieht sich mit Problemen konfrontiert, die Fußgänger oft nicht einmal bemerken. Gehwege zum Beispiel werden mit einem seitlichen Gefälle angelegt, damit Regen besser abfließen kann. Dies ist durchaus sinnvoll, da sich kein Moos auf den Steinen bildet, das wiederum eine Rutschgefahr darstellt. Rollstuhl und Rollator müssen aber durch dieses geringe Gefälle ständig in der Laufrichtung korrigiert werden, was zu einer einseitigen Belastung der Arme führt, die schon nach wenigen Metern anstrengend oder sogar schmerzhaft wird.

Hohe Bordsteinkanten zu überwinden erfordert für einen Rollstuhlfahrer einiges an Übung und die Fähigkeit, seinen Oberkörper gezielt zu bewegen. Ein kleiner Anlauf, das Balancieren auf den Hinterrädern und die Anschließende Landung auf dem Bürgersteig kann schnell zum Kippen des Rollstuhls führen. Der Rollator muss an diesen Stellen angehoben werden, was im Normalzustand nur ein kleines Problem darstellt. Ist er aber mit dem Einkauf schwer beladen, kann der Bordstein oftmals nicht mehr überwunden werden.

Kopfsteinpflaster ist schön anzusehen, birgt aber für Rollstühle und Rollatoren ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Durch die unterschiedlich hohen Steine können sich die kleinen Vorderräder verfangen, blockieren und im ungünstigsten Fall zum Kippen des Hilfsmittels führen. Dieselbe Gefahr droht bei Kanaldeckeln, auch dort können die Vorderräder zwischen den Streben steckenbleiben und durch das abrupte Stehenbleiben Unfälle verursachen.

Treppen vor Geschäften stellen ebenfalls ein schwer überwindbares Hindernis dar. Verständlicherweise ist es aus baulichen Gründen oftmals nicht möglich eine Rampe anzubieten, die es gehbehinderten Menschen ermöglicht den Laden zu betreten. Umso schöner ist es, dass gerade in Ladbergen Möglichkeiten gefunden werden, diese Beeinträchtigung zu umgehen, indem man einen alternativen Eingang anbietet.

Behinderungen auf Gehwegen durch ausgestellte Waren und parkende Autos sind weitere Schwierigkeiten, mit denen Rollstuhlfahrer oder Nutzer von Rollatoren umgehen müssen. Dies fällt jedem Menschen unterschiedlich schwer.

Auf den ersten Blick sehen wohl die meisten Menschen in Rollator- oder Rollstuhlnutzern eine Person mit einer Beeinträchtigung. Woher diese stammt und was sie im Alltag für den Betroffenen bedeutet, erschließt sich nicht. So kann nicht jeder, der mit einem Rollator unterwegs ist, einen Bordstein überwinden oder jeder Rollstuhlfahrer alleine die Straße überqueren.

Ich bezeichne mich als sehr selbstständig und unabhängig im Alltag und sehe mich selten mit Situationen konfrontiert, die ich nicht managen kann. Eine immer wiederkehrende Situation, mit der ich schlecht zurecht komme, ist der Tag der Müllabfuhr in Ladbergen. Auf den schmaleren Gehwegen ist oft neben den Mülltonnen kein Platz um mit dem Rollstuhl problemlos zu passieren, da die Tonnen mitten auf dem Weg abgestellt werden.

Ich bin mir sicher, dass dies aus Unwissenheit oder mangelndem Platz passiert. Für mich und bestimmt auch für andere Betroffene ist somit an diesen Tagen die einzige Möglichkeit, mich im Ort zu bewegen, die Engstellen auf der Straße zu umfahren, was die Autofahrer nicht besonders erfreut. Mich übrigens auch nicht . . .

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