Per Pferd und zu Fuß an die Nordsee
Mit zwei PS auf großer Tour

Ladbergen -

Jüchen – Cuxhaven. Rund 420 Kilometer. Wenn’s gut läuft über die A1 in knapp vier Stunden zu schaffen. Keine große Sache. Vorausgesetzt, die Strecke wird im PS-starken Pkw zurückgelegt. Romina Korrenz hat ganze zwei Pferdestärken zur Verfügung, verteilt auf acht Hufe. Ihre Reise dauert geschätzt fünfeinhalb Wochen. Urlaub in slow motion und „Erholung pur“, sagt die junge Frau.

Freitag, 05.05.2017, 23:05 Uhr

Ein eingespieltes Team: Wanderreiterin Romina Korrenz (Mitte) ist mit ihren Haflingern Sancho und Stürmer (von links) auf dem Weg zur Nordsee. Etwa fünfeinhalb Wochen braucht sie für die Tour von Jüchen nach Cuxhaven.
Ein eingespieltes Team: Wanderreiterin Romina Korrenz (Mitte) ist mit ihren Haflingern Sancho und Stürmer (von links) auf dem Weg zur Nordsee. Etwa fünfeinhalb Wochen braucht sie für die Tour von Jüchen nach Cuxhaven. Foto: Sigmar Teuber

Freitagmorgen auf dem Reiterhof Tegelmann am Westerweg 106. Hans Tegelmann, der Senior, freut sich über den Besuch von Romina Korrenz. Die Jüchenerin wird mit ihren Haflingern Sancho und Stürmer zwei Tage lang bei ihm zu Gast sein. Zeit genug, ein wenig zu plaudern.

„Die Idee zu dieser Tour“, sagt die Reiterin, „spukt seit Jahren in meinem Kopf herum.“ Während kürzerer Trips in den vergangenen zehn Jahren durch die Eifel und andere Gegenden hat sie sich und die Pferde auf die große Reise vorbereitet. „Im Oktober 2016 habe ich endgültig beschlossen, das Unternehmen zu starten.“

Dass der Ritt an die Küste führen soll, stand von vornherein fest. Im Vorfeld zu klären blieb lediglich, ob und wo Romina Korrenz mit ihren Tieren an den Strand darf. „Ich lege doch nicht den weiten Weg zurück, um die See dann nur von Weitem zu sehen“, schmunzelt sie. Das Problem war allerdings schnell gelöst: „In Cuxhaven dürfen Pferde das ganze Jahr über an den Strand und ins Watt.“

Am Ostermontag machte sich Romina Korrenz auf den Weg, im Gepäck Karten mit diversen Reit-Routen. Die dienen allerdings nur als Grundlage, geplant wird von Tag zu Tag. Unterwegs stellt sich manches Hindernis in den Weg. „Wegen einer Baustelle musste ich einmal einen Umweg von fast zehn Kilometern machen. Ein anderes Mal habe ich freiwillig einen anderen Weg genommen, weil Schilder darauf hinwiesen, dass ein Hotel in der Nähe eine Tontauben-Schießanlage betreibt“, führt sie als Beispiele an.

Unterwegs trägt Stürmer das Gepäck, Sancho die Reiterin. Allerdings: „Etwa die Hälfte der Strecke werde ich zu Fuß zurücklegen“, erklärt Romina Stürmer. Es gebe eine Richtlinie, die empfehle, dass eine Reitstunde zehn Minuten Fußmarsch des Reiters enthalten solle. „Da lege ich aber lieber längere Zeiten drauf.“

Die Reiterin und ihre Pferde sind ein eingespieltes Team. Als gut ausgebildete Wanderreittiere beherrschen die Haflinger den Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsgang, können auf engstem Raum wenden und wissen, wo sie mit Gepäck auf dem Rücken problemlos durchkommen und wo sie sich um ein Hindernis herumschlängeln müssen. So sind Tagesstrecken von rund 25 Kilometer kein Problem, doch oft sind es auch weniger. „Wir machen Pausen, oder ich fülle meine Vorräte auf“, so die Reiterin. Notfalls werden die Pferde vor dem Supermarkt kurz angebunden.

Übernachtet wird meist auf Reiterhöfen, die Tiere im Stall, die Besitzerin im Schlafsack in der Reiterstube. „Hier auf dem Hof Tegelmann schlafe ich nach drei Tagen wieder einmal in einem richtigen Bett mit Bettwäsche“, freut sich Romina Korrenz.

Das Alleinsein genießt sie nach eigener Aussage sehr. Obwohl: „So ganz allein bin ich eigentlich nie. Bei jeder Rast komme ich mit netten Leuten ins Gespräch und am Abend sitze ich meist mit anderen Reitern zusammen“, schränkt sie ein.

Heute steht die nächste Etappe der Tour auf dem Programm. Ziel ist ein Islandpferdegestüt in der Nähe von Lengerich. Dort wartet eine Freundin, die Romina Korrenz ein Stück des Weges begleiten will. Den Rückweg von Cuxhaven nach Jüchen legen die junge Frau und ihre Pferde dann mit dem Pkw eines Freundes zurück. Sie drinnen, die Tiere im Anhänger.

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