Männerfrühstück thematisiert Leiharbeit
„Moderne Sklaverei in Deutschland“

Ladbergen -

Sehr klare Worte hat am Samstag Peter Kossen gefunden. Der katholische Pfarrer war Referent beim Männerfrühstück. Das Thema des Geistlichen war „Moderne Sklaverei in Deutschland durch den Missbrauch von Werkvertrags- und Leiharbeit“.

Sonntag, 17.09.2017, 18:09 Uhr

Pfarrer Peter Kossen (stehend) fand während seines Vortrages deutliche Worte.  
Pfarrer Peter Kossen (stehend) fand während seines Vortrages deutliche Worte.   Foto: Luca Pals

Es sei ein „Krebsgeschwür“, das sich durch die deutsche Volkswirtschaft fresse, meinte Peter Kossen im Laufe seiner Ausführungen. So deutlich wie diese Worte des katholische Pfarrers war auch das Thema beim Männerfrühstück am Samstag in Möllers Hof formuliert worden. Der Geistliche sprach über „Moderne Sklaverei in Deutschland durch den Missbrauch von Werkvertrags- und Leiharbeit“. Eingeladen dazu hatten die Organisatoren rund um Alexander Ventker.

Die Muster aus niedrigen Löhnen, stark anwachsenden Arbeitsstunden, Androhung körperlicher und psychischer Gewalt und menschenunwürdigen Unterkünften ließen sich immer wieder finden, wenn es um Leiharbeit gehe, so der Referent. Die Migranten, die meist aus Osteuropa stammten, seien aufgrund ihrer sprachlichen Nachteile eine leichte Beute für Arbeitgeber, die meist auch noch als Vermieter von Wohnraum aufträten. Werde ein Arbeitsvertrag fristlos und ohne Begründung gekündigt, folge oft auch der Rausschmiss aus der Unterkunft. In der müsse schließlich der nächste Arbeiter Platz finden. „Zu völlig überhöhten Mietpreisen werden oft abbruchreife Häuser mit Rumänen, Bulgaren, Polen vollgestopft.“ Diese Menschen, so Kossen, seien meist nur eine Nummer ohne Geschichte. Der Pfarrer benannte den „Straßenstrich“ als letzte Möglichkeit für viele Betroffene, um noch das nötige Geld zu verdienen.

Zur Lösung der Probleme regte Kossen verschiedene Schritte an: die Austrocknung des Systems krimineller Subunternehmer, menschenwürdige Unterkünfte durch den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus schaffen, die Einschränkung von Werkverträgen und natürlich „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort“. Dinge, die die Politik anpacken müsse. Aber auch jeder Einzelne könne handeln, so der Geistliche. Angefangen bei Hilfsangeboten für Migranten bis hin zum bewussten Einkaufen und Nachfragen nach Produktionswegen reichten die Möglichkeiten. Eines müsse jedem klar sein: „Am Ende zahlt jemand den Preis – und das ist der Arbeiter.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5157731?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F173%2F
Anwälte in Belästigungs-Verfahren nicht steuerlich absetzbar
Gerichtssaal am Finanzgericht Münster
Nachrichten-Ticker