Brückenteam des UKM
Helfer in schweren Stunden

Ladbergen -

„Ihr Kind ist an Krebs erkrankt. Es wird vermutlich sterben“. – Für Eltern, die diesen Satz hören, bricht eine Welt zusammen. Nachrichten, die für Erziehungsberechtigte der blanke Horror sind, gehören für Dr. Margit Baumann-Köhler zum Arbeitsalltag. Im Seniorentreff erzählte die Medizinerin von ihrer Tätigkeit im „Brückenteam“ des Universitätsklinikum Münster (UKM).

Donnerstag, 23.11.2017, 23:11 Uhr

Dr. Margit Baumann-Köhler referierte im Seniorentreff über die Arbeit des „Brückenteams“ des UKM – und ließ am Ende viele nachdenklich gewordene Zuhörer zurück.
Dr. Margit Baumann-Köhler referierte im Seniorentreff über die Arbeit des „Brückenteams“ des UKM – und ließ am Ende viele nachdenklich gewordene Zuhörer zurück. Foto: Luca Pals

„Ihr Kind ist an Krebs erkrankt. Es wird vermutlich sterben“. – Für Eltern, die diesen Satz hören, der leider auch in Deutschland immer wieder von Ärzten gesprochen werden muss, bricht eine Welt zusammen. Das eigene Kind krank, die Überlebenschance schwindend gering: Nachrichten und Tatsachen, die für Erziehungsberechtigte der blanke Horror sind, gehören für Dr. Margit Baumann-Köhler zum Arbeitsalltag. Im Seniorentreff erzählte die Medizinerin jetzt auf Einladung von dessen Leiterin Mechthild Teigeler von ihrer Tätigkeit im „Brückenteam“ des Universitätsklinikum Münster (UKM). Sie ließ ein nachdenkliches Publikum zurück.

Margit Bauman-Köhler ist nach eigenem Bekunden ein „Kind der ersten Stunde“ in der Einrichtung, sie arbeitet seit dem Start im Jahr 2003 mit und erklärt: „Wir wollen eine Brücke bauen von der Klinik in die Familien. Aus diesem Grund wurde auch der Name unserer Institution gewählt.“

Das Team besteht mit ihr aus elf teils Teilzeitbeschäftigten, darunter vier Ärztinnen und fünf Pflegekräfte. Mit dem Auto fahren die Helfer zu den Patienten, machen Hausbesuche und nehmen sich dabei Zeit, so die Ärztin weiter: „Die Besuche dauern meist mehr als eine Stunde. Es ist wichtig, Vertrauen aufzubauen. Das empfinde ich als große Chance.“

Ihr Einzugsbereich umfasse die Kreise Münster, Coesfeld und Steinfurt: „Da ist man auch einmal 45 Minuten für einen Weg unterwegs, deswegen besprechen wir mit den Familien viel am Telefon und versuchen die Strukturen vor Ort bestmöglich zu nutzen.“

Die Themen umfassten eine Vielzahl von Krankheiten, so die Fachfrau weiter. Das Alter der betreuten Kinder und Jugendlichen reiche vom Neugeboren bis zu 18-Jährigen. Manchmal auch darüber hinaus. „Die älteste Patientin war 26 Jahre alt“, berichtet Margit Baumann-Köhler. Sie selbst sei auf Krebserkrankungen spezialisiert und betreue Kinder ohne Überlebenschance.

Das „Brückenteam“ des UKM – es gibt noch zwei weitere, zu Dritt decken sie den gesamten Bereich Westfalen-Lippe ab – bietet einen Rund-um-die-Uhr-Rufdienst an. Krankenkassen finanzierten den pflegerischen Dienst, an „vielen anderen Ecken“ sei das Team auf Spenden angewiesen. Allerdings habe nach Abschluss der Verträge mit den Kassen im Jahr 2010 sein Bereich vergrößert werden können. „Heute bieten wir neben der mental-psychischen Beratung auch Antworten rund um die Anschaffung von Pflegemitteln an. Größter Faktor ist aber nach wie vor die Stärkung der Familie“, so die Medizinerin.

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