Politikerin Katharina Dröge
Vom Heidedorf in die Hauptstadt

ladbergen/Köln/Berlin -

Von Ladbergen nach Berlin, das bedeutet: vom beschaulichen Heidedorf in die turbulente Hauptstadt der Republik. Es mag vielleicht andere Bürger geben, die vom Tecklenburger Land im Laufe ihres Lebens in diese Großstadt umgezogen sind. Selten waren sie wohl dort so erfolgreich wie Katharina Dröge.

Freitag, 05.01.2018, 23:01 Uhr

Im Bundestag kennt sie sich aus: Katharina Dröge lebte bis zu ihrem Abitur in Ladbergen. Heute mischt sie für die Grünen in der Politik mit.
Im Bundestag kennt sie sich aus: Katharina Dröge lebte bis zu ihrem Abitur in Ladbergen. Heute mischt sie für die Grünen in der Politik mit. Foto: Achim Melde

Von Ladbergen nach Berlin, das bedeutet: vom beschaulichen Heidedorf in die turbulente Hauptstadt der Republik. Es mag vielleicht andere Bürger geben, die vom Tecklenburger Land im Laufe ihres Lebens in diese Großstadt umgezogen sind. Selten waren sie wohl dort so erfolgreich wie Katharina Dröge . Die (seit 2013) Abgeordnete des deutschen Bundestages für Bündnis 90/ Die Grünen sprach mit den Westfälischen Nachrichten über ihre Kindheit in Ladbergen, ihren politischen Aufstieg und aktuelle Themen, die sie zurzeit beschäftigen.

Geboren in Münster wuchs Katharina Dröge in Ladbergen auf, lebte im Heidedorf bis zu ihrem Abitur, das sie 2004 am Tecklenburger Gymnasium ablegte. Noch während ihrer Schulzeit trat sie in die Partei ein, gründete die „Grüne Jugend“ in Ladbergen und tauschte sich erstmals über politisch-relevante Themen mit Gleichaltrigen aus.

„Es hat Spaß gemacht, politisch zu diskutieren. Dadurch sind einige Freundschaften entstanden, die heute noch bestehen“, resümiert Dröge. „So konnte ich Politik im geschützten Raum üben.“

Geprägt wurde die Politikerin auch durch ihren Vater, der sich selbst lange Jahre im Gemeinderat Ladbergen für die Grünen zu Themen wie dem Umweltschutz stark machte. Für sie war die Wahl der Partei darum schnell klar: „Es gab damals, und das ist auch heute noch so, für mich keine andere Partei, die den Umweltschutz so ernst nimmt“, betont sie, und nutzt die Gelegenheit für ein wenig Eigenwerbung: „Auch heute noch sind wir die Einzigen, die dieses Thema richtig anpacken.“ Außerdem sei ihre Partei „das richtige Gesamtpaket“, in dem Themen für Frauen aber auch Rechte von Lesben und Schwulen angesprochen würden.

Auch abseits der Politik erinnert sich Katharina Dröge noch gut an ihre Zeit in Ladbergen: „Als Kind war es für mich ein super Ort. Ich konnte reiten und war mitten in der Natur.“ Dennoch zog es sie nach dem Abitur zunächst nach Köln. Einerseits zum Studieren, „andererseits ist in großen Städten einfach mehr los“, erklärt sie ihren Entschluss.

Kontakt zum Heidedorf habe sie trotz der großen Distanz zwischen Berlin und Ladbergen auch heute noch. So wohnen Tante, Onkel und Oma hier, vor Weihnachten wurden sie besucht. Mit einem Kreis alter Schulfreunde trifft sich Dröge einmal im Jahr in Tecklenburg.

In Köln studierte die 33-Jährige Volkswirtschaftslehre, erhielt 2010 ihr Diplom und wollte eigentlich in die Welt der Wissenschaft aufbrechen. Das ehrenamtliche Engagement als Landesvorsitzende der „Grünen Jugend“ und die anschließenden Arbeit als Vorsitzende der Grünen in Köln führten jedoch zu einem Platz im Umweltministerium von Johannes Remmel.

2013 dann der politische Höhepunkt: Erstmals zog Katharina Dröge über die Liste in den Bundestag ein. Sie saß dort im Wirtschaftsausschuss und war als Obfrau der Wettbewerbs- und Handelspolitik der Grünen tätig. 2017 schenkten die Wähler ihr erneut ihr Vertrauen. Zur künftigen Position kann die Politikerin allerdings aufgrund der anhaltenden Konstituierung der Bundesregierung noch nichts sagen.

Mit Blick zurück erklärt sie: „Politik ist eine Sache von Zufall und Gelegenheit. Das kann man nicht planen“.

Die Ungewissheit, welche Position sie künftig in der Bundespolitik einnehmen wird, ist eine Sache, die andere ist die offenbar schwierige Regierungsbildung. Nachdem Jamaika, auch mit den Grünen, gescheitert ist, versuchen bekanntlich zurzeit CDU/CSU und SPD sich näherzukommen. Dröge meint zu dem Abbruch der Verhandlungen in Berlin: „Das Ende von Jamaika war eine Frechheit der FDP. Christian Lindner mangelte es nicht an Inhalten oder Angeboten unsererseits, es war nur eine politische Strategie der Liberalen. Das ist nicht verantwortungsbewusst.“ Dass sich die SPD nun anscheinend doch auf Gespräche einlässt, sei notwendig. „Gerade in Zeiten, in denen die AfD in den Bundestag eingezogen ist, müssen sich die demokratischen Parteien zusammenraufen.“

An den Sondierungsverhandlungen zum schwarz-gelb-grünen Bündnis war auch Katharina Dröge beteiligt: „Es gab Vorbereitungsgruppen, in denen fachliche Vorentscheidungen getroffen wurden. Punkte, die wir in einer Regierung durchsetzen wollen und Grenzen, an denen wir rote Linien ziehen müssen. Ich habe dabei in der Wirtschafts- und Handelspolitik mitgearbeitet.“

Zurzeit ist parlamentarische Pause. Auch wenn Dröge ihre Arbeit in Teilen bereits wieder aufgenommen hat, beginnt ihr politischer Alltag erst in der kommenden Woche mit einer Klausursitzung der Bundestagsfraktion.

Ihr Arbeitsalltag sei zweigeteilt, erklärt sie: da seien ihr Wahlkreis in Köln und das Abgeordnetenbüro in Berlin. Dabei versuche sie die Themen der Kölner in die Hauptstadt zu transportieren.

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