Eichenprozessionsspinner hält Gemeinde weiter auf Trab
„Problem nicht dauerhaft gelöst“

Ladbergen -

Sie haben das Bärenfest gesprengt, dafür gesorgt, dass Kinderspielplätze gesperrt werden mussten und beschäftigen ungezählte Spezialisten, die Jagd auf die kleinen Quälgeister machen (WN berichteten): Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben vor Ladbergen nicht Halt gemacht. Tim Lutterbei vom Bauamt weiß, dass das Problem noch längst nicht gelöst ist.

Donnerstag, 14.06.2018, 23:39 Uhr

Raupen eines Eichenprozessionsspinners kriechen auf einem Eichenast: Die kleinen Lebewesen sind giftig. Zurzeit sorgen sie an vielen Orten für Aufregung. Auch in Ladbergen ist das Problem noch nicht dauerhaft gelöst. Die Verwaltung macht sich bereits Gedanken über das kommende Jahr.
Raupen eines Eichenprozessionsspinners kriechen auf einem Eichenast: Die kleinen Lebewesen sind giftig. Zurzeit sorgen sie an vielen Orten für Aufregung. Auch in Ladbergen ist das Problem noch nicht dauerhaft gelöst. Die Verwaltung macht sich bereits Gedanken über das kommende Jahr. Foto: dpa

Sie haben das Bärenfest gesprengt, dafür gesorgt, dass Kinderspielplätze gesperrt werden mussten und beschäftigen ungezählte Spezialisten, die Jagd auf die kleinen Quälgeister machen (WN berichteten): Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben vor Ladbergen nicht Halt gemacht. Tim Lutterbei vom Bauamt weiß, dass das Problem noch längst nicht gelöst ist. Er sieht die Gemeinde aber „auf einem gutem Weg“, der Plage Herr zu werden.

Weil am Wochenende eine Frisbee-Meisterschaft auf dem Gelände der Freiluftsportanlage Königsbrücke stattfinde, hätten Fachleute der Baumpflegezentrale Greven am Mittwoch die Bäume dort noch einmal kontrolliert, so Lutterbei. Gesperrt seien weiterhin die Spielplätze an der Gausebreede und am Waldweg. „Auch dort sind die Spezialisten tätig. Wir gehen davon aus, dass wir die Plätze bald freigeben können“, ist Tim Lutterbei zuversichtlich. Im Friedenspark sei Ende der vergangenen Woche gründlich „aufgeräumt“ worden. „Jetzt werden wöchentliche Kontrollen durchgeführt, damit es zu keinen Rückfällen kommt.“

Dass das Problem mit dem Entfernen der Eichenprozessionsspinnerraupen nicht dauerhaft gelöst ist, ist Tim Lutterbei klar. „Es hat sich ja an verschiedenen Stellen gezeigt, dass für Nester, die entfernt wurden, bald darauf neue da waren“. Darum sei die Gemeinde mit Experten im Gespräch, wie es weitergehen könne. „Ob eine Vorbeugung möglich ist, dazu gibt es keine konkreten Aussagen“, so Lutterbei. In jedem Fall sollen die Eichen in Ladbergen im nächsten Jahr frühzeitig kontrolliert werden.

Einen Befall von Raupen des Eichenprozessionsspinners wie in diesem Jahr habe es im Heidedorf noch nicht gegeben, berichtet der Fachmann. „Das ist flächendeckend im gesamten Innenbereich des Ortes, in Kindergärten, auf Spielplätzen, auf dem Kirchplatz. Da sieht man erst, wieviele Eichen es in Ladbergen gibt.“

Wieviele es tatsächlich sind, ist der Gemeinde nicht bekannt. Um ihre Zahl zu ermitteln, muss ein Baumkataster angelegt werden. Ein solches ist „im Gespräch“. Fest stehe aber, so Lutterbei, dass die Bäume von Mitarbeitern der Gemeinde nicht gezählt werden könnten. „Da brauchen wir externe Hilfe.“

Wenn auch Experten mit Hochdruck an der Lösung des Problems arbeiten und bereits Erfolge erzielt haben: „Die Warnschilder stehen noch und Vorsicht ist weiterhin geboten. Die Baumpflegezentrale aus Greven ist noch immer tätig“, sagt Tim Lutterbei. Dass der Eichenprozessionsspinner nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, zeigen auch Berichte Ladberger Mediziner. Nach deren Auskunft wurden bereits einige Patienten aufgrund von Beeinträchtigungen durch die Raupen vorstellig.

Wie dem Internetauftritt der Baumpflegezentrale Björn Dewitt in Greven zu entnehmen ist, entfernen deren Mitarbeite den Befall durch Eichen­prozessionsspinner in der Regel rückstandslos aus den Bäumen. „Nester und Gespinste werden mit einer klebrigen Flüssigkeit eingesprüht, damit sich die toxischen Härchen nicht mehr lösen können. Nach dem Eintrocknen werden alle befallenen Flächen abgesaugt und mit einem Brenner abgeflammt. Alles, was mit dem Eichen­prozes­sions­spinner in Berührung gekommen ist, bringen wir direkt in die Müll­verbrennungs­anlage“, heißt es da.

Auch die Schäden, die die Raupen anrichten, sind den Experten bekannt: „Der Eichen­prozes­sions­spinner kann alle Eichenarten befallen. Den Bäumen wird er durch Fraßschäden gefährlich, den Menschen durch allergische Reaktionen bei Hautkontakt. Die Raupenhärchen reizen Schleimhäute und Atemwege. Die Haut reagiert mit heftigem Jucken, Rötungen, Eiterblasen und Knötchen. Ebenso können schwere Bindehautentzündungen auftreten. Wird das Gift durch die Atemwege aufgenommen, kann es zu Entzündungen von Nase, Hals und Bronchien bis hin zu Atemnot kommen. Auch Schwindel, Müdigkeit und Fieber können auftreten. Daher kann ein Baumbefall mit Eichen­prozes­sions­spinnern nur mit Schutzkleidung und spezieller Ausrüstung entfernt werden.“

Der Schmetterling, der aus den Raupen entsteht, ist grau getönt und hat eine Spannweite von 25 Millimetern, wissen die Fachleute. Jedes Weibchen legt im Spätsommer zwischen 100 und 200 Eier in den oberen Kronenbereich an jungen Eichenzweigen ab. Aus denen schlüpfen im darauffolgenden Jahr im Mai die Raupen.

Erkennbar ist die schädliche Raupe an dicken Warzen und dichtem Haar. Die jungen Raupen sind zunächst braun-gelb gefärbt und verändern sich zu grau-schwarz. Insgesamt durchläuft die Raupe sechs Stadien der Verpuppung und verfügt kurz vor der Verpuppung über etwa 600 000 giftige Haare. Zur Verpuppung ziehen sich die Raupen im Juni in bis zu einen Meter lange Nester im Baum zurück, die aus Kot, Spinnfäden und abgestreiften Larvenhäuten bestehen.

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