Gemeinschaftsgrundschule wird zur Kinderrechte-Schule
In Ladbergen reden die Kleinen mit

ladbergen -

„Kinder haben Rechte“. – Fällt dieser Satz, kontert so mancher Erwachsene gern: „Und was ist mit ihren Pflichten?“ Für Dr. Ulrike Itze-Helsper gehört diese Antwort zu einer längst vergangenen Zeit. „Werden Kindern ihre Rechte klar, erkennen sie schnell selbst, dass damit auch Pflichten verbunden sind“, sagt die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule. Sie und ihr Team müssten es wissen, schließlich haben Kinder und Lehrerinnen rund anderthalb Jahre gemeinsam daran gearbeitet, die Ladberger Einrichtung zu einer „Kinderrechteschule“ zu machen.

Montag, 09.07.2018, 23:30 Uhr

Lehrerinnen und Schüler der Grundschule: Gemeinsam mit den Eltern gestalten sie das Schulleben, achten darauf, dass die Kinderrechte umgesetzt werden und erleben, welche positiven Auswirkungen ein solches Miteinander hat.
Lehrerinnen und Schüler der Grundschule: Gemeinsam mit den Eltern gestalten sie das Schulleben, achten darauf, dass die Kinderrechte umgesetzt werden und erleben, welche positiven Auswirkungen ein solches Miteinander hat. Foto: Sigmar Teuber

„Kinderrechte bedeuten nicht nur ein Recht auf Bildung und das Lernen über die eigenen Rechte, sondern auch das Fördern eines ,kritischen Geistes’ und von konkretem Engagement“, erklärt Ulrike Itze-Helsper. Und auch Schulministerin Yvonne Gebauer forciert das 2015 gestartete BuddY-Landesprogramm Kinderrechte NRW, an dem bereits mehr als 100 Grundschulen teilgenommen haben. Sie sagt: „Kinderrechte sind die Basis des gemeinsamen Lernens und Miteinanders in den Schulen.“

Die Ladberger Grundschüler kennen nicht nur die für alle Kinder der Welt geltenden Rechte, die da sind: Gleichheit, Gesundheit, Bildung, Spiel und Freizeit, freie Meinungsäußerung und Beteiligung, gewaltfreie Erziehung, Schutz im Krieg und auf der Flucht, Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung, elterliche Fürsorge sowie besondere Fürsorge und Förderung bei Behinderung. Sie wissen sie auch mit Leben zu füllen. Klassensprecher (je ein Mädchen und ein Junge pro Klasse), der Klassenrat, zu dem alle Stufen ihre Vertreter entsenden, und das Schülerparlament sind fest im Schulprogramm installiert. „Wir sagen unsere Meinung, wenn es um den Umbau der Schule geht, um die Anschaffung neuer Bücher für die Bücherei, die Gestaltung der Klassenräume und des Unterrichts und vieles mehr“, sagt eine Schülerin. „Und die Großen nehmen uns ernst“, ergänzt ein Klassenkamerad.

„Das von ,Education Y’ in Kooperation mit Unicef entwickelte ,BuddY’-Programm reduziert Kinder und Jugendliche nicht länger auf die Rolle als Objekte von Stoffvermittlung“, so Ulrike Itze-Helsper. „Sie erhalten über die formale Mitbestimmung hinaus Raum und Ermutigung für bedeutsame Partizipation“. In den einzelnen Gremien lernen die Kleinen, was Demokratie bedeutet. Es gibt „Zeitwächter“, die dafür sorgen, dass jedes Kind die ihm zustehende Redezeit einhält, „Lautstärkewächter“, die einschreiten, wenn eine Diskussion zu hitzig wird, ein Kind, dass die gemeinsam erarbeiteten Vorschläge vorliest, die in einem Klassenbuch gesammelt werden, und natürlich den Versammlungsleiter. Alles wie bei den „Großen“.

Ohne Einverständnis und Mithilfe der Eltern ist eine erfolgreiche Arbeit wie in der Ladberger Grundschule kaum möglich. Deshalb ist Ulrike Itze-Helsper froh, dass die Erziehungsberechtigten die Aktionen nicht nur mittragen, sondern sie auch propagieren: in einem gut halbstündigen Kinderrechte-Film, den die Schule gedreht hat und in dem natürlich alle zu Wort kommen. Itze-Helsper: Das Kinderrechte-Projekt ist eine Eltern-Kinder-Lehrer-Aktion, die ständig weiterläuft.“

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