60 Jahre Fachgeschäft Helmut Hilge in Ladbergen
Ein Leben für die Fotografie

Ladbergen -

Immer dann, wenn ein Kunde das kleine aber feine Geschäft an der Lessingstraße betritt, klingelt ein kleines Glöckchen. Dann dauert es nicht lange, bis Helmut Hilge den Raum betritt. Sein Weg führt durch eine Tür in seiner Wohnung in den Laden und an die Kasse. Seit rund 60 Jahren geht das so.

Donnerstag, 12.07.2018, 16:04 Uhr

Wer aus Ladbergen kommt, kennt ihn: Fotograf Helmut Hilge hat in vielen Jahren zahlreiche Heidedörfler vor die Linse bekommen. Er wurde durch seine Arbeit zu einem der wohl bekanntesten Menschen im Ort.
Wer aus Ladbergen kommt, kennt ihn: Fotograf Helmut Hilge hat in vielen Jahren zahlreiche Heidedörfler vor die Linse bekommen. Er wurde durch seine Arbeit zu einem der wohl bekanntesten Menschen im Ort. Foto: Luca Pals

Der Ur-Ladberger ist für die meisten Bürger wohl kein Unbekannter. Er sagt von sich selbst: „Jeder, der aus Ladbergen kommt, kennt mich.“ Und wer so lange im Geschäft ist, hat wohl alles richtig gemacht, den passenden Beruf für sein Leben gefunden. Helmut Hilge ist so einer, ist ein vielseitiger Mensch. Die Fotografie ist neben der Malerei seine große Leidenschaft. Auch mit 90 Jahren ist für ihn noch lange nicht Schluss.

Kommt ein Kunde in seinen Laden, kann er heute „nur“ noch Passbilder bekommen. Helmut Hilge: „Alles andere wäre mit zu viel Aufwand verbunden.“ Doch das war nicht immer so. Bilder schießen, damit ist der Ladberger groß geworden: „Ich habe schon früh eine einfache Boxkamera bekommen. Damit habe ich Hund, Katze und Menschen bei uns zu Hause fotografiert“, sagt er. Ein Exemplar der alten Kamera hat er noch. Hinter Glas, in einer Vitrine steht das Gerät, zusammen mit vielen alten Objekten. Sozusagen: Ein Museum für die Kunden. Die können einen Blick in die Kamera-Geschichte werfen.

Die Fotografie habe ihm von jeher „sehr viel Spaß gemacht“, berichtet der Senior. So viel, dass er nach seiner Schullaufbahn direkt in die Lehre ging: Seine dreijährige Ausbildung (1942-1945) zum Fotografen bei Fritz Kiepker in Lengerich wurde durch den Einzug als Soldat während des Zweiten Weltkrieges unterbrochen. Ganze 17 Jahre jung war Hilge damals, im Januar 1945. Zu einer Zeit, in der der Krieg seinem Ende entgegen steuerte, die Alliierten mehr und mehr in Deutschland vordrangen. Hilge geriet in Kriegsgefangenschaft der Amerikaner, wurde im September – nach Ende des Krieges – entlassen und kehrte nach Ladbergen zurück.

Für ihn war klar: Mit der Fotografie soll es weiter gehen, die Ausbildung hatte er ja so gut wie beendet. 1948 legte er seine Gesellenprüfung in Münster ab. Natürlich ging es weiter: Drei Jahre war er als Gehilfe in verschiedenen Firmen der Region tätig, kam viel herum und machte sich einen Namen als Fotografen.

Der vorläufige Höhepunkt: Seine Meisterprüfung im Fotografenhandwerk 1954. Danach dauerte es nicht lange, bis Helmut Hilge sich einen Traum erfüllte: Zusammen mit seiner Frau Elfriede baute er ein Haus, eröffnete das Geschäft.

Damals wie heute – es hat sich nicht viel verändert. Geändert haben sich die Technik und damit auch die Kameras. Für Helmut Hilge kein Problem. Heute werden Passbilder mit einer Polaroid-Kamera gemacht. Dabei gibt es viel zu beachten. „Das Licht ist sehr wichtig. Alles muss gut zu sehen sein“, weiß der Profi und sagt: „Gerade sitzen, gerade gucken und das Kinn anziehen – das sage ich allen, die kommen.“ Auf Passbildern „darf nicht gelacht“ werden, „freundlich gucken“ sollte man aber trotzdem.

Der bisher letzte Höhepunkt in Hilges Karriere liegt vier Jahre zurück: 2014 überreichte ihm die Handwerkskammer Münster den Diamantenen Meisterbrief (WN berichteten). 64 Jahre ist seine Meisterprüfung her. Das ist etwas Besonderes, viele Kunden fragen nach. Hilge erklärt dann: „Dieser Brief enthält drei Briefe: Den Originalen, den Goldenen für 50 und den Diamantenen für 60 Jahre.“

Neben der Fotografie gibt es eine zweite Leidenschaft für Hilge: Die Malerei. Um die 50 Bilder hat er gemalt, die meisten zeigen Motive aus der Natur, zu jedem gibt es eine Geschichte.

In diesem Jahr vollendet Helmut Hilge sein 91. Lebensjahr. Für ihn steht fest: „Auch künftig können sich die Ladberger ablichten lassen“.

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