„Weibsbilder“ sehnen sich nach vergangenen Zeiten zurück
Bei ADHS gab‘s Haue

Ladbergen -

Wenn die „Weibsbilder“ rufen, kommen sie: Rund 180 Zuschauerinnen samt einiger „mitgeschleppter“ männlicher Besucher freuten sich am Freitagabend auf ein paar Stunden Comedy und Kabarett vom Feinsten. Und sie wurden nicht enttäuscht, sorgten doch Claudia Thiel und Anke Brausch als „Malle Diven – ausgebrannt am Sommerstrand“ in der Jahn-Sporthalle über zwei Stunden lang für humoristischen Dauerbeschuss. Bei ihrer Wahl für ein Unterhaltungsprogramm hatte die Gemeindeverwaltung wieder einmal den richtigen Riecher gehabt.

Montag, 10.09.2018, 15:36 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 09.09.2018, 13:16 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 10.09.2018, 15:36 Uhr
Anke Brausch (links) und Claudia Thiel begeisterten mit schwarzen Humor und Selbstironie das Ladberger Publikum.
Anke Brausch (links) und Claudia Thiel begeisterten mit schwarzen Humor und Selbstironie das Ladberger Publikum. Foto: Anne Reinker

Auf den Wogen der Traumschiffmelodie rauschen die Weibsbilder hinein, beide „glücklich vergeben an ein Single-Leben“, aber trotzdem mit Loveboat-Reisen auf einer Single- Kreuzfahrt. Und resümieren hier Vergangenes und hoffen auf Neues. Mit ihren gegenseitigen „Komplimenten“ im Blick auf ihre Körperfüllen ernten sie die ersten großen Lacher, ihre Erwartungen an Liebeslust nach Liebesfrust tun das Übrige dazu. Bei der Begrüßung der „Resterampe“ in der ersten Reihe schießen schon einigen Zuschauern die Lachtränen in die Augen.

Vieles ist ja in der Kindheit begründet, meinen die Weibsbilder, die mal gemeinsam, mal solo auf die Bühne steigen. „Unser soziales Netzwerk war draußen“, erinnert sich Claudia Thiel an die guten alten Zeiten, in denen die Kinder noch auf Bäume kletterten. „Heute kommen die Kinder erst nach Hause, wenn die Akkus von Handy und Powerbank leer sind“, bedauert sie. Auch die modernen Behandlungsmethoden kritisiert sie. „Wir sind heute völlig auf Globuli angewiesen“, sagt Thiel. „Meine Notfallglobuli sind Frikadellen“, kalauert sie. „Und im Winter sind es die Rumkugeln.“ Die Kabarettistin erinnert sich an die Ermahnung der Mutter: „Iss Kind, dann scheint morgen die Sonne. Toll, jetzt bin ich dick und wir haben Klimaerwärmung.“

Humor, der bei den Besuchern bestens ankommt. Der ganze Missstand beginnt anscheinend schon in der frühesten Kindheit. Heute bringe man schon schreiende Babys direkt zum Osteopa­then, so Claudia Thiel. „Früher hat man die einfach ins Nebenzimmer gestellt.“ Anke Brausch bestätigt: „Hatten wir ADHS, dann hat man uns eine runtergehauen und wir waren geheilt.“ Heute lebe man allerdings in einem Zeitalter, in dem „jedes zehnte Kind in einem Ikea-Bett gezeugt wird und jedes achte Kind eine Schraube locker hat“.

Aber auch die Weibsbilder werden älter. „Wenn man den Zusammenhang zwischen Bleistift und Kassette kennt, ist es Zeit für eine Darmspiegelung“, erklärt die 42-jährige Claudia Thiel.

In ihrer Paraderolle als Tineke begeistert Anke Brausch, die darin als siebenjährige Göre ihren Lebensunterhalt in verschiedenen Netzwerken verdient. Sie sei wie eine Lava-Lampe, habe ihr Vater gesagt. „Es macht Spaß, dich zu beobachten. Aber besonders hell bist du nicht“, lautete das Zitat. Tineke lebt mit zahlreichen Lebensmittelunverträglichkeiten. Durch Rindfleisch bekomme man ISDN, meint sie mit herrlich schräger Stimme. Aber: „Dann komme ich nicht mehr in das Internet, das geht nicht.“

Als Gundula zieht Claudia Thiel die Begeisterung auf sich. Die ganz entspannte Yogalehrerin, also eine „Yogurette“, zeigt sich mit Häkelkäppchen und Wallekleid dem Meditativen und Spirituellen offen. Und hat eine ebenso simple und zutreffende Lebensweisheit parat: „Der meiste Stress kommt doch im täglichen Kontakt mit Idioten.“

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