Özgür Cebe auf der Kulturbühne
Scharfer Blick auf die Realität

Ladbergen -

Zum Auftakt nach der Sommerpause hatte die Kulturbühne mit Özgür Cebe einen Grenzgänger zwischen Comedy und Kabarett eingeladen, der schon vor zwei Jahren das Publikum bestens unterhalten hat. Seit längerer Zeit ist er nun mit „Born in the BRD“ unterwegs. Mit ungebremster Energie arbeitet er an seinem neuen Programm „Ghetto Faust“ und davon profitierte das begeisterte Publikum an diesem Abend.

Sonntag, 16.09.2018, 15:10 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 14.09.2018, 21:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 16.09.2018, 15:10 Uhr
Özgür Cebe schaffte mit Charme und Natürlichkeit den Spagat zwischen Comedy und Kabarett.
Özgür Cebe schaffte mit Charme und Natürlichkeit den Spagat zwischen Comedy und Kabarett. Foto: Axel Engels

Fast alle „Nummern“ waren wie bei einer Vorpremiere vom freidenkerischen Geist Goethes durchsetzt und mit der Sprache der jungen Generation bereichert. Sogar einen Rap mit dem Monolog des „Dr. Faustus“ hatte er frisch ausgepackt. Dabei zeigte der sympathische Künstler seine Prägung durch Intellektualität und gesellschaftlichem Untergrund. Mit seinem Zwiegespräch von Dr. Faust und Mc Ghetto wird er bundesweit für Furore sorgen, so viel Kultpotenzial erlebt man nur selten.

Özgür Cebe hatte tief in die Schatzkiste seines Comedy-Kabarett-Repertoires gegriffen und dann Innovatives aus dem in dieser Woche erstmals zu erlebenden Programm „PlaCEBEffekt“ hervorgezaubert. Den roten Faden durch den Abend lieferten seine Kreativität und sein scharfer Blick auf die politische Realität mit all ihren Auswüchsen.

Özgür Cebe genoss spürbar den Abend in Ladbergen, an dem er in engem Kontakt zum Publikum neue Dinge ausprobieren konnte. Selbst sein Ausflug in die von Schmalz triefende Welt des Schlagers geriet in feinster Karaoke-Manier zu einem politischen Statement. Wenn er von „Santa Scharia“ sang, sehnsuchtsvoll bei „Ich war noch niemals im Irak“ von fernen Welten träumte und „Unter der Burka muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ erklang, hätten sich bestimmt auch Diaz, Jürgens und Mey von diesen zu Gassenhauern mutierten Liedern begeistern lassen.

Seine bitterbösen Eskapaden verletzten nie, wusste er mit Bravour die Niederungen der Comedy mit den Höhen des Kabaretts zu verbinden. Da verband sich Intellekt mit Unterhaltungswert, wurde der permanente Angriff auf die Lachmuskulatur des Publikums bereichert durch eine Steigerung des Mitdenkens. Seinem Blick hinter die Kulissen entging nichts, von Sachsen bis Bayern, von Kirche bis Staat. Aber da er ja auch ein Comedy-Publikum bedienen muss, galt es für ihn den Spagat zu machen zwischen diesen oftmals weit entfernten Welten. Das schuf er an diesem Abend mit Charme und Natürlichkeit, da wirkte nichts aufgesetzt oder abgegriffen. Dabei konnte er manche Themen als Moslem mit armenischen, türkischen und kurdischen Wurzeln ehrlicher und auch überzogener anpacken als viele seiner Kollegen. Extremismus in jeder Form ist ihm suspekt, prangert er den Islamischen Staat ebenso an wie die braunen Auswüchse. Özgür Cebe bezog Stellung gegen die Gefahr von Rechts. Sein Verständnis von Rassismus reicht weiter als bei den Vertretern einer Spezies, die ihren Kopf nicht zum Denken zu gebrauchen weiß. Er machte sogar vor der eigenen Person nicht halt, der Gefahr rassistischer Beeinflussung sei auch er jeden Tag ausgesetzt. Aufklärung alleine reicht ihm nicht, da ist Engagement gefragt.

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