Wenn Wetter-App und Fachleute uneins sind
Keine dicke Luft in Ladbergen

Ladbergen -

Heike Borgmann ist beunruhigt. Sie hat auf ihrem Smartphone eine Wetter-App, die, wie sie sagt, auch die Luftqualität misst. Für die Bereiche Ladbergen, Lengerich und Ibbenbüren habe dieses elektronische Helferlein bisher Werte um fünf herum angezeigt. Am Sonntag jedoch sei der Wert für Ladbergen auf 61 hochgeschnellt, für Ibbenbüren auf 52 und für Münster auf 61. Verbunden mit der Warnung, dass Menschen, die empfindlich reagierten, besser nicht nach draußen gehen sollten.

Montag, 29.10.2018, 23:40 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 29.10.2018, 23:35 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 29.10.2018, 23:40 Uhr
Messstationen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz stehen in vielen deutschen Städten und Gemeinden. Die Fachleute des LANUV raten, sich auf den Seiten dieser Behörde über den aktuellen Stand der Luftqualität zu informieren.
Messstationen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz stehen in vielen deutschen Städten und Gemeinden. Die Fachleute des LANUV raten, sich auf den Seiten dieser Behörde über den aktuellen Stand der Luftqualität zu informieren. Foto: dpa

Offenbar handelt es sich um Angaben aus dem „Common Air Quality Index“ (CAQI), der aus den Messdaten von Ozon, Stickstoffdioxid und Feinstaub berechnet wird. Ein CAQI von null bis 50 gilt nach Angaben der App-Entwickler als niedrig, ab 76 sprechen Experten von einem hohen Wert. Diese Werte können über eine App abgerufen werden, die iPhone-Nutzer mit einem Update auf iOS 12 bekommen haben sollen. Sie zeigt eine Warnung an, wenn die Luftqualität angeblich schlecht ist, wie „ungesunde Luftqualität“ oder „ungesunde Luftqualität für empfindliche Gruppen“. Viele Nutzer zweifeln jedoch an den Angaben, da sie oft im Gegensatz zu Werten stehen, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) ermittelt.

Die Westfälischen Nachrichten fragen zunächst bei Heike Peters vom Ladberger Ordnungsamt nach. Der Fachfrau sind die Angaben in der App ein Rätsel. Sie rät, sich mit LANUV in Verbindung zu setzen.

In Recklinghausen, dessen Dienstsitz, meldet sich Pressesprecherin Birgit Kaiser de Garcia am Telefon. Sie ist bereits öfter auf die Werte angesprochen worden, die die iPhone-App ausspuckt. Angaben, die für das LANUV „nicht nachvollziehbar“ seien. „Da werden in den USA offenbar Daten verarbeitet, für die es aus unserer Sicht keine Grundlage gibt“, sagt sie.

Laut der App stammen die Daten von „The Weather Channel“, einem US-Wetterdienst. Doch selbst dessen Werte stimmen anscheinend nicht immer mit denen der in der App angezeigten überein.

Birgit Kaiser de Garcia kennt keine Einzelheiten. Sie erklärt aber: „Das LANUV erhebt regelmäßig Daten zu Ozon, Feinstaub und anderen möglichen Belastungen der Luft. Die waren in den vergangenen Tagen auch für Ladbergen, Lengerich und Co. in Ordnung. Sollte das einmal nicht so sein, geben wir sofort Pressemitteilungen heraus.“

Weder nach eigenen Messungen noch durch Meldungen von Behörden belegt, gebe es nennenswerte Luftbelastungen für die Region Ladbergen, Lengerich und Ibbenbüren, versichert Birgit Kaiser de Garcia. Auch von etwa einem Großbrand, bei dem viele Rauchgase in die Atmosphäre gelangt sein könnten, sei nichts bekannt. „Das hätte uns die Feuerwehr längst mitgeteilt.“

Birgit Kaiser de Garcia rät, den Angaben der App keinen allzu großen Wert beizumessen. „Wer Informationen aus erster Hand haben will, kann sich auf unseren Internetseiten umsehen. Dort sind alle Messstellen gelistet“, sagt sie.

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www.lanuv.nrw.de

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