Schnelle Hilfe für Findel-Igel
Kleiner Fiete in guter Obhut

Ladbergen -

Ein leises Rascheln im Laub, und die Aufmerksamkeit der französischen Bulldogge Atze ist geweckt. Ein kraftloser Igel liegt apathisch am Wegesrand des Teutoschleifchens, am Mühlenbach, gleich hinter dem Friedhof. Schnell ist klar: Der kleine Kerl benötigt Hilfe. Gesunde Igel sind nachtaktiv und tagsüber nicht zu sehen. Sie sind kräftig gebaut, haben klare Augen, eine feuchte Nase und rollen sich bei Gefahr ein. Dieser Igel zeigt diese Merkmale nicht.

Dienstag, 13.11.2018, 15:48 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 12.11.2018, 19:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 13.11.2018, 15:48 Uhr
Bulldogge Atze schaut sich den kleinen Stachelträger an, den er beim Spaziergang am Mühlenbach aufgestöbert hat.
Bulldogge Atze schaut sich den kleinen Stachelträger an, den er beim Spaziergang am Mühlenbach aufgestöbert hat. Foto: Birga Jelinek

Ob es einem Igel schlecht geht, ist leicht zu erkennen. Grundsätzlich gilt: ist er tagsüber unterwegs, wiegt er Anfang November noch unter 500 bis 600 Gramm, sind seine Augen trüb oder ist er von Parasiten befallen, ist das ein deutliches Warnsignal. So kann der Igel die Winterruhe nicht überleben, er braucht dringend Hilfe.

Wir nehmen das Tierchen mit nach Hause. Dort bleibt es aber nicht lange. Kurz entschlossen nimmt Elke Birker , die uns an diesem Tag besuchte,  den kleinen Igel in ihre Obhut.  Unser Findelkind, dass wir auf den Namen Fiete taufen, liegt auf der Seite, ist spürbar unterkühlt und viel zu dünn. Es beschwert sich nicht, als es schon wieder aufgehoben und warm eingewickelt wird. Ein Indiz dafür, wie geschwächt der kleine Kerl ist.

Die Wärme zeigt schnell Wirkung und weckt seine Lebensgeister. Im Haus von Elke Birker angekommen wird eine Recherche gestartet, um festzustellen, wie man dem Igel kurzfristig helfen kann. Schnell ist eine behelfsmäßige Behausung in einer Plastikkiste eingerichtet, deren Boden mit Küchenpapier ausgelegt wurde. Wasser bekommt Fiete in einer flachen Schale, damit er sich bequem bedienen kann. Besonders freut er sich offenbar über ein gekochtes Ei, das er laut schmatzend frisst.

Um die bestmögliche Versorgung des kleinen Igels zu gewährleisten, nimmt Elke Birker Kontakt mit der Privaten Igelhilfe Münsterland auf. Die Mitglieder der ehrenamtlich tätigen Organisation stuften Fiete als Notfall ein, da er mit nur 120 Gramm stark untergewichtig ist. Birker erfährt auch, dass die Igelschützer in diesem Jahr viel zu tun haben. Aufgrund der langen Trockenperiode im Sommer fehlt den Tieren die Nahrungsgrundlage.

Der in Deutschland hauptsächlich vorkommende Braunbrust-Igel ist ein reiner Fleischfresser, Fallobst frisst er nur, um an die Maden und Würmer in den Früchten zu kommen. Zahlreiche Insekten, Würmer, Käfer und Asseln stehen auf seinem Speiseplan genauso wie Eier und Schnecken. An seinen Lebensraum stellt er keine besonderen Ansprüche. Er baut sein Nest in Laubhaufen und Hecken, hält sich gerne an Waldrändern und in Gärten auf und fühlt sich sichtlich auch in der Plastikkiste wohl.

Die friedliche Gesinnung des Igels, seine unkomplizierte Fütterung und Unterbringung machen es leicht, ihnen zu helfen. Das gilt auch für Fiete. Eine warme Unterkunft, Katzenfutter und Rührei, Wasser und die Befreiung von Parasiten sorgen dafür, dass er sich wohlfühlt.

Ein Igel kann bis zu sieben Jahre alt werden und bis zu 1500 Gramm schwer. Er verfügt über zwischen 6000 und 8000 Stacheln, die aus verhornten Haaren bestehen. Igel sind Einzelgänger, sie sind wenig streitlustig, verteidigen ihr Revier nicht und gehen Artgenossen aus dem Weg. Ihre natürlichen Feinde sind Marder, Uhus, Dachse, Füchse – und Rasenmäher-Roboter. die können den Igel mit ihrem Mähwerk schwer verletzen und sogar töten. Wer Igeln einen Unterschlupf bieten möchte, kann vorsorglich einen Kompost- oder Laubhaufen im Garten als Rückzugsmöglichkeit für sie einrichten. Inzwischen ist der Kleine noch einmal umgezogen. In der Obhut der Privaten Igelhilfe Münsterland darf er sich weiter erholen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6186121?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F173%2F
Großfeuer am FMO: Ursache bislang unklar
Die betroffenen Fahrzeuge auf den Ebenen 1 und 2 verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Insgesamt waren 72 Autos betroffen.
Nachrichten-Ticker