Professor Dr. Andreas Pinkwart zu Gast in Ladbergen
„Kein Sorgenkind, sondern Vorbild“

ladbergen -

Erst eine Rede bei der Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) NRW in Recklinghausen, dann eine Stippvisite im Heidedorf, danach ab in die „Zwei-Löwen-Grube“ des Zwei-Löwen-Klubs Münster: Professor Dr. Andreas Pinkwart (FDP) ist offenbar ein gefragter Mann. Am Mittwochnachmittag war der Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen Gast bei Udo Decker-König.

Donnerstag, 22.11.2018, 23:00 Uhr aktualisiert: 22.11.2018, 23:10 Uhr
Gruppenbild mit Damen: Bürgermeister Udo Decker-König (Mitte) überreichte Professor Dr. Andreas Pinkwart im Namen aller Beteiligten eine Karte, die den Ausbaustand in Sachen Breitbandanschluss im Bereich der Gemeinde und ihres Umfeldes dokumentiert.
Gruppenbild mit Damen: Bürgermeister Udo Decker-König (Mitte) überreichte Professor Dr. Andreas Pinkwart im Namen aller Beteiligten eine Karte, die den Ausbaustand in Sachen Breitbandanschluss im Bereich der Gemeinde und ihres Umfeldes dokumentiert. Foto: Sigmar Teuber

Der Besuch im Heidedorf war kein Zufall. Nachdem Pinkwart laut eines Presseberichtes im März verkündet hatte, Ladbergen sei „ein Sorgenkind“ in Sachen schnelles Internet, hatte Udo Decker-König ihm geschrieben und ihn eingeladen ( WN berichteten).

Der Bürgermeister hatte sich vorgenommen, Pinkwarts Bild von Ladbergen zu korrigieren und dem Minister „einige Punkte mit auf den Weg“ zu geben – und er hielt sich an dieses selbst gesetzte Ziel. Nach seinem Verständnis, so der Verwaltungschef, seien Übertragungsraten von 50 Mbit/Sekunde „kein Zielwert, mit dem sich die Zukunft gestalten lässt“. Diese Zukunft gehöre der Glasfaser, die bis in die Häuser und Wohnungen der Nutzer gelegt werden müsse.

Gemeinsam mit seinen Bürgermeister-Kollegen Wilhelm Möhrke (Lengerich), Stefan Streit (Tecklenburg) und Arne Strietelmeier (Lienen) habe er früh die Bedeutung von hohen Übertragungsraten erkannt. 2015 sei man deshalb mit den Stadtwerken Lengerich (SWL) als kommunalem Infrastruktur-Dienstleister in den Glasfaserausbau eingestiegen. „Unter dem Dach der eigens gegründeten Teutoburger Planungs- und Dienstleistungsgesellschaft (TPDG) haben wir uns um von Bund und Land bereitgestellte Fördermittel beworben. Nach Erhalt des vorläufigen Zuwendungsbescheides und einer europaweiten Ausschreibung, die die Teutel als Tochterunternehmen der SWL gewonnen hat, erfolgte am 1. März dieses Jahres der erste Spatenstich“, so Decker-König weiter.

„Wir freuen uns über die Förderung durch Bund und Land. In der Gemeinde Ladbergen und der Stadt Lengerich zusammen sprechen wir hier über eine Summe von mehr als zwei Millionen Euro“, erklärte der Bürgermeister. „Geld, das für andere wichtige Aufgaben fehlt.“

Seine Botschaft an Andreas Pinkwart: „Überdenken Sie die Strategie der Eigenbeteiligung der Kommunen.“ Bis Ende Mai seien erst knapp 27 Millionen Euro von insgesamt knapp 3,5 Milliarden Euro Fördergeldern an die Antragsteller geflossen. „Wir haben nach Übermittlung des vorläufigen Förderbescheides mit dem Ausbau begonnen. Seit September liegt uns auch der finale Förderbescheid vor. Sorgen Sie dafür, dass die zugesagten Gelder zügig und unbürokratisch zu uns fließen“, bat der Verwaltungschef

In Ladbergen werde der Breitbandausbau im Kern Ende 2018 und im Fördergebiet Ende 2019 abgeschlossen sein. Alle Haushalte, die einen Breitbandanschluss haben wollten, bekämen einen, machte Udo Decker-König deutlich. „Ladbergen ist kein Sorgenkind, Ladbergen ist ein Vorbild!“

Martin Schnitzler, Geschäftsführer der SWL, machte deutlich, dass kleine Städte und Gemeinden mit den Anträgen und Ausschreibungen zum Glasfaserausbau oft überfordert seien. Der Ausbau von Glasfaser „in der Fläche“ stelle kleine bis mittlere Stadtwerke „vor enorme organisatorische Herausforderungen“. Der Breitbandausbau gelänge nur „durch interkommunale Zusammenarbeit und die Bündelung von Kräften“. Er appellierte an Minister Pinkwart: „Fördern Sie keine alten Technologien wie Vectoring. Diese gehen am Bedarf der Bevölkerung und der Unternehmen vorbei. Glasfaser ist die Technologie der Zukunft.“

Jürgen Decker, Geschäftsführer von „Max & Moritz“ und der Unternehmergemeinschaft Ladbergen, stellte die Frage: „Internet, Breitband, Glasfaser, Milliarden im Sand vergraben – was soll das?“ Nur, um die Antwort gleich zu liefern: Breitband-Übertragungsraten von mehr als 100 Mb seien schon im privaten Bereich wichtig für Kommunikation (E-Mail), die Nutzung von Multimedia-Angeboten, die Steuerung von Haustechnik und mehr. In Unternehmen erleichterten sie die Kommunikation mit Kunden, Lieferanten, Behörden und Dienstleistern. Sie seien wichtig für die Verbindung von Unternehmens-Standorten, die adäquate Nutzung von Software-Services und Server-Diensten, die Vernetzung von Maschinen und Geräten. Dies alles, so Decker, sei auch für mittlere Unternehmen wie Max & Moritz von zunehmender Relevanz.

Professor Andreas Pinkwart gab zu, dass Ladbergen „viel weiter“ sei, als er geglaubt habe. Dies zeige, dass die Gemeinde das „zentrale Zukunftsthema“ Glasfaser anpacke und es ihr wichtig sei, die Infrastruktur vorzuhalten, die die Menschen künftig benötigten. Er lobte die Vorträge von Udo Decker-König, Martin Schnitzler und Jürgen Decker, die deutlich gemacht hätten, welchen Veränderungen Handel und Dienstleistung unterworfen seien und wie wichtig der Breitbandausbau sei.

Die angesprochenen Punkte nehme er gern auf, so Pinkwart, „vor allem, was den Mittelabruf betrifft“. Der Eigenanteil der Gemeinden entspreche den Förderbedingungen nach dem Motto „Jeder leistet seinen Beitrag“. Die zwei Millionen Euro, die Ladbergen und Lengerich zahlen müssten, seien viel Geld, aber auch „ein erheblicher Beitrag in die Zukunft des Landes“. Ladbergen habe die Ziele für Nordrhein-Westfalen, die sich der Bund bis 2025 gesetzt habe, „unglaublich früh erfüllt“.

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