Flüchtlinge in Ladbergen: Schultenhof wird zur Begegnungsstätte
Zusammenkommen und verstehen

Ladbergen -

Wenn Politiker zusammenkommen, um über lokale Belange zu reden, tun sie das in der Regel in einer ziemlich nüchternen Atmosphäre. Kaum jemand käme wohl auf die Idee, den kleinen Sitzungssaal im Keller des Rathauses oder das Foyer als gemütlich zu bezeichnen. Am Donnerstagabend allerdings sitzen die Fraktionen in fast kuscheliger Runde in einem kleinen Zimmer zusammen. Sogar fünf Bürger passen noch rein: der Gesellschafts-, Kultur- und Sportausschuss tagt im Schultenhof.

Freitag, 23.11.2018, 23:00 Uhr aktualisiert: 23.11.2018, 23:10 Uhr
Der Schultenhof an der Telgter Straße 1 ist eine Begegnungsstätte für alle ausländischen und deutschen Mitbürger. Jochen Frigge und Sigrid Bücker-Dowidat von der Gemeinde Ladbergen hoffen, dass sich weitere ehrenamtliche Helfer melden.
Der Schultenhof an der Telgter Straße 1 ist eine Begegnungsstätte für alle ausländischen und deutschen Mitbürger. Jochen Frigge und Sigrid Bücker-Dowidat von der Gemeinde Ladbergen hoffen, dass sich weitere ehrenamtliche Helfer melden. Foto: Birga Jelinek

Dass er das tut, hat einen guten Grund: Zum einen stellt sich Jochen Frigge , seit dem 22. Juni Flüchtlingsbetreuer der Gemeinde Ladbergen, vor. Zum anderen will die Gemeinde Werbung für die Einrichtung machen und deren Nutzungsmöglichkeiten vorstellen. Last but not least berichten Frigge und Sigrid Bücker-Dowidat vom Amt für soziale Angelegenheiten über den aktuellen Stand der Flüchtlingssituation im Heidedorf.

Jochen Frigge ist 29 Jahre alt. Er stammt aus Ladbergen und hat ab 2015 eine Ausbildung in der Verwaltung absolviert. Nach seinen Worten ist die Flüchtlings- und Integrationshilfe Ladbergen ein Netzwerk von ehren- und hauptamtlich tätigen Personen und Einrichtungen. Zurzeit seien „20 bis 30“ Personen ehrenamtlich im Einsatz, die behilflich seien bei der Integration, und der Arbeitsbeschaffung, bei Deutschkursen, Nachhilfe, im Begegnungscafé Schultenhof und mehr.

Wie Frigge weiter berichtete, ist er unter anderem Ansprechpartner bei Alltagsproblemen, Anträgen und in Sachen Krankenversicherung. Außerdem ist er als „Flüchtlingslotse Kita“ für die Betreuung von Kindern in den Kindergärten zuständig.

Bei der Aufnahme von Flüchtlingen habe Ladbergen die Zuweisungsquote derzeit fast erfüllt, so Jochen Frigge. „Mit 93.66 Prozent sind wir relativ weit oben.“ Dennoch müsse damit gerechnet werden, dass das Heidedorf künftig weitere Personen aufnehmen müsse. Dann könne der Wohnraum knapp werden, zumal bald weniger Häuser zur Verfügung stünden. Sigrig Bücker-Dowidat: „Vier Häuser sind oder werden wegfallen, weil die Eigentümer andere Pläne verfolgen. Ein Besitzer möchte sein Gebäude abreißen und ein neues Haus bauen“. Das könnte zu Problemen bei der Unterbringung von Asylbewerbern führen, so die Fachfrau.

Bürgermeister Udo Decker-König brachte ein wenig Hoffnung ins Spiel: „Wenn die Kita am Telgter Damm aufgegeben wird (WN berichteten), die im Besitz der Gemeinde ist, dann stehen dort Räume zur Verfügung.“

Bücker-Dowidat appelliert an Hausbesitzer und Wohnungseigentümer, Personen, die anerkannt sind, Wohnraum zu vermieten. „Es handelt sich um fünf Familien und sieben Einzelpersonen, die dringend Unterkünfte suchen“, präzisierte sie.

Die Ideen, im Schultenhof an der Telgter Straße 1 viele Integrations-Angebote in einem Haus unterzubringen, sei Ende 2016 entstanden, so Bücker-Dowidat weiter. Nach der Innenraum-Gestaltung sei in den vergangenen Wochen auch das äußere Erscheinungsbild des Hauses verändert worden. Unter anderem wurden Folien mit Willkommensgrüßen aus vielen Ländern angebracht. Den Namen des Hauses – Schultenhof – habe man der Einfachheit halber beibehalten.

Zurzeit, so Sigrid Bücker-Dowidat weiter, werde an jedem Mittwoch das Begegnungscafé angeboten. Auch die Fahrradwerkstatt, die zunächst im Jugendzentrum beheimatet war, sei jetzt dort zu finden. „Hier suchen wir dringend ehrenamtliche Helfer, die schrauben können und Lust haben, mit Menschen verschiedener Nationalitäten zu arbeiten“, sagt sie.

Wie Jochen Frigge ergänzt, kommen Mitarbeiter der Flüchtlingsberatung 14-tägig in den Schultenhof. Darüber hinaus werden weitere Hilfen angeboten. Geplant sind künftig eine Kooperation mit der Volkshochschule Lengerich und verschiedene Workshops. Bücker-Dowidat: „Dabei sind wir offen für Anregungen aus der Bevölkerung. Unser großes Ziel ist es, eine Einrichtung zu schaffen, in der die Menschen zusammenkommen und sich verstehen.“

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