Interview zur Weihnachtszeit mit Pfarrer Ingo Göldner und Pater Hans-Michael Hürter
Als Seelsorger jederzeit ansprechbar

Ladbergen -

Weihnachtszeit. Was bedeutet das eigentlich? Für viele Menschen ist dieses Fest wohl in erster Linie eine Zeit der Geschenke und Genüsse. Dabei hat Weihnachten doch seine Wurzeln im christlichen Glauben. Gefeiert wird die Geburt Jesu. Die WN-Redaktion hat Pater Hans-Michael Hürter von der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen und Pfarrer Ingo Göldner von der evangelischen Gemeine nach ihren Meinungen zum Fest gefragt.

Sonntag, 23.12.2018, 22:00 Uhr aktualisiert: 26.12.2018, 13:24 Uhr
Wie voll ist der Terminkalender eines Geistlichen zur Weihnachtszeit? Ist die Weihnachtsgeschichte noch zeitgemäß? Pfarrer Ingo Göldner (links) gibt im Interview Antworten auf diese und weitere Fragen.
Wie voll ist der Terminkalender eines Geistlichen zur Weihnachtszeit? Ist die Weihnachtsgeschichte noch zeitgemäß? Pfarrer Ingo Göldner (links) und Pater Hans-Michael Hürter geben im Interview Antworten auf diese und weitere Fragen. Foto: Sigmar Teuber

Ihr Terminkalender dürfte voll sein. Was steht derzeit an?

Hans-Michael Hürter : Proben für das Krippenspiel, die Adventsfeier der Senioren und des Singkreises, verschiedene Gottesdienste, darunter auch der Gottesdienst mit den Pfadfinder im Seniorenheim Ladbergen, wo wir das Friedenslicht aus Bethlehem den Bewohnern überreichen, sowie Hausbesuche.

Ingo Göldner : Gottesdienste, Gottesdienste, Gottesdienste.

Ist Weihnachten Ihr Lieblingsfest?

Hans-Michael Hürter: Weihnachten ist mein Lieblings-Familienfest. Als Theologe ist für mich das Fest des Auferstandenen eher im Fokus, da nur vom Auferstandenen Christus unser Leben wirklich ganz durchdrungen wird. Und wir das „wahre Licht“ erkennen.

Ingo Göldner: Ich habe kein Lieblingsfest. Jedes hat seinen Charme im Jahreskreis von Weihnachten über Ostern bis Pfingsten .

Was/welcher Brauch darf aus Ihrer Sicht nicht fehlen an Weihnachten?

Hans-Michael Hürter: Ich baue in jedem Jahr in Ruhe meine Krippe mit Krippenfiguren „Santons“ aus der Provence auf. Santon ist provenzalisch und meint „kleiner Heiliger“. Somit wird deutlich, dass jeder an der Krippe seinen Platz hat. Auch die Menschen am Rande, auch die manchmal gering Geschätzten.

Ingo Göldner: Das gemeinsame Singen ist leider etwas aus der Mode gekommen. Vielleicht gibt es ja noch hie und da eine Performance von jungen Solisten, die ihr Talent auf der Blockflöte zeigen.

Welches Weihnachtslied ist Ihr Favorit?

Hans-Michael Hürter: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und „Es ist ein Ros entsprungen“.

Ingo Göldner: Wieder kein Favorit. Alle sind auf ihre Weise schön, weil sie die Stimmung von Weihnachten einfangen. Vielleicht doch: Tochter Zion.

Für viele ist Weihnachten der Höhepunkt des Jahres. Auch für Sie?

Hans-Michael Hürter: Weihnachten ist ein wichtiges Fest für mich, sicher auch ein Höhepunkt, aber das Osterfest ist für mich auch ein Hohes Fest, sowie Pfingsten, wo wir quasi ja die Geburt der Kirche feiern und als Geistbeseelte Menschen in die Welt gesandt werden.

Ingo Göldner: Nicht unbedingt. Für Christen ist eigentlich das Osterfest als Fest der Auferstehung Jesu Christi der Höhepunkt des Jahres.

Die Kirchen sind jetzt zumindest voll. Finden Sie es schlimm, wenn Menschen nur zu Weihnachten die Kirche besuchen?

Hans-Michael Hürter: Jeder ist zu jeder Zeit willkommen. Gerade Menschen, die nur selten in die Kirche kommen, sind besonders aufmerksam und brauchen eine gute Aktualisierung der Weihnachtsbotschaft. Das ist sicher eine Herausforderung, aber auch ein guter Ansporn, diesen Menschen besonders zu begegnen.

Ingo Göldner: Nein, das Gerede von U-Boot-Christen muss endlich aufhören! Ich bin jedes Jahr froh und dankbar, dass sich in diesen Tagen so viele Menschen auf den Weg zur Kirche machen und die Botschaft von Weihnachten hören.

Die Vorweihnachtszeit scheint immer früher zu beginnen – und mit ihr der Kommerz. Verkommt Weihnachten nicht mehr und mehr zu einer gigantischen Konsumveranstaltung?

Hans-Michael Hürter: Ich kann ganz bewusst den Konsum ausblenden. Ich nehme das natürlich wahr. Ich gehe auch gerne mal mit Freunden und guten Bekannten über einen Weihnachtsmarkt. Aber ich muss nicht schon im Spätsommer Weihnachtssachen beim Discounter kaufen. Gott wird immer wieder neu Mensch. Es liegt an meiner Haltung und an meinem Verhalten, wie ich das in persönlichen Begegnungen lebe. Wirkliche Menschwerdung kann immer geschehen. Weihnachten ist das Fest, an dem wir uns der Menschwerdung Gottes in Jesus in einer besonderen Weise erinnern.

Ingo Göldner: Man könnte darüber klagen, dass das Wesentliche verloren geht. Man kann aber auch darüber froh sein, dass wir in einem Land leben, wo so viele sich so viel leisten können. Nur sollten wir die nicht aus den Augen verlieren, die sich den ganzen Konsum nicht leisten können.

Ist die Weihnachtsgeschichte noch zeitgemäß? Worum wird es in Ihrer Predigt in diesem Jahr gehen?

Hans-Michael Hürter: Gott macht sich klein, um uns groß zu machen. Er wird Mensch, bei Menschen am Rande einer Gesellschaft. Und er bringt eine Friedensbotschaft. Wenn ich mir unsere Gesellschaft und unsere Welt anschaue, dann ist diese Botschaft immer neu aktuell. Es geht auch darum zu schauen, wo wir denn diese Menschen am Rande aufsuchen können. Das können Menschen in den verschiedenen Formen von Einsamkeit, Isolation oder auch Ausgrenzung sein.

Ingo Göldner: Sie ist zeitgemäßer denn je. Und die Botschaft lautet: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Gott wird Mensch, damit wir Menschen menschlicher werden. Gerade in einen Welt, die immer schnelllebiger und unübersichtlicher wird, können wir vertrauen, dass einer da ist, der unsere Nöte und Freuden kennt, der uns auffängt und tröstet und in seiner gnädigen Hand bewahrt.

Sind Sie eigentlich ansprechbar, wenn es einmal Krach unterm Tannenbaum gibt? Haben Sie Tipps, wie das Fest harmonisch verlaufen kann?

Hans-Michael Hürter: Als Seelsorger bin ich grundsätzlich in fast allen Situationen ansprechbar. Mein Tipp: Hocken sie nicht nur aufeinander. Gehen Sie spazieren. Spielen sie Gesellschaftsspiele. Bewegen Sie sich und strukturieren sie das auch. Regeln Sie keine „unerledigten Geschäfte“ an Weihnachten. „Das was ich immer schon mal sagen wollte“, passt vielleicht nicht so gut an Weihnachten, es sei denn, es sind Komplimente.

Ingo Göldner: Als Pfarrer jederzeit. Sich bei den Vorbereitungen nicht unter Druck setzen. Wenn nicht alles klappt wie geplant, es nicht auf die Goldwaage legen. Denen Danke sagen, die alles vorbereitet haben. Einfach die Zeit miteinander genießen.

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