Besuch auf dem Wochenmarkt
Kampf gegen den Müll

LAdbergen -

„Das geht so mit.“ Diesen Satz hören die Marktbeschicker, die jeden Freitag ihren Stand auf dem Kirchplatz aufbauen, gerne. Denn das heißt: Der Kunde verzichtet bewusst auf eine Verpackung oder Plastiktüten. Es sind aber weniger die dadurch sinkenden Kosten, die Beschicker freuen, sondern vielmehr das steigende ökologische Bewusstsein der Kundschaft.

Sonntag, 13.01.2019, 15:10 Uhr aktualisiert: 16.01.2019, 09:30 Uhr
Sein Gemüse verkauft Hendrik Ebbigmann nur in Papiertüten. Immer mehr Wochenmarkt-Kunden bringen Taschen mit, um unnötigen Plastik- oder Verpackungsmüll zu vermeiden.
Sein Gemüse verkauft Hendrik Ebbigmann nur in Papiertüten. Immer mehr Wochenmarkt-Kunden bringen Taschen mit, um unnötigen Plastik- oder Verpackungsmüll zu vermeiden. Foto: Anne Reinker

Die gelben Säcke stapeln sich, die Restmülltonne quillt über: In den Straßen ein häufig anzutreffendes Bild am Tag der Abholung durch die Entsorgungsbetriebe. Auch wenn Mülltrennung in Deutschland für viele Bürger selbstverständlich ist: Die Müllberge wachsen und wachsen. In den Supermärkten und Discountern sind die Möglichkeiten, als Kunde auf Umverpackungen zu verzichten, begrenzt. Auf dem örtlichen Wochenmarkt gibt es Potenzial.

Bereits in der fünften Generation verkauft der Hof Ebbigmann Gemüse, seit einigen Wochen auch in Ladbergen. Nahezu das Einzige, was hier aus Plastik ist, sind ein Teil der Transportkisten. „Viele Kunden bringen ihre Taschen mit“, berichtet Hendrik Ebbigmann. Ihr Gemüse geben die Ebbigmanns bereits seit etwa 20 Jahren nur noch in Papiertüten mit. „Am liebsten ist es uns natürlich, die Kunden bringen die Tüten beim nächsten Mal wieder mit“, sagt Ebbigmann. Denn das komme der Umwelt am meisten zu Gute.

Seit über zwei Jahrzehnten ist Herman Kempers mit Käse und Laktritz in Ladbergen vertreten. „Das Marktpublikum kauft insgesamt bewusster als früher ein“, hat er beobachtet. „98 Prozent der Kunden muss ich keine Tüte mitgeben“, freute sich der Verkäufer. Vor etwa zehn Jahren habe er etwa 10 000 Tüten pro Jahr bestellen müssen. Heute sei es nur noch ein Bruchteil davon. Und der Trend setze sich fort, ist der Niederländer überzeugt. Manche seiner Kunden bringen demnach nicht nur ihre eigenen Taschen mit, sondern auch Plastikdosen, um den Käse sofort fachgerecht deponieren zu lassen. Eine Methode des Verkaufs, die in den Supermärkten noch nicht erlaubt ist.

Das bedauert Jörg Berlemann, einer der regelmäßigen Kunden auf dem hiesigen Wochenmarkt. Sowieso sei es in den Läden paradox, dass sogar ein Teil der biologisch angebauten Lebensmittel in Plastikfolien verpackt sei. „Da müsste man in meinen Augen etwas ändern“, so der Fraktionsvorsitzende des Ortsverbands der Grünen. Am Stand von Herman Kempers kaufe er gerne ein. Der Käse wird, damit er frisch bleibt, in beschichtetes Papier eingewickelt und das darf, so sagt es das Abfall-ABC, anschließend in den Gelben Sack. Und die Papiertüten, die Herman Kempers ebenfalls mitgibt, dürfen in die Biotonne.

Eine bewusst kaufende Kundschaft findet sich ebenfalls am Wagen der Metzgerei Reckermann ein. Auch dort kommt die Frischware in das beschichtete Papier. Hinter dem mobilen Verkaufstresen bietet Bernhard Welp auch Suppen im Glas sowie Fertiggerichte an, die allerdings eingeschweißt sind. „Das geht nicht anders“, betont Welp. Doch auch die dürfen, da Verpackungsmaterial, in den Gelben Sack. Dass die Kunden auf dem Markt ganz bewusst einkaufen und im Sinn der Umwelt auf Tüten verzichten, fällt auf. „Und es werden wird immer mehr“, freute sich der Verkäufer.

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