30. Ladberger Jahresfilm
Der Chronist sagt „Tschüss“

Ladbergen -

Er möchte was anderes machen und – nach 25 Jahren – nicht mehr nach dem Veranstaltungskalender der Gemeinde leben. Günter Schröer hat seine letzte Ladberger Jahreschronik vorgestellt. Es ist die 30. Zusammenfassung des Dorflebens.

Samstag, 19.01.2019, 06:34 Uhr aktualisiert: 19.01.2019, 06:50 Uhr
Günter Schröer an seinem Arbeitstisch. Vor ihm drei Generationen Video-Kameras, an denen der Fortschritt der Technik durch die Minimierung der Gehäuse deutlich wird.
Günter Schröer an seinem Arbeitstisch. Vor ihm drei Generationen Video-Kameras, an denen der Fortschritt der Technik durch die Minimierung der Gehäuse deutlich wird. Foto: mba

Der Abspann der Ladberger Jahreschronik 2018 zeigt beeindruckende, mit Musik unterlegte Bilder. Und dann dieser Satz: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Günter Schröer ist es ernst damit. Die 30. Chronik wird die letzte sein, die er gefilmt, geschnitten und zusammengefügt hat. Darauf legt er sich fest. Grund genug, mit dem 70-Jährigen ein Gespräch zu führen. Über seine Beweggründe für diesen Schritt und viele andere Themen.

Angefangen hat alles 1988. Die Gemeinde Ladbergen organisiert eine USA-Reise, unter anderem nach New Knoxville, dem Ort im US-Bundesstaat Ohio, der Ziel vieler Auswanderer aus dem Heidedorf gewesen ist. „Wenn ich da hinfliege, brauche ich einen guten Fotoapparat“, erinnert sich der gebürtige Ladberger. Er geht los – und kommt mit einer Videokamera zurück. „ Horst Rehder hat mir die Kamera sogar leihweise für die Reise zur Verfügung gestellt“, freut er sich heute noch über diesen Freundschaftsdienst. Später erhält er immer wieder Tipps vom Experten.

„Hast Du überhaupt etwas gesehen, Du hast ja immer das Ding vor dem Auge gehabt“, muss er sich nach der Rückkehr aus den USA von den Mitgliedern der Reisegruppe frotzeln lassen. Doch Günter Schröer steckt das locker weg, er hat Feuer gefangen für die bewegten Bilder. In jenem Jahr wird Willi Untiet zum Bürgermeister in Ladbergen gewählt. Elf Jahre sind es noch bis zum Ortsjubiläum 1000 Jahre Ladbergen. „Da bin ich dann angefangen mit dem Filmen“, erzählt der Rentner.

Was sicherlich eine wichtige Rolle gespielt hat war die Einladung, nach der letzten Ratssitzung 1988 seinen Film von der Amerika-Reise zu zeigen. Der damals noch als Dreher bei Windmöller & Hölscher in Lengerich Tätige packt sich Videorekorder und Fernseher, saust damit zum Rathaus, zeigt seinen Film. Seit 1989 gibt es eine Jahreschronik Ladbergen in bewegten Bildern. Verfasser: Günter Schröer.

Die Idee findet er gut, auch heute noch. Dass die Umsetzung mit vielen Einschränkungen verbunden ist, muss er im Lauf der Zeit feststellen. „Ich habe mir einen Veranstaltungskalender der Gemeinde besorgt und geschaut, was an interessanten Sachen ansteht“, erzählt er. Dort ist er dann präsent mit seiner Videokamera. Zunächst Video 8, dann High 8, heute digital. „Horst Rehder hat immer gesagt, nimm nichts Billiges, spare nicht beim Material.“ Das ist dem 70-Jährigen in Fleisch und Blut übergegangen.

„Ich habe 25 Jahre nach dem Veranstaltungskalender der Gemeinde gelebt.“ So, wie der Rentner das heute sagt, scheint er sich über sich selbst zu wundern. Doch es bleibt nicht bei der Chronik. Sein feines Händchen im Umgang mit der Kamera und am Schneidetisch spricht sich herum. 1993 erhält er seinen „ersten großen Auftrag“ zum 150-jährigen Bestehen der Stadtsparkasse Lengerich. Dorfjubiläen in Leeden und Kattenvenne, zahlreiche 100-Jahr-Feiern von Schützenvereinen und viele private Verpflichtungen folgen.

Allein für die Ladbergen-Chronik gehen 300 bis 500 Stunden drauf – „je nachdem, was los war“. In der Nach-VHS-Zeit war es noch mehr Aufwand. „Ich habe teilweise nachts drangesessen und bin dann direkt los, damit ich um 6 Uhr pünktlich bei W & H war.“ Seine Hoffnung, mit dem Verkauf des Films die eine oder andere Mark (später Euro) zu verdienen, erfüllt sich nicht. „Das lief nie gut. Zwei oder drei haben sich den Film gekauft und dann wurde fleißig kopiert.“ Bei dieser Äußerung schimmert bei ihm ein gewisses Verständnis für dieses Verhalten durch.

In seinem Arbeitszimmer oder besser Filmstudio zieht er eine Schublade auf. Inhalt: dutzende Kassetten. „Ich habe alles archiviert, nichts doppelt und nichts weggeschmissen.“ Darauf ist er hörbar stolz. Im vergangenen Jahr hat er sich nur noch mit der Gemeinde-Chronik beschäftigt. „Die Letzte, dann ist Schluss.“

Er hat sich bemüht, einen Nachfolger zu finden, jemanden für die Filmerei zu begeistern. Vergeblich. Sowohl im Jugendzentrum Ladbergen wie auch in Lengerich ebbt die Anfangseuphorie bei Jugendlichen schnell ab. So läuft´s auch in der Video-Arbeitsgemeinschaft einer Lengericher Realschule.

Aus der Hand legen wird Günter Schröer die Kamera nicht. „Ich möchte was anderes machen und auch kürzer treten“, sagt er. Immerhin, einen Kindheitstraum hat er sich schon erfüllt. Als kleiner Junge hat er in einer Illustrierten Bilder vom Blumenfest auf der portugiesischen Atlantik-Insel Madeira gesehen. „Da wollte ich einmal hin.“ 2016 ist es soweit. „Bombastisch“, fasst er seine Eindrücke in einem Wort zusammen.

Bleibt noch eines zu klären: Woher kommt sein Spitzname „Teddy“? „Das kommt aus der Schulzeit, warum, weiß ich nicht mehr. Aber das war Kinderkram, ich heiße Günter.“ Klare Worte des Chronisten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6330307?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F173%2F
Zwei Verletzte bei Auffahrunfall
Mit voller Wucht war der Kleintransporter eines Paketdienstes auf den stehenden Mercedes aufgefahren.
Nachrichten-Ticker