Europäische Union zahlt 64,5 Millionen Euro Fördermittel fürs Tecklenburger Land
Landwirtschaft profitiert am meisten

Ladbergen/Tecklenburger Land -

EFRE, ESF, ELER, EGFL – das sind Abkürzungen, die kaum ein Mensch kennt. Das „E“ am Anfang steht immer für Europa. Hinter den restlichen Lettern verbergen sich milliardenschwere Förderprogramme, von denen auch Ladbergen und die anderen Städte und Gemeinden im Tecklenburger Land massiv profitieren – vor allem die hiesigen Landwirte.

Mittwoch, 23.01.2019, 20:00 Uhr
Unter anderem werden Fördermittel als Milchsonderbeihilfe bewilligt – auch für Ladberger Landwirte.
Unter anderem werden Fördermittel als Milchsonderbeihilfe bewilligt – auch für Ladberger Landwirte. Foto: dpa

Frank Sundermann (SPD), Landtagsabgeordneter für das Tecklenburger Land, hat das zum Anlass genommen, mal bei der NRW-Landesregierung nachzuhaken, wie viel Geld aus welchen Töpfen und wofür im Kreis Steinfurt und den zugehörigen 24 Kommunen landet. Die Antwort auf seine Kleine Anfrage: Für die Förderperiode 2014 bis 2020 sind es insgesamt 153,6 Millionen Euro.

Ende Mai sind Europawahlen. „Brüssel ist für viele Menschen leider immer noch weit weg“, sagt Sundermann. Dabei ist Europa für jeden Bürger in Deutschland allgegenwärtig, sei es beim Verbraucherschutz, Richtlinien und Normen für die Wirtschaft sowie vielen andere Lebensbereichen, bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit und natürlich an den offenen Grenzen innerhalb der Europäischen Union (EU).

„Die EU ist aber auch finanziell eine große Unterstützung für unsere Region“, stellt der Landtagsabgeordnete fest. Nach einer von Sundermann zur Verfügung gestellten Übersicht erhält das Tecklenburger Land insgesamt 64,5 Millionen Euro aus vier Fördertöpfen.

Der mit Abstand größte ist der Europäische Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL), aus dem von 2014 bis 2020 rund 56,1 Millionen Euro überwiesen werden. Überwiegend handelt es sich um Direktzahlungen an die Bauern. In Lengerich sind das rund 5,8 Millionen Euro, die – auf Antrag – als Basis-, Junglandwirte- und sogenannte Greening-Prämien oder als Milchsonderbeihilfe bewilligt werden und in der Summe eine wesentliche Einnahmequelle für die landwirtschaftlichen Betriebe darstellen. Nach Ladbergen fließen mit diesen Bestimmungen rund 3,9, nach Lienen 3,5 und nach Tecklenburg 4,6 Millionen Euro.

In drei Kommunen des Altkreises gibt es dabei eine Besonderheit: Um den Absatz von Milch und Milcherzeugnissen sowie Obst in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen zu fördern, werden aus Mitteln des EGFL bis zu sechsstellige Summen gezahlt: Ladbergen erhält danach über 27 000 Euro, Ibbenbüren 105 000 Euro und für die Stadt Tecklenburg sind es sogar knapp 145 000 Euro.

Diese ganzen Subventionen sind auf jeden Fall mit viel Bürokratie und Papierkram verbunden. In der Übersicht sind nur fürs Tecklenburger Land 25 656 Anträge aufgelistet.

Für die Landwirtschaft lässt die Europäische Union aber noch mehr Geld springen. Denn es gibt ja noch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Für das Tecklenburger Land wurden im Förderzeitraum daraus gut sechs Millionen Euro bewilligt. In Lengerich sind es 678 000, in Ladbergen rund 590 000 und in Tecklenburg sogar 845 000 Euro.

Mit dem ELER werden unter anderem Investitionen der Agrarbetriebe, ökologischer Landbau, Tierschutz - und Klimaschutzmaßnahmen bezuschusst. Auch Leader-Projekte werden über ELER finanziert. Etwa 520 000 Euro bekommt der Kreis Steinfurt.

Vergleichsweise schmal bestückt sind zwei andere Fördertöpfe, von denen die Region profitiert: Das gilt zum einen für den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Daraus fließen rund 188 000 Euro ins Tecklenburger Land. „Lengerich erhält knapp 29 000 Euro“, berichtet Sundermann. Beispielsweise würden mit dem Geld Projekte zur Unterstützung umweltfreundlicher Produktionsverfahren und der Ressourceneffizienz in kleinen und mittelständischen Unternehmen finanziert sowie Prozesse zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes und zur Anpassung an den Klimawandel, erläutert der SPD-Politiker. Lienen bekommt aus diesem Programm 1600, Tecklenburg dafür gut 15 000 Euro. Ladbergen geht leer aus.

Bleibt noch der Europäische Sozialfonds (ESF). Damit würden beschäftigungswirksame Projekte unterstützt, erläutert Sundermann: „Das heißt, er fördert in erster Linie Arbeitnehmer, junge Menschen und Arbeitsuchende, etwa durch die Finanzierung sogenannter Bildungsschecks oder durch die Beratung von Unternehmen, wie sie Fachkräfte finden und langfristig behalten.“ Immerhin 2,4 Millionen Euro sind fürs Tecklenburger Land bewilligt worden; mit knapp 2,1 Millionen Euro geht der Löwenanteil nach Ibbenbüren. Lengericher Projekte erhalten zusammen 146 000 Euro, nach Ladbergen fließen 24 250, nach Lienen 14 500 und nach Tecklenburg 72 000 Euro.

Aus Brüssel gibt`s noch mehr Geld für die Regionen, beispielsweise einen Hilfsfonds zur Integration und Unterstützung benachteiligter Personen. „Zu denen hat die Landesregierung jedoch keine kommunalscharfen Daten vorliegen“, sagt Sundermann. Und rer betont: „Hier auf kommunaler Ebene werden häufig auch die politischen Entscheidungen der Europäischen Union zuerst umgesetzt. Deshalb ist es wichtig, durch die Teilnahme an der Europawahl Einfluss zu nehmen.“

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