Bildungsministerin Anja Karliczek besucht Zentrum der Ledder Werkstätten
Verlässliche Standards sind nötig

Ladbergen -

2019 möchte sie zum „Jahr der Berufsbildung“ machen. Am Herzen liegt Anja Karliczek ganz besonders, dass eine handwerkliche Ausbildung gleichberechtigt neben der universitären steht. „Alle werden gebraucht, sonst funktioniert es nicht“, formuliert sie plakativ. Und dass es verlässliche Wege und Standards geben müsse, die Menschen mit Behinderung Bildung ermöglichen. Jetzt hat die Bundesbildungsministerin das Bildungszentrum „QuBuS“ der Ledder Werkstätten (LeWe) besucht und sich das Angebot der diakonischen Einrichtung angesehen.

Sonntag, 27.01.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 28.01.2019, 17:22 Uhr
Marianne Büscher (2. von links, Geschäftsleitung) und ihre Mitarbeiter Andreas Laumann-Rojer (Werkstattleitung), Melanie Niewand und Ann-Kathrin Fischer (von links) erklären der Bundesministerin Abläufe der Beruflichen Bildung.
Marianne Büscher (2. von links, Geschäftsleitung) und ihre Mitarbeiter Andreas Laumann-Rojer (Werkstattleitung), Melanie Niewand und Ann-Kathrin Fischer (von links) erklären der Bundesministerin Abläufe der Beruflichen Bildung. Foto: Jörg Birgoleit

2019 möchte sie zum „Jahr der Berufsbildung“ machen. Am Herzen liegt Anja Karliczek besonders, dass eine handwerkliche Ausbildung gleichberechtigt neben der universitären steht. „Alle werden gebraucht, sonst funktioniert es nicht“, formuliert sie plakativ. Und dass es verlässliche Wege und Standards geben müsse, die Menschen mit Behinderung Bildung ermöglichen. Jetzt hat die Bundesbildungsministerin das Bildungszentrum „QuBuS“ der Ledder Werkstätten (LeWe) besucht und sich das Angebot der diakonischen Einrichtung angesehen. Dafür nahm sie sich fast anderthalb Stunden Zeit.

Etwa 50 überwiegend junge Menschen, sogenannte Maßnahmeteilnehmer der finanzierenden Agentur für Arbeit und der Rentenversicherung, durchlaufen am Ruthemeiers Esch den Berufsbildungsbereich. Sie entdecken über insgesamt 27 Monate eigene Fähigkeiten, entwickeln sie in Praktika weiter und wechseln danach in den Arbeitsbereich ihrer Wahl. Anja Karliczek ließ sich diesen facettenreichen, immer individuellen Prozess von Marianne Büscher (Geschäftsleitung), Andreas Laumann-Rojer (Werkstattleitung) sowie den Mitarbeiterinnen Melanie Niewand und Ann-Kathrin Fischer anschaulich erklären.

Wie kommen die jungen Leute zur Werkstatt? Was für Praxisanteile gibt es hier? Welche Bildungsinhalte gehen über die Arbeit hinaus? Wie viele Personen können dauerhaft außerhalb der Einrichtung arbeiten? Die 47-jährige Brochterbecker Christdemokratin fragte gezielt nach und nutzte die Gelegenheit zum direkten Gespräch mit Beschäftigten, indem sie einfach mit einem Becher Kaffee Platz nahm zwischen den arbeitenden Maßnahmeteilnehmern.

Matthias Haverkamp beispielsweise erklärte ihr den Umgang mit seiner Zählhilfe, während Tatjana Klausmeier ihr persönlich wichtige Vorteile dieser Beruflichen Bildung nannte: weniger Stress, Arbeit ohne Druck, Dinge „für zu Hause“ lernen, gute Kollegen und tolle Angebote wie zum Beispiel die Krankengymnastik im Hause.

Beispielhaft stellten Beschäftigte die Produktion des Kaminanzünders Lukeo© vor, was Marianne Büscher theoretisch unterfütterte: „Alle Maschinen, mit denen hier gearbeitet wird, dienen unseren Leuten. Nicht der Automatisierung. Sie sollen möglichst allen Menschen die Teilnahme am Arbeitsprozess ermöglichen.“

Bislang werde die Berufliche Bildung in Werkstätten im Berufsbildungsgesetz nicht berücksichtigt, so Laumann-Rojer, der auf neue Entwürfe sogenannter Bildungsrahmenpläne aus der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten hinwies, die jetzt in den politischen Raum gelangen. Auf ein weiteres drängendes Problem wies er hin: Jungen Menschen, die inklusiv beschult würden, aber noch nicht volljährig seien, fehle der Anschluss nach der zehnten Klasse, was in der Region viele betreffe.

Die Ministerin hörte zu und versprach, sich für die Anerkennung der Beruflichen Bildung einzusetzen. Auf Dauer werde es darum gehen müssen, auch unterhalb der Lehre Teilabschlüsse und Qualifikationen gesetzlich zu verankern, merkte sie an.

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