Schulung zur Gewaltprävention
Auf den Selbstschutz achten

Ladbergen -

Dass Kunden einer Verwaltung auch mal ausrasten können, ist eine lange bekannte Tatsache. Wenn es allerdings nicht dabei bleibt, was dann? Einige Mitarbeiter der Gemeinde haben sich mit em Thema auseinandergesetzt.

Dienstag, 12.03.2019, 18:35 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 18:40 Uhr
Schulungsleiter Guido Schenk mimt den Bösewicht und bedroht Verwaltungsmitarbeiterin Sandra Spieker – eine Szene, die beiden Spaß macht, obwohl es um ein ernstes Thema geht: „Gewaltprävention und Konfliktmanagement im Beruf“. Selbstschutz sei im Ernstfall wichtiger als der Opferschutz, sagt Schulungsleiterin Andrea Salomon.
Schulungsleiter Guido Schenk mimt den Bösewicht und bedroht Verwaltungsmitarbeiterin Sandra Spieker – eine Szene, die beiden Spaß macht, obwohl es um ein ernstes Thema geht: „Gewaltprävention und Konfliktmanagement im Beruf“. Selbstschutz sei im Ernstfall wichtiger als der Opferschutz, sagt Schulungsleiterin Andrea Salomon. Foto: Erhard Kurlemann

Ein Lineal in der linken Hand, den Bürostuhl mit rechts vor die Knie des Angreifers drücken – so will Sandra Spieker dem Angriff ihres Kunden begegnen. „Das muss man einfach üben“, kommentiert Andrea Salomon die Szene. Gemeinsam mit Guido Schenk leitet sie die Schulung „Gewaltprävention und Konfliktmanagement im Beruf“.

Auftraggeber ist Bürgermeister Udo Decker-König. „Die Kollegen sollen vor Übergriffen von Kunden im Rathaus gewappnet sein“, betont Sandra Spieker, die die Schulung gemeinsam mit Henri Eggert organisiert hat. „Die Plätze waren schnell voll.“

Guido Schenk wundert das nicht. „Die Zahl der Übergriffe auf Behördenmitarbeiter, auf Polizei oder Feuerwehr im Einsatz steigt stetig“, weiß er. „Da ist es an der Zeit, vorbereitet zu sein.“

Im Feuerwehrgerätehaus in Ladbergen geht es zu nächst um Notwehr und Nothilfe. Was ist erlaubt, wenn Kunden tatsächlich renitent werden?

Wichtig sei, die Mitarbeiter für solche Situationen zu sensibilisieren, hebt Andrea Salomon hervor. Es sei besser, im Vorfeld vorbereitet zu sein als im Nachhinein nach Schwachstellen zu suchen, ergänzt sie und erinnert an den dramatischen Vorfall im Jobcenter in Neuss. Dort war eine Mitarbeiterin 2012 von einem Kunden zunächst mit einem Messer bedroht und dann erstochen worden.

„Es gibt keine absolute Sicherheit“, betonen die Schul ungsleiter. Aber kleine Tipps können helfen, sich selbst in Sicherheit zu bringen oder die Situation erst gar nicht eskalieren zu lassen. Mit Körpersprache insgesamt könnten schon viele wichtige Signale gesendet werden. Wenn ein Kunde laut werde und aufstehe, helfe es selbst aufzustehen – „und es gibt wieder Augenhöhe“.

Andrea Salomon empfiehlt, etwa für besonders bedrohliche Situationen ei­nen Telefon-Code für die Abteilung zu vereinbaren. „Akte Meyer ist dabei besser als weiße Palme“. Dabei sei zudem wichtig, die Notlage des Kollegen zu akzeptieren. Einordnungen wie „Schon wieder die oder hol dir doch die Akte selbst", seien wenig hilfreich.

Daneben könne es helfen, sich bei der Gestaltung des Büros auch über mögliche Fluchtwege Gedanken zu machen. „Kann ich nur von einer Seite den Schreibtisch verlassen?“ Und wenn es so weit komme, werde oft vergessen, dass die meisten Bürotüren nach innen zu öffnen seien.

Nach dem theoretischen Teil folgt das Ausprobieren. „Fehler in einem Training sind gute Fehler“, motiviert Andrea Salomon und fordert zu weiteren Versuchen auf. „Das Wissen darum schützt.“

Guido Schenk fasst das Anliegen zusammen: „Es ist wichtig zu wissen, was geht, bevor tatsächlich etwas passiert ist.“

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