Aktionsplan ist für Lokalpolitiker inakzeptabel
Viel Lärm um 45 Seiten

Ladbergen -

45 Seiten ist er lang und für die Mitglieder des Umweltausschusses über alle Parteigrenzen hinweg ein absolutes Ärgernis. Das war im Februar bereits so und in der jüngsten Sitzung am Donnerstag nicht viel anders: Die Rede ist vom „Lärmaktionsplan zur Lärmkartierung der 3. Stufe“, den die Gemeinde Ladbergen auf Geheiß der EU erstellen muss – als Konsequenz der europaweiten Umgebungslärmrichtlinie, die darauf abzielt, ein gemeinsames Konzept zur Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm zu realisieren.

Montag, 27.05.2019, 18:12 Uhr aktualisiert: 28.05.2019, 17:40 Uhr
Die Nachtflüge am FMO und deren Auswirkungen: Im ursprünglichen Lärmaktionsplan spielten sie gar keine Rolle, in der Neufassung ist ihnen ein Unterkapitel gewidmet. Ladbergens Lokalpolitiker bezeichnen den Plan als „Farce“.
Die Nachtflüge am FMO und deren Auswirkungen: Im ursprünglichen Lärmaktionsplan spielten sie gar keine Rolle, in der Neufassung ist ihnen ein Unterkapitel gewidmet. Ladbergens Lokalpolitiker bezeichnen den Plan als „Farce“. Foto: fmo

Was den Lokalpolitikern damals besonders aufstieß, waren zwei Dinge: Einerseits die Bemessungskriterien und Zahlen, die nicht auf tatsächlich gemessenen, sondern vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW geschätzten gemittelten Werten fußen. Und andererseits das Thema Fluglärm, das – weil es sich beim vom Ladberger Ortszentrum knapp vier Kilometer entfernten Airport Münster/Osnabrück nicht um einen Großflughafen mit mehr als 50 000 Flugbewegungen jährlich handelt – komplett vernachlässigt wurde. In der Beanstandung des Plans sind den Politikern weitgehend die Hände gebunden.

Das gilt auch für die 39 Wohnungen, die vor Ort laut Berechnung von (zu viel) Lärm durch die Bundesstraße 475 betroffen sind. Es gibt keine Möglichkeiten, konkrete Maßnahmen einzufordern. Was den Politikern des Umweltausschusses trotzdem wichtig war: dem Plan das Kapitel Fluglärm auf freiwilliger Basis hinzuzufügen und damit auszudrücken, dass den Politikern das Thema keineswegs egal ist.

So heißt es dort unter anderem, dass 2018 eine deutliche Zunahme des Nachtflugverkehrs beobachtet wurde, der sich über die gesamte Nachtzeit verteilte. In diesem Jahr sei indes mit einem 20-prozentigen Rückgang zu rechnen. Ferner hatten die besondere Wetterlage und inzwischen abgeschlossene Arbeiten an Start- und Landelogistik in Richtung Greven zu einer deutlichen Zunahme der Abwicklung des An- und Abfluges über Ladbergen geführt.

Dr. Thomas Schulze Eckel (FDP) versprach, „man werde vor allem die Probleme in Bezug auf den Nachtflug im Auge behalten und die Situation immer neu bewerten“. Sein Fazit: „Mit der Aufstellung des Lärmaktionsplans genügen wir einer EU-Vorschrift, aber er bleibt eine Farce.“ Eine Sicht, der sich die übrigen Politiker anschlossen: „Viel Aktion um nichts“, nannte es Reinhard Kemper (SPD) und sagte unisono mit Günter Haarlammert (CDU), dass er keinen Grund sehe, diese Farce mitzumachen. Auf die Frage von Norbert Plogmeier (Grüne), was geschehe, wenn man dem Plan nicht zustimme, antwortete Bürgermeister Udo Decker-König kurz: „Nichts.“

Und so kam‘s: Einstimmig verabredete sich der Ausschuss darauf, den Lärmaktionsplan zur Kenntnis zu nehmen, ihm „wegen der Unzulänglichkeiten“ aber nicht zuzustimmen.

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