Engpässe und Lieferprobleme
Mangelware Medikament

Ladbergen -

Benötigt man ein bestimmtes Medikament, geht man in die Apotheke. Doch ganz so einfach ist das aktuell nicht. Es gibt Engpässe und Lieferprobleme. Die WN haben in einer Apotheke in Ladbergen nachgefragt, wie sich die Situation vor Ort tatsächlich darstellt.

Mittwoch, 12.06.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 12.06.2019, 16:14 Uhr
Die Beschaffung von Medikamenten ist schwieriger geworden. Bei einem Mangel versuchen Apotheken in der Regel zusammen mit Ärzten vor Ort, eine Lösung für die Patienten zu finden.
Die Beschaffung von Medikamenten ist schwieriger geworden. Bei einem Mangel versuchen Apotheken in der Regel zusammen mit Ärzten vor Ort, eine Lösung für die Patienten zu finden. Foto: dpa

Beim Betreten der Apotheke am Rott fällt ein leeres Regal auf, aber dies ist lediglich einem Sortimentswechsel geschuldet, wie Inhaber Stefan Leugermann schmunzelnd erklärt. Dass die Situation bei der Beschaffung von Medikamenten schwieriger geworden ist, räumt er allerdings ein. „Wenn es weltweit nur noch zwei Hersteller für einen wichtigen Wirkstoff gibt und einer davon Probleme mit der Qualitätssicherung hat, kommt es natürlich zu Engpässen“. Dann versuche man in Zusammenarbeit mit Ärzten vor Ort, eine schnelle, zufriedenstellende Lösung für die Patienten zu finden. „Das ist nicht immer einfach und erhöht natürlich den Arbeitsaufwand für die Mitarbeiter – und Ärzte“, ergänzt die leitende Apothekerin Brigitte Westermann .

Die Apotheke versuche, durch einen deutlich höheren Warenbestand einem eventuell auftretenden Mangel entgegenzuwirken, erklärt Apothekenleiter Leugermann. „Es ist natürlich nicht hinnehmbar, wenn, wie 2018 geschehen, ein Notfallmedikament gegen allergischen Schock nicht lieferbar ist.“

Grundsätzlich sieht Leugermann die Politik in der Pflicht. Da seien zum einen die Rabattverträge der Krankenkassen für bestimmte Arzneimittel, die sich immer wieder ändern würden und so zu Lieferengpässen führten. Zum anderen die Produktion in Asien mit weiten Lieferwegen und Produktionsausfällen, die schnell Knappheit in Krankenhäusern und Apotheken verursachen könnten.

Leugermann beklagt auch den hohen bürokratischen Aufwand. So muss zum Beispiel ein „Nichtlieferbarnachweis“ erbracht werden, wenn der Patient ein Ersatzpräparat erhalten soll.

Auch die weit verbreitete Meinung, nach der Medikamente in Deutschland teuer seien, kann der Apotheker so nicht stehen lassen. Im europäischen Vergleich liege Deutschland nur im Mittelfeld und international agierende Medikamentengroßhändler verkauften ihre Produkte natürlich dorthin, wo der größte Gewinn lockt.

Die gute Nachricht sei, dass sich niemand um die Medikamentenversorgung in Ladbergen wirklich Sorgen mache müsse. Apotheker und Ärzte versuchten sicherzustellen, dass jeder Kunde sein gewohntes Medikament erhält. „Aber bitte nicht auf den letzten Drücker, wenn die letzte Tablette aus dem Blister gedrückt ist, mit dem Rezept um die Ecke kommen,“ lautet der Ratschlag des Apothekers.

Seit Wochen wird ein akuter Mangel an Medikamenten in deutschen Apotheken vermeldet. Dabei werden häufig verschiedene Ereignisse miteinander vermischt. Da sind zum einen die aus dem Brexit eventuell kurzfristig entstehenden Lieferengpässe beiderseits des Ärmelkanals, andererseits eine grundsätzliche globale Entwicklung, die auch nicht vor den Medikamenten-Herstellern Halt macht. Weil immer mehr Wirkstoffe ausschließlich in China und Indien produziert werden, kommt es häufiger zu Problemen bei der Verteilung der Produkte.

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