Baumkataster: 1900 Gehölze sind digital erfasst
Unterwegs mit Hammer und Hippe

Ladbergen -

Die Mehlbeere hat die Nummer 490496. Sie steht auf dem Gelände der Grundschule, einen Steinwurf vom Mühlenbach entfernt. Janwillem Starke-Zumpe hat den Baum bereits einer Kontrolle unterzogen. Der 29-Jährige ist seit Tagen in der Gemeinde unterwegs, um die Bäume auf öffentlichem Grund zu begutachten. Jeden einzeln. Rund 500 stehen auf seiner Liste. Heute will er damit fertig sein.

Donnerstag, 27.06.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 27.06.2019, 18:10 Uhr
Janwillem Starke-Zumpe hat im Auftrag der Gemeinde rund 1900 Bäume erfasst, einer davon ist die Mehlbeere auf dem Gelände der Grundschule mit der Nummer 490496 (kleines Foto).
Janwillem Starke-Zumpe hat im Auftrag der Gemeinde rund 1900 Bäume erfasst, einer davon ist die Mehlbeere auf dem Gelände der Grundschule mit der Nummer 490496 (kleines Foto). Foto: Katja Niemeyer

Janwillem Starke-Zumpe arbeitet für den Baumfachbetrieb „Grüner Zweig“, den die Gemeinde Ladbergen mit der Erstellung eines Baumkatasters für die öffentlichen Flächen im Siedlungsbereich sowie einiger kommunaler Liegenschaften im Außenbereich beauftragt hat.

In einem ersten Schritt hatte der gelernte Arborist – der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort „arbor“ (der Baum) ab – im April und Mai rund 1900 Bäume erfasst. Drei Wochen habe er für die Bestandsaufnahme benötigt, berichtet der Garten- und Landschaftsbauer, der an die Ausbildung einst noch ein Arboristik-Studium drangehängt hat.

Janwillem Starke-Zumpe zeigt auf den Bildschirm seines Notebooks: Für das digitale Baumkataster wurde jeder Standort mit einem roten Punkt markiert. Hat er ein Gehölz kontrolliert, ändert er die Farbe in grün.

Um beurteilen zu können, in welchem Zustand sich ein Baum befindet, hat der Fachmann bei der Arbeit immer einen sogenannten Schon-Hammer mit Gummikopf dabei. Damit klopft er den Stamm ab. „So kann ich zum Beispiel hören, ob das Gehölz an einigen Stellen hohl ist“, erläutert der gebürtige Hamburger. Zur Standardausrüstung gehört außerdem ein Fernglas, mit dem er bis hoch hinaus in die Kronen blicken kann. Damit er den Stammfuß besser in Augenschein nehmen kann, greift Janwillem Starke-Zumpe zuweilen zur sogenannten Hippe, eine Art Gartenmesser, mit dem er den Boden aufkratzt. In einer Tasche trägt der Arborist einen ganzen Haufen Metallplaketten mit sich, in die Nummern eingraviert sind, und die er mit Nägeln an den Stämmen befestigt. An jedem der rund 1900 Bäume baumelt nunmehr eine solche Marke.

Der Standort der Mehlbeere an der Grundschule hat bereits einen grünen Punkt im digitalen Register. Zwar habe der Baum wohl schon einmal unter einer Kernfäule gelitten, die Restwandstärke, so das Urteil des Experten, „reicht aber noch aus“.

Gutachten wie dieses sind von großer Bedeutung für die Verwaltung, denn sie muss wissen, ob die Gehölze verkehrssicher sind, sprich, dass sie stand- und bruchsicher sind und nicht womöglich umkippen bei einem Sturm oder Äste herunterfallen und damit zur Gefahr für Menschen werden.

Stellt Janwillem Starke-Zumpe entsprechende Schäden fest, wird der Bauhof der Gemeinde oder – bei größeren Arbeiten – ein Fachbetrieb tätig. „Die Bauhofmitarbeiter haben in der Vergangenheit natürlich immer wieder Kontrollen durchgeführt. Mit der Bestandsaufnahme bekommen wir nun aber eine umfassende externe Meinung und einen Maßnahmenkatalog“, betont Bauamtsleiter Tim Lutterbei und kündigt zugleich für die Zukunft im regelmäßigen Abstand weitere Regelkon­trollen an.

Janwillem Starke-Zumpe hat an diesem Vormittag noch einige Eichen, Buchen, Birken, Linden und andere Gehölze vor sich. Er weiß: „Die Bäumen leiden unter Trockenstress.“ Vor allem, weil es bereits im vergangenen Sommer an Regen fehlte. Davon, ergänzt er, „haben sich die Bäume immer noch nicht erholt.“

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