Nationalfeiertag „25 de Mayo“ wird mit Musik und Essen gefeiert
Gauchotanz mit Sombrero

Ladbergen -

Während in Deutschland Nationalflaggen außerhalb von Weltmeisterschaften schon für aufsehenerregende Blicke sorgen, gehört 12 000 Kilometer südlicher die blau-weiße Flagge zum Alltag: Argentinier spüren Stolz für ihr Land. Luca Pals berichtet vom Nationalfeiertag.

Mittwoch, 10.07.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 19:20 Uhr
Das Bild zeigt Luca Pals in Gauchokleidung zusammen mit den beiden Freiwilligen Lucia und Chelsea.
Das Bild zeigt Luca Pals in Gauchokleidung zusammen mit den beiden Freiwilligen Lucia und Chelsea.

Während in Deutschland Nationalflaggen außerhalb von Weltmeisterschaften schon für aufsehenerregende Blicke sorgen, gehört 12 000 Kilometer südlicher die blau-weiße Flagge zum Alltag: Argentinier spüren Stolz für ihr Land. Besonders am 25. Mai.

Auf einem Festplatz mit großen Tribünen versammelten sich auch dieses Jahr über 2000 Tänzer, um den traditionellen „Pericón“ zu tanzen. Der Himmel strahlt an diesem Tag blau – so wie die argentinische Nationalflagge, die heute in jeder Ecke zu sehen ist. Den „Pericón“ zu tanzen, bedeutet für alle hier eine große Ehre. Zahlreiche Vereine, Schulen und andere Einrichtungen machen mit. Zuvor gibt es eine Militärparade.

Die Kleidung bei allen Tänzern und Zuschauern ist an diesem Tag klar vorgegeben: Die Männer treten als Gauchos auf. Gauchos sind die traditionellen Viehhirten Argentiniens, die besonders im 19. Jahrhundert die großen Weiten der Felder bewirtschafteten. Ein Gaucho trägt einen Sombrero oder eine Mütze. Dazu eine Pumphose, die hier als „bombacha“ bekannt ist. Ein weißes Halstuch, ein traditioneller Gürtel und ein weißes Hemd – an diesem Tag muss alles sitzen. Leichte Stoffschuhe ergänzen das Outfit. Die wahren Gauchos, die an diesem Tag auf Pferden durch die Arena schreiten, tragen sogar das Gaucho-Messer (facón). Die Frauen tragen ein weißes Hemd, geflochtene Zöpfe und einen Rock, leichte Stoffschuhe und ein Halstuch. Dieses ist passend zur Nationalflagge in blau.

An einem solchen Tag gibt es natürlich klassisches Essen – das Beste, was die argentinische Küche auftischen kann: Empanadas gefühlt mit Schinken und Käse, Fleisch, Fisch und vieles mehr. Natürlich darf das Asado-Fleisch nicht fehlen, auch verschiedene Suppen und Gebäcke gibt es an diesem Tag. Und jeder Argentinier läuft mit einem Mate in der Hand herum.

Hintergrund des traditionellen Feiertages ist die Mai-Revolution (spanisch: Revolución de Mayo) von 1810. Eine rasche Abfolge verschiedener Ereignisse führte damals zur Bildung der ersten von der spanischen Krone unabhängigen Regierung: Zuerst erklärte die Stadt Buenos Aires am 25. Mai 1810 seine Unabhängigkeit vom damaligen Vizekönigreich Peru. Am 9. Juli 1816 bildete sich dann das Land Argentinien. Zwar ist von einer Revolution die Rede, gewalttätige Auseinandersetzungen waren aber damals die Seltenheit.

Die Ereignisse von damals hatten zwar erst nur lokale Auswirkungen, die mit den Jahren aber zum Vorbild für ganz Lateinamerika wurden: 1811 Paraguay, 1825 Bolivien oder 1828 Uruguay – die Macht der spanischen Krone sank Jahr für Jahr, die heute bekannten lateinamerikanischen Länder erreichten ihre Unabhängigkeit und Souveränität.

Ganz klar: Der 25. Mai ist für die Argentinier auch 200 Jahre nach der Revolution ein sehr wichtiger Tag. Das merkt man an jeder Ecke: Schon Tage vorher bereiten sich alle auf die Feierlichkeiten vor. Tänze werden einstudiert, es wird Essen vorbereitet und die Kleidung wird pünktlich zum Tag sorgfältig zurechtgelegt. Dass ich als deutscher Freiwilliger an den Tänzen mitmachen durfte, erfüllt mich auch ein wenig mit Stolz.

Auch das ist Freiwilligendienst im Jahr 2019: Teilnahme an den Traditionen anderer Kulturen, um zu lernen, wie andere Nationen denken und fühlen. Inmitten einer Zeit voller Umbrüche und Veränderungen ist der Gedanke an das Leben in der „einen Welt“ besonders wichtig – der gegenseitige Austausch und mit offenen Armen aufeinander zuzugehen. Zusammen statt gegeneinander arbeiten.

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