Naturnah statt monoton
Antrag der Grünen: Verbot von neuen Stein- und Schottergärten

Ladbergen -

Graue Steine statt bunter Blumen: Immer häufiger ziehen Hausbesitzer monotone Stein- und Schottergärten vielfältigen Grünflächen vor. Auf Kosten der Artenvielfalt und des Mikroklimas, wie die Partei Bündnis 90/Die Grünen in einem Antrag an Bürgermeister Udo Decker-König schreibt und auch in Ladbergen einen „entsprechenden Handlungsbedarf“ sieht, wie es Fraktionssprecher Jörg Berlemann formuliert.

Dienstag, 06.08.2019, 19:30 Uhr aktualisiert: 06.08.2019, 20:51 Uhr
Ein verbreiteter Trend: Immer häufiger weichen Pflanzen Steinen und Schotter. Dem möchte die Partei Bündnis 90/Die Grünen mit ihrem Antrag in Ladbergen nun Einhalt gebieten.
Ein verbreiteter Trend: Immer häufiger weichen Pflanzen Steinen und Schotter. Dem möchte die Partei Bündnis 90/Die Grünen mit ihrem Antrag in Ladbergen nun Einhalt gebieten. Foto: Dietmar Jeschke

Ihm zufolge gebe es auch vor Ort einen wachsenden Trend, Gärten vegetationsfrei beziehungsweise vegetationsarm mit Steinen, Schotter, Kies oder Splitt zu gestalten. Dabei seien gerade Hausgärten „ein wichtiger Baustein, um Artenvielfalt zu erhalten“. Ergo sei es „wichtig, Steingärten in Wohn- und auch Gewerbegebieten zu verhindern.“

Die Grünen fordern dreierlei Punkte: Erstens soll im Rahmen der Aufstellung von neuen und der Änderung von bestehenden Bebauungsplänen eine naturnahe Gartengestaltung festgeschrieben werden. Zweitens sollen lediglich bestehende Schotter- und Steingärten aus Rechtsschutzgründen Bestandsschutz haben. Und drittens soll die Verwaltung beauftragt werden, mit dem Kreis Steinfurt eine Regelung zu finden, wie gegen Verstöße dieses Gebots vorgegangen werden kann.

Für Berlemann und seine Fraktionskollegen sind Gärten für viele Wildtiere, darunter auch Singvögel, Schmetterlinge, Bienen und Hummeln, wichtige Refugien. „Denn sie bieten – im Idealfall – mit ihrer Pflanzenvielfalt Nahrung, Unterschlupf, Kinderstube für Tiere (...). Sie bilden ökologische Trittsteine für Pflanzenarten, Insekten und Vögel, die auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen von Trittstein zu Trittstein wandern und deshalb wichtige Bausteine der Biotopverbundsysteme sind.“

Pro: Gut für uns alle

Niemand lässt sich gerne reglementieren. Und beispielsweise Häuslebauer können von den Einschränkungen in Bebauungsplänen wie Neigung des Dachwinkels, Farbwahl der Dachziegel und dergleichen mehr schon lange ein Lied singen. Jetzt also auch noch Vorschriften bezüglich der Gartengestaltung?

Grundsätzlich sollten Verbote immer das letzte Mittel der Wahl sein. Und trotzdem halte ich es für richtig. Denn scheinbar geht es nicht mehr ohne. Dass naturnahe Gärten viele Vorzüge für die Artenvielfalt, das Mikroklima und damit für uns alle mit sich bringen, sollte in Zeiten des Klimawandels doch jedem bewusst sein. Trotzdem nimmt die Zahl der Beton-, Stein- und Schotterwüsten in den hiesigen Gärten unaufhaltsam zu.

Also gibt’s von mir ein klares Nein zu den Gruselgärten! Und mal ganz ehrlich: Betrachten Sie sich nicht auch lieber einen blühenden Vorgarten, in dem die Insekten schwirren, als versiegeltes und monotones Betongrau? | (Mareike Stratmann)

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Hinzu komme, dass Steingärten sich im Sommer stärker aufheizten als naturnahe Gärten. Die in den Steinen gespeicherte Wärme werde über Nacht abgegeben und wirke so der erfrischenden Abkühlung entgegen. Der Boden könne kein Wasser speichern und es fehlten große Pflanzen, die Schatten spendeten. Grünflächen dagegen lieferten saubere und frische Luft, so die Grünen.

Außerdem wollen sie den vermeintlich geringen Pflegeaufwand als Ausrede nicht gelten lassen: „Viele lassen Steingärten anlegen, weil sie glauben, damit ein für alle Mal die lästige Gartenarbeit los zu sein. Das mag auf das erste Jahr zutreffen. Langfristig allerdings lagern sich zwischen den Steinen und in den Fugen altes Laub und Samen ab, suchen sich Flechten, Moose und Wildkräuter ihren Weg – auch durch Plastik-Sperrschichten. Dies führt dazu, dass dann Herbizide eingesetzt werden müssen, um den Steingarten „sauber“ zu halten, was Kleinstlebewesen schadet und das Grundwasser vergiftet.“

Contra: Es ist mein Garten

Wer glaubt, mit dem Verbot von Schotter-Vorgärten die Umwelt zu retten, ist auf dem Holzweg. Sicher, Büsche und Bäume bieten vielen Tieren einen Lebensraum, beispielsweise Vögeln für die Aufzucht von Jungen. Doch auch zwischen und unter Steinen entwickelt sich ein Mikrokosmos von Kleinstlebewesen. Die stehen in der Nahrungskette ganz unten – und werden beispielsweise von Vögeln gefressen. Ob eine Meise schöner ist als eine Spinne, liegt im Auge des Betrachters. Eine Lebensberechtigung haben beide Tiere.

Steinwüsten gibt es überall, auch die Sahara ist keine reine Sandfläche. Wer Kieselsteine im Vorgarten verbieten will, macht es sich sehr einfach. Es muss ja keine Faulheit sein, auf einen Rasen oder Blumenbeete zu verzichten. Körperliche Einschränkungen können ein Grund sein, diese pflegeleichte Variante zu bevorzugen. Ein Verbot für die Gartengestaltung ist eine Bevormundung. Das will ich nicht. Es ist mein Garten. | (Michael Baar)

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Natürlich seien sich die Grünen darüber im Klaren, „dass diese Festsetzung eine Einschränkung der persönlichen Freiheit der Garteneigentümer ist“. Hierzu zitieren sie jedoch einen Auszug aus dem § 9 der Landesbauordnung NRW, in dem festgeschrieben ist, dass „nicht-überbaute Flächen wasseraufnahmefähig zu belassen, zu begrünen und zu bepflanzen sind“.

Angesichts des dramatischen Rückgangs der Artenvielfalt sei dieser Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte auch gerechtfertigt. In früheren Bebauungsplänen und Gestaltungssatzungen seien schon ganz andere Dinge festgeschrieben worden, wie zum Beispiel die Klinker- und Dachziegelfarbe, Einfriedungen und auch Bepflanzungen. 

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