Studie beleuchtet Bevölkerung und Wohnungsmarkt
Ladbergen im Jahr 2035

Ladbergen -

Leben im Jahr 2035 in Ladbergen 7120 Menschen? Oder sinkt die Bevölkerungszahl in den nächsten 16 Jahren auf 6440 Einwohner? Diese beiden Zahlen bilden die Eckpunkte der vier Szenarien, die das Pestel-Institut für die Kommune entwickelt hat im Rahmen der Studie „Gut Wohnen im Münsterland“.

Freitag, 16.08.2019, 06:25 Uhr aktualisiert: 16.08.2019, 16:10 Uhr
Ein Blick in die Glaskugel? Die wissenschaftliche Studie „Gut Wohnen im Münsterland“ des Pestel-Instituts zeichnet ein Bild Ladbergens im Jahr 2035.
Ein Blick in die Glaskugel? Die wissenschaftliche Studie „Gut Wohnen im Münsterland“ des Pestel-Instituts zeichnet ein Bild Ladbergens im Jahr 2035. Foto: Colourbox/Günter Schörer Montage: Jessica Dirkes

Das Bild Ladbergens im Jahr 2035 ist keine Prognose oder Vorhersage der weiteren Entwicklung von Bevölkerung und des Wohnungsmarkts im Ort. Vielmehr werden alternative Entwicklungspfade aufgezeigt.

Auf dem Wohnungsmarkt bilden die in den Jahren 1949 bis 1978 fertiggestellten Immobilien mit 41,4 Prozent den größten Block. Über 100 Jahre alt sind 4,8 Prozent der Wohnungen, zwischen 1919 und 1948 wurden 8,6 Prozent der genutzten Immobilien gebaut. Zwischen 1979 und 1990 entstanden 11,6 Prozent der Wohnungen, in den Zeiträumen 1991 bis 2000 und seit 2001 beträgt der Anteil an den Wohnimmobilien jeweils 16,9 Prozent.

Neben dem auch in Ladbergen zu beobachtenden Trend, dass in den vergangenen Jahren die Durchschnittszahl der in einem Haushalt lebenden Personen gesunken ist, spielt noch ein zweiter Faktor für den Wohnungsmarkt eine Rolle: Die Zahl der Zu- und Fortzüge. Die seit Jahren steigende Einwohnerzahl beruht nach Berechnungen des Pestel-Instituts vollständig auf sogenannten Wanderungsgewinnen. Im nahen Umfeld „stellten die Kommunen Greven, Saerbeck, Tecklenburg, Lengerich, Lienen und Ostbevern die wichtigsten Herkunftsquellen der Zuwanderer dar“, heißt es in der für den Kreis Steinfurt erstellten Studie. Wanderungsgewinne wurden ebenfalls mit der Stadt Münster und den Kreisen Borken und Coesfeld verzeichnet.

Ein Faktor, der Ladbergen als Wohnort interessant macht, ist der Arbeitsmarkt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist seit 1995 um 953 auf 2521 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gestiegen. Dieses Plus von 61,8 Prozent war fast doppelt so groß wie im Kreis Steinfurt (plus 33 Prozent). Im gleichen Zeitraum sank die Zahl derjenigen, die von Ladbergen einen auswärtigen Arbeitsplatz aufsuchten, um 211 auf 333 Personen.

Und im Jahr 2035? „Da die Gemeinde Ladbergen wesentliche Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Kommune in einer insgesamt attraktiven Region selbst steuern kann, hängt es auch stark von kommunalpolitischen Entscheidungen ab, welchen Entwicklungspfad die Gemeinde beschreiten wird“, heißt es im Kurzgutachten des Pestel-Intituts. Dabei ist aus Sicht der Fachleute die Baulandausweisung und die Attraktivität der kommunalen Infrastruktur „von hoher Bedeutung für die weitere Entwicklung“.

Für den Wohnungsbestand heißt das beispielsweise, dass von einem hohen Bedarf an energetischen Sanierungen auszugehen ist. Hinzu kommt, dass es in Ladbergen vergleichsweise wenige Wohnungen mit einem oder zwei Zimmern gibt. Auch da könnte sich Handlungsbedarf ergeben mit Blick auf die sinkende Durchschnittsbelegung in Haushalten.

Seit 1995 sind im Ort im Jahresdurchschnitt 38 neue Wohnungen gebaut worden. Der Schwerpunkt lag da – mit Ausnahme der Jahre 2001, 2007, 2010, 2015 und 2017 bei Einfamilienhäusern. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es Ende 2017 ein leichtes Defizit beim Wohnungsbestand gab. Anders ausgedrückt: es fehlten 50 Wohnungen.

Die Studie

Die Studie „Gut Wohnen im Münsterland – eine Macher-Region mit enormem Potenzial“ wurde vom Pestel-Institut in Hannover erarbeitet. Auftraggeber waren die WohnBau Unternehmensgruppe, die Sparkasse Westmünsterland und die Kreissparkasse Steinfurt.

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Handlungsbedarf für die Kommunalpolitik könnte sich auch im Bereich sozial geförderter Wohnungsbau ergeben. Wenn die Hälfte der armutgefährdeten Haushalte mit Sozialwohnungen versorgt werden sollen, fehlt es in Ladbergen bis 2035 an 42 Sozialwohnungen. Das entspricht 7,2 Prozent des Gesamtbedarfs.

Auch wenn das Pestel-Institut nur mögliche Entwicklungswege aufzeigt – sicher ist, dass die Altersgruppe der über 65-Jährigen bis 2035 wachsen wird. Zu dem Zeitpunkt wird mindestens jeder vierte Ladberger dieser Gruppe angehören. Maximal wird der Anteil der Senioren bei gut 30 Prozent der Einwohnerzahl liegen.

Die zweite Altersgruppe, die in allen betrachteten Einwicklungsszenarien wächst, sind die bis 18-Jährigen. Derzeit gehören rund 1100 Ladberger dieser Altersgruppe an. Bei den vier betrachteten Szenarien zählt diese Gruppe in drei Fällen maximal 1300 Kinder und Jugendliche im Jahr 2035. Sollte die Geburtenrate steigen, könnten in 16 Jahren aber auch über 1500 unter 18-Jährige im Dorf leben.

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