Pilger machen Halt im Schultenhof
Schwitzen, zuhören und verstehen

Ladbergen -

Das Thermometer vor der Volksbank zeigt es an: 32 Grad Celsius. Ein knallheißer Sommertag. Einer, der im Schatten oder im kühlen Nass gut auszuhalten ist. Für die circa 30 Pilger ist daran nicht zu denken: Laufen, immer weiter laufen lautet die Devise – die Sonne und die sengende Hitze begleiten die tapferen Wanderer auf jedem Meter. „Gleich haben wir es geschafft“, freut sich einer der Männer mit Blick auf den Schultenhof und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die Freude muss er nicht verstecken. Denn am Telgter Damm gibt es Kaffee, Kuchen und kühle Getränke – eine wohlverdiente Pause steht an.

Montag, 02.09.2019, 20:37 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 17:40 Uhr
Etwa 30 Pilger wurden am Samstagnachmittag von vielen ehrenamtlichen Helfern und Flüchtlingen aus Ladbergen am Schultenhof begrüßt. Zur Stärkung gab es Kaffee und Kuchen. Zudem entspannen sich intensive Diskussionen über Krieg und Frieden.
Etwa 30 Pilger wurden am Samstagnachmittag von vielen ehrenamtlichen Helfern und Flüchtlingen aus Ladbergen am Schultenhof begrüßt. Zur Stärkung gab es Kaffee und Kuchen. Zudem entspannen sich intensive Diskussionen über Krieg und Frieden. Foto: Luca Pals

So geschehen am vergangenen Samstag: Der Schultenhof, in Ladbergen als Treffpunkt für Flüchtlinge und Einheimische bekannt, machte Tor und Türen auf, bot drinnen wie draußen die Möglichkeit, sich setzen zu können und bei einer kühlen Cola ins Gespräch zu kommen.

Die Pilger waren unterwegs auf dem „ersten Westfälischen Pilgerweg“. Dieser startete für die Gruppe, in der auch Pfarrer Ingo Göldner mitlief, am Freitagmorgen am Osnabrücker Rathaus und endete am Sonntagnachmittag im historischen Rathaus in Münster: 74 Kilometer sollten die Frauen und Männer dann unter dem Motto „Auf den Spuren des Westfälischen Friedens“ zurückgelegt haben. Der Westfälische Friede wurde 1648 in Osnabrück und Münster vollzogen. In Lengerich als auch Ladbergen (im heutigen Gasthaus Zur Post) fanden bekanntlich Vorverhandlungen statt.

Organisiert wurde der Pilgerweg vom Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe). Gemeinsam sollten Menschen aus der Region mit Flüchtlingen und Migranten wandern, dabei ins Gespräch kommen und im besten Fall sich über Krieg und Frieden austauschen. Was sich die MÖWe wünschte, wurde im Schultenhof, in dem Ehrenamtliche, Ladberger und Neuzugezogene bereits mit Kaffee und Kuchen auf die Pilgerer warteten, perfekt umgesetzt.

Unterstützt werden die Arbeiten im Schultenhof vom Landesprogramm „KOMM-AN-NRW“ und dem kommunalen Integrationszentrum des Kreises Steinfurt. Sozialamtsleiterin Sigrid Bücker-Dowidat freute sich: „So haben wir uns das vorgestellt.“ Einige Flüchtlinge erzählten von ihren Erfahrungen aus dem Krieg und der Not auf der Flucht, in der Folge entstanden rege Diskussionen.

Ingo Göldner betonte: „Wir wollen uns als Friedensbotschafter verstehen. Krieg bringt keine Lösungen, nur der direkte Austausch.“

Passend zum Thema Frieden gedachten die Pilger dem 80. Jahrestag des Ausbruches des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939. Göldner unterstrich in diesem Zusammenhang: „Der zweite Weltkrieg ist schon sehr lange her, unsere Generation hat kaum Erinnerungen daran. Die Flüchtlinge können uns da viel erzählen.“ Entsprechend wichtig sei der intensive Austausch.

Der evangelische Pfarrer war nicht der einzig begeisterte Pilger. Ulrike Kettrup aus Greven etwa meinte: „Es war eine tolle Strecke, trotz der heißen Temperaturen kommt auch mal ein kleines Windchen.“ Sie betreue fünf Flüchtlingskinder und sei daher direkt „Feuer und Flamme“ für den Pilgerweg gewesen. Gleiches galt für Otto Mlinaric aus Isselburg: „Wir leben Integration und reden nicht nur drüber.“

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